Pressemitteilung

Strukturwandel ganz oben auf der Agenda der Verwaltungsräte, Universalmodell soll jedoch erhalten bleiben

Luxemburg, 15. November 2013

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  • Weitreichende Veränderungen sind in Vorbereitung, besonders bei weltweit tätigen Banken
  • Regulatorische Unsicherheiten blockieren den Fortschritt und verursachen Trägheit bei der Abgrenzung
  • Aggregierte Auswirkungen der Änderungen der Verordnungen überlastet die Verwaltungsräte

Laut der EY-Umfrage Structural change in European Banking ist die Strukturreform für ein Drittel der Verwaltungsräte der Banken oberste Priorität und gehört bei 90% der Verwaltungsräte der weltweit tätigen Banken (Globally Systemically Important Banks, GSIBs) zu den drei Hauptzielen. Geplant sind erhebliche Änderungen der Produktpalette, der geographischen Struktur und Joint Ventures. Banken halten jedoch an dem Universalbankmodel fest und sind überzeugt, Wege zu finden, dies auf Konzernebene bei gleichzeitiger Einhaltung der verschiedenen Verordnungen einschlieβlich der Abgrenzung umsetzen zu können.

Führungskräfte von 38 Banken in 13 europäischen Ländern wurden befragt. Die Studie repräsentiert mehr als USD 24 Billionen an Gesamtvermögen sowie eine Reihe gröβerer und kleinerer Institute einschlieβlich zehn weltweit tätiger Banken.

Bernard Lhoest, Banking and Capital Markets Leader bei EY Luxemburg sagt: „Reformen von Verordnungen und Resolutionen üben Druck aus auf das globale Modell, das Banken derzeit anwenden. Banken sind überzeugt, dass sie nach wie vor als einzelne Institute tätig sein wollen. Hierzu müssen sich Banken jedoch signifikanten Umstrukturierungen unterziehen.”

Weitreichende Veränderungen in Vorbereitung, jedoch Erhalt des Universalmodell durch Banken

Banken erwarten in den kommenden drei Jahren wesentliche Veränderungen ihrer Strukturen. Über 40% gehen davon aus, sich bis 2017 von einigen Produkten zu trennen, in Randmärkten Veräuβerungen zu tätigen sowie Maβnahmen zur Ausgliederung und Auslandsverlagerung drastisch zu verändern.

GSIBs gehen davon aus, weitere drastische Änderungen durchzuführen. 70% erwarten Veräuβerungen in Randmärkten, 50% eine Expansion auβerhalb Europas und 50% die Trennung von einigen Produkten. 30% der GSIBs gehen auch davon aus, die Anzahl der Joint Ventures zu erhöhen.

Trotz dieser Veränderungen und dem regulatorischen Druck zur Abgrenzung betreibt der Groβteil der befragten Banken (68%) jedoch ein Universalmodell, das alle erhalten wollen.

Bernard Lhoest erläutert: „Banken legen groβen Wert darauf, ein Universalmodell zu erhalten. Wir gehen jedoch davon aus, dass es sich nicht um das Universalbankmodell handelt, das wir kennen. Reformen von Resolutionen und die Einführung der Abgrenzung dürfte Bankengruppen dazu bringen, Holding-Strukturen mit operativen Tochtergesellschaften zu gründen, die sich auf bestimmte Aktivitäten und/oder Regionen spezialisieren und die getrennt voneinander finanziert werden.”

GSIBs am weitesten fortgeschritten, regulatorische Unsicherheit blockiert jedoch wesentliche Änderungen

60% der befragten Banken, die nicht weltweit tätig sind, haben noch nicht ernsthaft mit der eigentlichen Arbeit an den Änderungen ihres Geschäftsmodells begonnen – sie ziehen entweder keine wesentlichen Änderungen ihres Geschäftsmodells in Betracht oder beginnen gerade erst mit der Auswertung möglicher Änderungen. Im Gegensatz dazu haben 63% der GSIBs Entscheidungen im Hinblick auf Änderungen ihres Geschäftsmodells getroffen und sind entweder im Gespräch mit der Regulierungsbehörde oder beginnen mit der Umsetzung. Von diesen 63% erwartet die eine Hälfte jedoch Klärung oder eine endgültige Stellungnahme von Seiten der Regulierungsbehörden, bevor weitere Fortschritte erzielt werden können.

Bernard Lhoest sagt: „Es fehlen immer noch ein paar recht wesentliche Puzzlesteine, die die Banken davon abhalten, ihre Strukturwechselprogramme vollständig umzusetzen. Banken brauchen eine weltweit einheitliche Auffassung zu den Resolutionsmaβnahmen sowie unter anderem zu den Vorschriften zur Liquidität und zu OTC-Derivaten. Sie benötigen auch klarere Vorstellungen davon, wie diese auf nationaler und regionaler Ebene umgesetzt werden sollen, bevor tatsächliche Fortschritte bei den Reformen erzielt werden können.”

Für den Anfang einige taktische Umstrukturierungen, um das Jahr zu überstehen

Trotz der regulatorischen Unsicherheit wird der Druck seitens der Aktionäre die taktische Umstrukturierung sowie den Ausstieg aus verschiedenen Märkten und Produktlinien kurzfristig antreiben.

Bernard Lhoest sagt: „Die Kombination aus Regulierungsdruck durch die Faktoren Prüfung der Aktiva-Qualität und andauernde Marktvolatilität wird dazu führen, dass mehr Banken dem Druck der Aktionäre ausgesetzt werden, bestimmte Aspekte ihrer Geschäftsmodelle zu überarbeiten. Dies gilt insbesondere, wenn Banken darum kämpfen, durchschnittliche Profitabilitätswerte der Branche in bestimmten Geschäftsfeldern zu erreichen; dies kann bereits im laufenden Quartal passieren.”

Aggregierte Auswirkungen der Verordnungsänderungen überlastet die Verwaltungsräte

Für Banken stellt die Regulierungsreform die wichtigste externe Antriebskraft für die Arbeit an den Strukturveränderungen dar. 70% der Befragten gaben an, dass es sich nach Kapital- und Liquiditätsbeschränkungen (42%) und sich verändernden Kundenerwartungen (37%) um das wichtigste Anliegen des Verwaltungsrates handelt.

Banken legen ihren Schwerpunkt jedoch auf Einzelvorschriften, für die sich letztendlich auf Regeln geeinigt wurde. Es gibt mehr unmittelbare Fristen und möglicherweise fehlen die gröβeren Zusammenhänge. Dies zeigt sich an den Standpunkten zur Abgrenzung. Banken in Frankreich und Groβbritannien, in denen Vorschriften festgelegt sind, sind über die Abgrenzung recht besorgt. In anderen Ländern setzen Banken Prioritäten jedoch nicht auf Verwaltungsratsebene. Demzufolge ist die Abgrenzung auch nur für 10% der befragten Banken ein wichtiges Anliegen. Nur 10% sorgen sich um die Existenz ihrer derzeitigen rechtlichen Struktur.

Die Kapazitäten der Banken zur Operationalisierung dieses Strukturwandels sind auch nicht klar. Banken sind darüber informiert, dass sie ihre Systeme und Aktivitäten angehen müssen. 60% gehen davon aus, dass sie diese Angelegenheiten aus der Vergangenheit im Hinblick auf ihre Systeme und Aktivitäten in den kommenden drei Jahren gelöst haben. Sie können jedoch keinen Raum schaffen, in dem Systeme und Aktivitäten vorrangig sind; nur 21% der Befragten gaben an, dass Systeme und Aktivitäten ein internes Anliegen sind und eine noch geringere Anzahl von Befragten gab an, dass die Kompetenzen zur Gestaltung und dem Herbeiführen von Veränderungen von Belang sind.

Bernard Lhoest sagt: „Einzeln betrachtet werden die Strukturänderungen als überschaubar angesehen, im Ganzen überschwemmen sie jedoch die Tagesordnung der Verwaltungsräte. Aus der Befragung geht hervor, dass Verwaltungsräte und Führungskräfte nicht über die Bandbreite verfügen, genügend Zeit für alle Fragen, mit denen sie konfrontiert werden, aufzubringen bzw. den Schwerpunkt darauf zu legen. Als Folge davon bleibt es weiterhin schwierig, den regulatorischen Wandel mit den strategischen Unternehmenszielen in Einklang zu bringen.

Ein Schlüsselelement in dieser diffusen Situation sind die Vorschläge zur Abgrenzung, die nun ihre Auswirkungen in den USA und verschiedenen EU-Mitgliedstaaten haben. Auch hier zeigt sich, dass klare Regulierungsvorschriften oder das Fehlen dieser Vorschriften das Maβ an Engagement bestimmen. Märkte, in denen Rechtsvorschriften zur Abgrenzung festgelegt wurden, widmen dem mehr Aufmerksamkeit. In vielen anderen Ländern fehlt jedoch das Engagement. Wird der Liikanen-Bericht in seiner derzeitigen Form eingeführt, müssen Verwaltungsräte in ganz Europa ihre Prioritäten überdenken. Gleiches gilt für Banken mit Niederlassungen in den USA, falls die USA Vorschriften einführen, die von ausländischen Banken fordern, Zwischenholdinggesellschaften für ihre US-Niederlassungen einzuführen.”

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Diese Pressemitteilung wurde von EYGM Limited, einem Mitgliedsunternehmen der internationalen EY-Organisation, veröffentlicht. Auch dieses Unternehmen erbringt keine Leistungen für Mandanten.

Weitere Informationen zu EY Luxemburg finden Sie unter www.ey.com/lu.