Pressemitteilung

Strukturwandel ganz oben auf der Agenda der Verwaltungsräte, Universalmodell soll jedoch erhalten bleiben

Luxemburg, 19. November 2013

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  • Für 67 % der Hedge Fonds genießt Wachstum oberste strategische Priorität
  • Der Kampf um die Margen: Für ein Drittel der Manager steigen die Kosten schneller als die Umsatzerlöse
  • Die Gegensätze zwischen großen und kleinen Fonds vergrößern sich
  • Anleger investieren direkt und übergehen Dachfonds

Mit fortschreitender Reife der Hedge Fonds-Branche beginnen diejenigen Fonds, die die Finanzkrise überlebt haben, nun verstärkt damit, auch außerhalb ihres ursprünglichen Geschäftsmodells nach Wachstumschancen zu suchen, so das Ergebnis der 7. jährlichen Global Hedge Fund Survey von EY Exploring pathways to growth. Die Studie zeigt jedoch, dass Fonds-Manager ihr zu verwaltendes Vermögen zwar durch neue Produkte und Vertriebskanäle vergrößern wollen, Investoren jedoch nicht unbedingt planen, in größerem Umfang in Hedge Fonds zu investieren und nicht daran interessiert sind, mehrere Produkte vom gleichen Fonds-Manager zu erwerben.

Die globale Umfrage vergleicht die Aussagen von 100 Hedge Fonds-Managern, die zusammengenommen ein Vermögen von annähernd USD 850 Mrd. verwalten, sowie von 65 institutionellen Investoren, die ein Volumen von über USD 190 Mrd. in Hedge Fonds angelegt haben. Thematisiert wurden strategische Prioritäten für Hedge Fonds, Umsatz- und Kostenentwicklung, Technologie, Mitarbeiter, Outsourcing und Shadowing („Schattenbilanzierung“) sowie die Zukunft der Hedge Fonds-Branche. 

Michael Ferguson, Hedge Fund Leader bei EY Luxembourg meint: „Umsatzwachstum steht ganz oben auf der Prioritätenliste der Fonds-Manager. Um dieses Ziel zu erreichen, wenden sie neue Strategien an und erweitern ihr Portfolio um neue Produkte wie beispielsweise institutionelle Angebote mit Long-only-Strategie und registrierte Fonds. Außerdem werden mehr Ressourcen für die operative Infrastruktur abgestellt, um das Wachstum in diesem Bereich auch stemmen zu können. Die Manager der größten Fonds tätigen den Großteil dieser Investitionen und scheinen aktuell auch die Früchte ihrer Arbeit zu ernten - sie verzeichnen die meisten Zuflüsse in der Branche. Aufgrund des geringen Anlegerinteresses könnten die Wachstumsziele der Manager jedoch hinter den Wunschvorstellungen zurückbleiben.“

Manager bewerten die Aussichten optimistischer als Investoren

Die Fonds-Manager blicken optimistisch in die Zukunft. Neben neuen Strategien und Produkten setzen sie auch auf den Ausbau der Vertriebsnetzwerke und -kanäle, in denen sie traditionell präsent sind. Diesen Optimismus teilen die Anleger nicht. Investoren gehen mehrheitlich (72 %) davon aus, die aktuelle Anlageverteilung beizubehalten, während Fonds-Manager, insbesondere Manager kleinerer Fonds, künftige Mittelzuflüsse und die Marktentwicklung deutlich zuversichtlicher bewerten: Manager mit einem verwalteten Fondsvolumen von unter USD 10 Mio. streben 2013 ein 15%iges Umsatzwachstum an.

Michael Ferguson stellt fest: „Während Manager entschlossen scheinen, ihr Produktportfolio zu erweitern, sind Anleger deutlich weniger daran interessiert, mehrere Produkte von ein und demselben Fonds-Manager zu erwerben. Stattdessen suchen sie nach den am besten geeigneten Manager für die jeweilige spezifische Anlagestrategie. Das erklärt, warum Fonds-Manager beinahe in gleicher Höhe neue Mittel von Bestandskunden gewinnen wie von neuen Kunden.“

Kosten steigen schneller als Umsätze wachsen, weshalb Fonds mit schrumpfenden Margen kämpfen

Vor dem Hintergrund höherer Anforderungen von Anlegern und Aufsichtsbehörden konzentrieren sich Fonds-Manager verstärkt auf operative Effizienz und Kosteneinsparungen, um Margen aufrechtzuerhalten.

Laut Umfrage verzeichneten zwei Drittel der Manager im Vorjahr ein Umsatzwachstum, mit verbesserter Performance und steigendem Fondsvolumen. Lediglich die Hälfte berichtete jedoch von einem Margenanstieg. Ein Drittel der Manager gab an, schrumpfende Margen zu verzeichnen, bei weiteren 10 % blieben die Margen bei steigenden Kosten unverändert. 

Michael Ferguson sagt: „Europäische Manger scheinen ihre Kosten am besten unter Kontrolle zu haben. Sie erwarten die höchsten Margenanstiege. Dies lässt sich vermutlich dadurch begründen, dass europäische Manager Kostenmanagement durch Outsourcing betreiben, vom Shadowing kaum Gebrauch machen und weniger komplexe Anlagestrategien bieten.

Lediglich ein Drittel der europäischen Fonds-Manager stellte einen Anstieg der Kosten fest, gegenüber 58 % in Nordamerika. Während sich drei Viertel der Manager in Asien höheren Kosten gegenüber sahen, waren asiatische Manager auch am erfolgreichsten bei der Kapitalbeschaffung. Das führte zu steigendem Umsatz und höheren Margen.

Die Manager begründen die höheren Kosten mit der Entwicklung der Infrastruktur, um gesetzliche Berichterstattungsvorschriften erfüllen zu können, sowie mit der Expansion des Geschäfts, um ausreichend Ressourcen für die Verwaltung des steigenden Fondsvermögens zu schaffen. In der Vergangenheit haben neue Vorschriften meist zu steigenden Systemkosten geführt - Kosten, die von Fonds und Managern getragen werden, aber nur minimal zur Unterstützung des Due Diligence-Prozesses oder zur Minimierung von Systemrisiken beitragen. Tatsächlich sind mehr als zwei Drittel der Manager der Meinung, dass sich die Vorschriften bisher nicht auf den Due Diligence-Prozess zur Sicherheitsüberprüfung von Anlagen ausgewirkt haben. Die Erwartungen der Anleger und Fonds-Manager für die Zukunft sind einander ähnlicher als in der Vergangenheit. Beide erwarten verschärfte Berichterstattungsvorschriften und damit verbundene höhere Kosten.

Durch Shadowing entstehen erhebliche Kosten. Hedge Fonds greifen in zahlreichen Funktionsbereichen auf lückenloses Shadowing zurück, um das Fehlerrisiko zu minimieren sowie indirekt, um gegebenenfalls einen Notfallplan zur Verfügung stellen zu können. Im Fokus des Shadowing steht das Front Office, wo die Fehlersensitivität am größten ist und eine zeitnahe Fehlerbehebung von grundlegender Bedeutung, um nachteilige Auswirkungen und Reputationsrisiken zu vermeiden. Es ist keine Überraschung, dass die Fonds-Manager mehrheitlich weiterhin auf lückenloses Shadowing zurückgreifen. Durchaus überraschend ist jedoch die Tatsache, dass eine steigende Zahl Fonds-Manager engere Beziehungen zu Fondsverwaltern aufbaut und das lückenlose Shadowing zurückfährt, während dem Fondsverwalter in Teilen die Aufsicht übertragen wird. 

Anleger stimmen überein, dass das Front Office am wichtigsten ist, differenzieren jedoch stärker als Manager, in welchen Bereichen Shadowing einzusetzen ist. Im Zentrum stehen Anlagebewertung, während einer Reihe von Back Office-Funktionen, einschließlich dem Partner/Shareholder Accounting und der Berichterstattung an Investoren, weniger Bedeutung beigemessen wird. Dennoch haben beinahe die Hälfte aller Hedge Fonds für diese Funktionen Shadowing eingerichtet. 

Auf die Frage, welche Bedingungen für eine Reduzierung des Shadowing erfüllt sein müssten, nannten einige Manager ein höheres Maß an Abstimmung mit ihren Verwaltern. Andere merkten an, dass eine Zustimmung sämtlicher Anleger erforderlich sei, um Einschnitte beim Shadowing vornehmen zu können.

Die Gegensätze zwischen großen und kleinen Fonds vergrößern sich

Es ist offensichtlicher denn je, dass sich die Gegensätze in der Branche immer mehr vergrößern. Gewinner dieser Entwicklung sind einerseits die größten Fonds, die aufgrund ihrer Größe sowie ihrer Fähigkeit und Bereitschaft, in das Geschäft zu investieren, Erfolge verzeichnen und andererseits die kleinsten Fonds aufgrund ihrer einfachen Strukturen. Die größten und kleinsten Fonds weisen das effizienteste Personalverhältnis zwischen Front Office und Back Office auf. Die größten Fonds deshalb, weil sie ihre Größenvorteile nutzen können, und die kleinsten Fonds, weil sie sich Ineffizienzen schlichtweg nicht leisten können.

„Weniger Manager als 2012 haben angegeben, in den Front und Back Office-Funktionen Personal aufstocken zu wollen - ein Zeichen dafür, dass die Zahl der Neueinstellungen rückläufig ist“, so Michael Ferguson. „Trotzdem nehmen die größten Fonds im Marktvergleich weiterhin in praktisch jeder Funktion überdurchschnittlich viele Neueinstellungen vor, u.a. in den Bereichen Marketing, Anlagegeschäft, Risikomanagement und Rechtsabteilung/Compliance. So stellen sie sicher, dass ihr Bertriebsmodell skalierbar und geeignet ist, das Wachstum zu fördern und die Erwartungen der Anleger und Berater zu erfüllen.“

Europa bleibt beim Geschäft mit individuell zugeschnittenen Angeboten hinter den USA zurück

Die Nachfrage nach individuell zugeschnittenen Lösungen steigt und kann auch erfüllt werden.  Annähernd zwei Drittel der Anleger investieren bereits in individuell zugeschnittene Produkte oder würden dies gerne tun. Am deutlichsten besteht die Nachfrage bei Dachfonds: Beinahe 70 % der befragten Dachfonds haben bereits in individualisierte Produkte investiert und weitere 15 % gaben an, dies gerne tun zu wollen. Es lassen sich allerdings einige geografische Unterschiede feststellen. 75 % der Manager in Nordamerika bieten individualisierte Lösungen, dagegen nur knapp 50 % in Europa.

„Diejenigen Hedge-Fonds-Manager, welche die besten individualisierten Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen bieten und diejenigen, die „Nein“ sagen können, werden auf lange Sicht am erfolgreichsten sein“, meint Michael Ferguson. „Im Moment scheinen sich die Manager der größten Fonds als Gewinner herauszukristallisieren, da sie in der Lage sind, mit den geringsten Grenzkosten individuell zugeschnittene Produkte anzubieten.“

Tendenz zur Direktinvestition

Über 75 % der Hedge-Fonds-Manager in Europa und Nordamerika gaben an, Direktinvestitionen seien gestiegen und die Mehrheit der Manager geht davon aus, dass dieser Trend sich fortsetzt.

„Direktinvestitionen steigen weiter und werden von Managern bevorzugt, wobei sich die Vermittlung tendenziell von Dachfonds auf Investmentberater verlagert“, so Michael Ferguson. „Manche Dachfonds bieten deshalb beraterähnliche Tätigkeiten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Da die Renditen wahrscheinlich weiterhin bescheiden ausfallen werden und Investoren einen einfacheren Zugang zum Markt haben, bleiben die Vermittlungskosten weiterhin ein zentrales Thema.

Eine steigende Anzahl Manager geht davon aus, dass sie in den kommenden Jahren mit Investmentberatern zusammenarbeiten werden -  eine Entwicklung, die sich auf die Marketingstrategien und die Servicemodelle der Manager auswirken wird. Dachfonds reagieren auf diesen Trend, indem sie neue, kleinere Fondsverwaltungen suchen, von denen sie größere Zugeständnisse fordern, um kleineren institutionellen Anlegern marktfähige Pakete bieten zu können.

EY Luxembourg ist am 11. Februar 2014 Gastgeber des Hedge Fund Symposium. Dort wird eine Auswahl erfahrener Hedge Fonds-Experten die Ergebnisse der Umfrage diskutieren.

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