Börsen-Zeitung, 28 September 2013

AIFM Richtlinie

Der Startschuss ist gefallen!

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Obwohl mit dem 22. Juli 2013 der Termin für die Umsetzung der Europäischen Richtline über die Verwalter alternativer Investmentfonds – kurz AIFM Richtlinie – bereits verstrichen ist, haben bisher nur 12 EU Mitglieder ein entsprechendes Umsetzungsgesetz verabschiedet. Deutschland, Frankreich, Irland, Luxemburg und das Vereinigte Königreich zählen zu denjenigen Ländern, die die Umsetzung Fristenkonform vollzogen haben. Und auch wenn einige Mitgliedstaaten wie Belgien, Portugal oder Spanien weder damit begonnen haben, ein entsprechendes Gesetz anzugehen, noch Gespräche mit relevanten Marktteilnehmern geführt haben, sind die Auswirkungen der AIFM Richtlinie seit diesem Sommer deutlich spürbarer als noch vor dem Umsetzungstermin. Darüber kann auch nicht die einjährige Übergangsfrist bis Juli 2014 hinweg täuschen, die Manager alternativer Investmentfonds und deren Dienstleister in der Regel gewährleistet bekommen.

Der Countdown läuft

Die in der AIFM Richtlinie verankerten Übergangsregelungen gewähren denjenigen Managern, die vor dem Umsetzungsdatum vom 22. Juli 2013 bereits aktiv ihr Fondsgeschäft betrieben haben, eine Frist von bis zu einem Jahr, um die Vorgaben der Direktive vollumfänglich umzusetzen. Bevor sich Manager jedoch zurücklehnen und ein Jahr verstreichen lassen, sollten sie die nationalen Besonderheiten der einzelnen EU-Länder in Betracht ziehen da manche Mitgliedstaaten die Übergangsfrist nicht in ihre nationalen Gesetze übernommen haben.

Luxemburg hat zusätzlich zum Umsetzungsgestz über Verwalter alternativer Investmentfonds vom 12. Juli 2013 ein Q&A Dokument veröffentlicht welches die Übergangsregelung klarstellt. Während Manager, die ihre Geschäftstätigkeit nach dem 22. Juli 2013 aufnehmen, den vollen Gesetzes-Regelungen unterworfen sind, um eine Lizenz von der lokalen Aufsichtsbehörde zu erhalten, können bereits existierende Manager von einem Aufschub bis zum 22. Juli 2014 profitieren, vorausgesetzt sie beantragen keine frühere Lizenzierung, um vom Vertriebs-Pass Gebrauch zu machen.

Luxemburg nutzt AIFM Richtlinien-Umsetzung zu weitergreifenden Gesetzesänderungen

Das eigentlich Bemerkenswerte an der Luxemburger Umsetzung ist jedoch nicht die klar und einfach gehaltene Übergangsregelung, sondern die Tatsache, dass das Gesetz vom 12.Juli 2013 nicht nur die von Europa vorgegebenen Regelungen gewissenhaft umsetzt, sondern eine Vielzahl von zusätzlichen Massnahmen beinhaltet, die eine pragmatische und zugleich flexible Vorgehensweise ermöglicht. Was die Investmentprodukte wie zum Beispiel den Luxemburger Spezialfonds anbelangt, lässt das AIFM Gesetz die bereits existierenden und bewährten Regeln bestehen. Gesetzesänderungen auf Produktseite betreffen primär die Sicherstellung, dass zukünftig sämtliche Vorschriften der AIFM Richtlinie eingehalten werden. Zudem wurden aber einige Gesetze verändert um den alternativen Investmentsektor insgesamt zu stärken. So wurde eine neue Gesellschaftsform basierend auf dem Limited Partnership Modell aus England und Schottland eingeführt um Private Equity Häusern die Gelegenheit zu bieten, gewohnte juristische Strukturen zur Fondsauflage auch in Luxemburg vorzufinden. Ausserdem werden Management Dienstleistungen zukünftig von der Mehrwertsteuer befreit. Zuguterletzt wurde ein neuer reglementierter Status eingeführt, der es auch nicht-Banken erlaubt, als Depotstelle für geschlossene Strukturen wie Private Equity und Immobilienfonds zu agieren.

Die operative Umsetzung steht vielen Managern noch bevor

Gerade Depotbanken haben in den letzten 12 bis 18 Monaten einen beträchtlichen Aufwand unternommen, um die Herausforderung AIFM Richtlinie zu meistern und ihren Kunden ab dem ersten Tag vollumfängliche Dienstleistungen unter der Direktive anbieten zu können. Themenbereiche die dabei besonders untersucht und implementiert werden mussten waren unter Anderem Spezifika bei der Verwahrung von Dachfonds, Preisgestaltung der Dienstleistungen unter Berücksichtigung der strikten Verantwortung der Depotbanken, Kooperationsmodelle mit Prime Brokern, Mechanismen zur Überwachung von Cash Flows sowie das Ausmass mit dem sich Depotbanken auf die Arbeit und Kontrollen anderer Dienstleister verlassen können.

Im Gegensatz zu den Depotbanken sahen bisher viele Manager noch nicht den zeitlichen Druck, die AIFM Richtlinie ab dem ersten Tag umzusetzen und verharrten somit eher in einer abwartenden Haltung. Durch diese Strategie erhoffen sich einige einen vereinfachten Umsetzungsprozess, da sich bei Aufsichtsbehörden möglicherweise eine gewisse Routine durch die Bearbeitung von ersten Dossiers eingestellt hat und zudem ein höherer Grad an Gewissheit vorherrscht in Bezug auf bestimmte Anforderungen, welche von der Direktive vorgeschrieben sind, jedoch einen gewissen Interpretationsspielraum offenlassen. Auf der anderen Seite kann diese Strategie auch dazu führen, dass manche Manager innerhalb der nächsten Monate schneller als gewollt ein Zeitproblem bekommen, wenn die Umsetzungsdeadline näher rückt.

Reporting und Risikomanagement rücken in den Fokus

Diejenigen Manager, die sich zur Zeit mit der Umsetzung der AIFM Richtlinie befassen, müssen ihren Organisationsaufbau, deren Struktur, sowie die operativen Prozesse überprüfen. Dabei gilt es, verschiedene kritsche Punkte zu beachten. Neben den strategischen Entscheidungen, wo der AIFM zukünftig ansässig sein soll und welche Aufgaben eventuell an externe Dientsleister ausgelagert werden sollen, sind die grössten prozessualen Herausforderungen ohne Zweifel die Erfüllung der regulatorischen Berichtspflichten sowie das Aufsetzen und die Dokumentation eines unabhängigen Risikomanagements. Die umfassenden Anforderungen der Direktive in diesen Bereichen können zu bedeutenden Veränderungen in der Ablauforganisation eines Managers führen und sind vor allem für kleine Manager eine nicht zu unterschätzende Hürde.

Um die operative Belastung der verschärften Berichtspflichten zu reduzieren erwägen viele kleine bis mittelgrosse Manager das Berichtswesen vollständig an Dritte auszulagern. Dies öffnet eine attraktive Nische für Dienstleister und Administratoren und wird zukünftig als separates Dienstleistungsangebot zu finden sein. Als positiver Nebeneffekt ist damit zu rechnen, dass ein höherer Standardisierungs- und Automatisierungsgrad beim Erstellen von Berichten erreicht wird.

Beim Thema Risikomanagement müssen Manager zukünftig ihr Hauptaugenmerk auf ausreichende Formalisierung und Unabhängigkeit legen. Da Risikomanagement häufig direkt mit Portfoliomanagement verknüpft ist, werden einige Manager die Herausforderung angehen müssen, beide Funktionen zu trennen. Neben den organisatorischen Veränderungen müssen zudem sämtliche relevante Risiken fondsspezifisch aufgelistet, die entsprechenden Risikoindikatoren und –limits definiert sowie fortlaufende Überwachung durchgeführt und dokumentiert werden. Dieser gesamte Prozess stellt wiederum eine Hürde für kleine Manager dar, die sich zukünftig potentiell unter das Dach einer Verwaltungsgesellschaft begeben werden welche wiederum Skaleneffekte nutzen können.

Der Übergangsprozess hat gerade erst begonnen

Die Anforderungen der AIFM Richtlinie sind vielfältig und werden wohl zu einer Reihe von organisatorischen, strukturellen und prozessualen Veränderungen führen. Während die einzelnen Aufsichtsbehörden und Gesetzgeber die Direktive allmählich in nationale Gesetze und Regeln umsetzen, gewinnt der Umsetzungsprozess mehr und mehr an Fahrt. Da Routine und Präzedenzfälle bisher noch fehlen stehen Marktteilnehmer der alternativen Investment Branche einiger Unsicherheit und gewissen Herausforderungen gegenüber. Nichtsdestotrotz sollten AIFM-Anwärter nicht zu lange damit warten, den Umsetzungsprozess anzustossen, da sie ansonsten schnell unter Zeitdruck geraten. Die kommenden Jahre werden ohnehin geprägt sein von einer konstanten Weiterentwicklung, und das sowohl auf Seiten der AIFM’s als auch auf Seiten der Aufsichtsbehörden.

 

Kai Braun, Executive Director, Luxembourg Alternatives Advisory Leader, EY Luxemburg

Alain Kinsch, Country Managing Partner, EMEIA Private Equity Fund Leader, EY Luxemburg