Börsenzeitung, 12 April 2014

Sicherheit bei Verbriefungen hat Zukunft

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Die Verbriefung, das heißt die Ausgabe von besicherten Wertpapieren, deren Kapital- und Zinszahlungen allein von der Qualität und Performance speziell definierter Vermögenswerte abhängt, hat die wichtige makroökonomische Funktion, der Wirtschaft im Rahmen der Unternehmensfinanzierung eine alternative Finanzierungsquelle über den Kapitalmarkt zu eröffnen. Eine Finanzierungsalternative, die nicht nur den Banken, sondern auch der Industrie und insbesondere auch den mittelständischen Betrieben zur Verf ügung steht und die dem Originator (dem Verkäufer der zu verbriefenden Vermögenswerte) neben dem effizienten Kapitalmarktzugang auch die Optimierung seiner Finanzierungsstruktur und -kosten erm öglichen kann.

 

Dunkle Gewitterwolken

Im Frühling 2006 brauen sich am wirtschaftlichen Horizont dunkle Gewitterwolken zusammen, die in Kürze mit heftigen Blitz- und Donnerschlägen in die Finanz- und Kapitalm ärkte einschlagen sollen und das ausgerechnet im Segment der durch Hypotheken besicherten und als besonders risikoarm geltenden Verbriefungstransaktionen, den sogenannten Residential Mortgage Backed Securities (RMBS). Die fraudulente Kreditvergabepraxis Usamerikanischer Banken wird umfangreiche negative Auswirkungen auf die weltweiten Verbriefungsm ärkte haben.

 

Die Aufseher reagieren

Konsequenterweise reagieren auch die verschiedenen Finanzmarktaufsichtsbeh örden und erlassen zum Schutz der Anleger und der Mìrkte eine Vielzahl regulatorischer Vorschriften, unter anderem zum Selbstbehalt der Originatoren und zu Kapitalanforderungen auf Investorenseite. Trotz nachgewiesener Qualität europäischer Verbriefungen führte die lokale US-amerikanische Ursache zu globalen regulatorischen Ønderungen, die seitdem tendenziell zu einer Ûberregulierung der Verbriefungspositionen führen.

Aufgrund des ausgelösten Vertrauensverlustes und der negativen Folgen der Regulierung haben sich in den folgenden Jahren die traditionellen Investorengruppen weltweit zurückgezogen. Zwischen 2008 und 2013 reduzierten sich allein die europ äischen Neuemissionen um etwa 75 %. Hinzu kommt außerdem, dass diese Neuemissionen mehrheitlich von den Originatoren, nur zwecks Liquiditätsbeschaffung bei der Europäischen Zentralbank, selbst gezeichnet wurden. Positiv betrachtet sind die Märkte zu Gunsten einfacher und verständlicher Transaktionen von intransparenten und komplexen Strukturen bereinigt worden.

 

Trendwende deutet sich an

Diese Ausgangslage hat EY Luxemburg Anfang 2014 zum Anlass genommen, um eine Umfrage unter europäischen Marktteilnehmern durchzuführen. Befragt wurden Teilnehmer der Verbriefungsm ärkte verschiedener europäischer und außereuropäischer Lìnder zu Ihrer Einschätzung hinsichtlich der Entwicklung der Verbriefung in Europa. Die Befragung umfasste dabei mehr als 1000 Entscheider aus der Gruppe der Originatoren, Investmentbanker, Dienstleister und Investoren. Seit Mìrz 2014 liegen die ersten Ergebnisse der Umfrage vor und deuten gleich doppelt auf eine Trendwende hin. Zum einen sehen zwei Drittel der Befragten ein moderates oder sogar starkes Wachstum der Neuemissionen, und zum anderen besteht wieder erhöhtes, wenn auch selektives, Investoreninteresse.

 

Positive Erwartungen

Die positiven Erwartungen der Befragten fokussieren sich insbesondere auf klassische RMBS bzw. durch Leasing- oder Handelsforderungen besicherte Asset Backed Securities (ABS). Gerade der Trend zur Verbriefung von Handelsforderungen wird es insbesondere deutschen und britischen mittelständischen Betrieben sowie Großunternehmen erm öglichen, ihre Unternehmensfinanzierung zu diversifizieren, sofern ihre Bilanzen hochgranulare Forderungen angemessener Bonität ausweisen. In Luxemburg existieren bereits heute spezialisierte Anbieter von Verbriefungsplattformen, die auch die Verbriefungen von kleineren, revolvierenden Forderungsportfolien effizient durchführen können.

 

Deutlicher Anstieg

Während die Neuemissionen in Europa insgesamt stark rückläufig waren, hat Luxemburg als wichtigstes kontinentaleuropäisches Verbriefungsdomizil von 2011 bis 2013 einen deutlichen Anstieg von 470 auf 650 Verbriefungsgesellschaften verzeichnet. Die von EY Luxemburg Befragten gaben als wichtigsten Grund für den Standort Luxemburg das maßgeschneiderte Verbriefungsgesetz an, das einen transparenten, flexiblen und doch zuverlässigen Rechtsrahmen etabliert hat und durch gesetzliche Regelungen eine Komplexitätsreduktion im Individualvertragsrecht erzielt.

Weitere Unsicherheit wurde den Märkten genommen, als die Luxemburger Finanzmarktaufsicht ihre Position zur Auslegung der Alternative Investment Fund Managers Direktive (AIFMD) hinsichtlich der Fragestellung konkretisiert hat, ob bzw. welche Luxemburger Verbriefungsgesellschaften in den Anwendungsbereich der AIFMD fallen. Nun ist klar, dass kaum eine hiesige Verbriefungsgesellschaft in deren Anwendungsbereich fällt. Eine Klarstellung, die umgehend mit erhöhter Nachfrage quittiert wurde.

Neue Verbriefungsgesellschaften wurden in den letzten Monaten insbesondere im Segment der Auto-Leasingforderungen gegründet, deren Sponsoren sowohl große deutsche Automobilhersteller als auch Leasinggesellschaften sind. Die Ausgestaltung der Transaktionen erfolgte dabei mit Unterschieden im Detail, so wurden beispielsweise Forderungsportfolien mit bzw. Ohne Adressenausfallrisiko auf die Verbriefungsgesellschaften übertragen.

 

Diverse neue Strukturen

Weitere Unterschiede bestehen in der Ausgestaltung des Forderungsankaufs als ewig revolvierend bzw. zeitlich begrenzt mit geplantem Laufzeitende. Andere Vehikel widmen sich der Finanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen durch Bündelung dieser Adressen in einem Wertpapier, dessen zu erwartendes geringes Ausfallrisiko bereits durch die Diversifizierung dieser Adressen für Investoren interessant wird. Weiterhin haben die Luxemburger Verbriefungsgesellschaften bei alternativen Finanzierungen im Bereich von Solar- und Windkraftanlagen, aber auch bei Schiffs- und Flugzeugfinanzierung gewonnen. Ein Segment, das klassischen und alternativen Asset-Managern offen steht.

Die europäischen Statistiken zeigten in den vergangenen fünf Jahren ein deutliches Absinken der europäischen Verbriefungsaktivität, während Luxemburg dem europäischen Trend erfolgreich widerstand und diverse neue Strukturen aufgelegt hat. Die Ergebnisse der von EY Luxemburg initiierten Umfrage weisen bei ausgewählten Asset-Klassen auf eine europäische Trendwende hin. Die Qualität der Transaktion in Verbindung mit der Verlässlichkeit der Luxemburger Rahmenbedingungen sind zwei wesentliche Komponenten für das Eintreten der erwarteten Trendwende. Alles in allem: Sicherheit hat Zukunft.

 

Oliver Clöß, Direktor und Koordinator Verbriefung EY Luxemburg

 

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