Tradition der Innovationen bewährt sich in Krisenzeiten
Soparfi hat dies bewiesen – Finanzzentrum bietet auch nach Verabschiedung der AIFM-Richtlinie eine effiziente europäische Plattform für Private Equity
Von Alain Kinsch und Katrin Lakebrink
Börsen-Zeitung
5. September 2009
Nach vier Jahren ungebrochenen Wachstums steht die Luxemburger Private-Equity-Branche seit etwa zwölf Monaten einem schwierigen Marktumfeld gegenüber. Auch wenn die Wachstumsraten in der Industrie weiterhin positiv sind, haben sich die Strategie neuer Fonds sowie die Art der Transaktionen geändert. Luxemburg ist es in diesem Rahmen gelungen, neue Lösungsansätze zu entwickeln, die den qualitativ und quantitativ geänderten Anforderungen der Private-Equity-Industrie Rechnung tragen. Damit hat das Großherzogtum erneut seine Fähigkeit unter Beweis gestellt, mit innovativen Lösungen schnell und zielgerichtet auf den Markt zu reagieren.
Der Erfolg geht weiter
Von einer generell rückläufigen Auflage von Private-Equity-Fonds abgesehen, lässt sich bei den neu aufgelegten Private-Equity-Fonds eine qualitative Verschiebung in Richtung Nischenprodukte mit einem spezifischen Fokus auf einzelne Regionen oder Geschäftsfelder feststellen. Die Volumina dieser Fonds sind in der Regel geringer und Transaktionen werden zunehmend eigenkapitalfinanziert. Die Luxemburger Finanzierungsvehikel SICAR und SIF sind in Kontinentaleuropa ein häufig gewähltes Fondsprodukt für Private Equity: 219 SICARs („Investmentgesellschaft zur Anlage in Risikokapital“) und 858 SIFs („Spezialisierter Investmentfonds“) wurden seit Verabschiedung der relevanten Gesetze im Jahr 2004 respektive 2007 bei der CSSF, der Luxemburger Finanzaufsichtsbehörde, registriert. Diese Anzahl belegt den fortwährenden Erfolg dieser beiden als komplementär zu verstehenden, onshore und leicht regulierten Finanzierungsvehikel, die auf die Bedürfnisse qualifizierter Anleger zugeschnitten sind.
Speziell SICARs werden von den „Top 20“ Private-Equity-Häusern, aber auch von zahlreichen kleinen und mittleren Private-Equity-Akteuren genutzt, um Investitionen in Venture Capital, Private Equity, Mezzanine-Kapital und andere alternative Risikokapitalanlagen (opportunistische Anlagen in Immobilien, Mikrofinanz usw.) zu tätigen. Ein eindeutiger Investitionstrend geht aktuell in Richtung erneuerbare Energien. Viele Private-Equity-Häuser haben diesen Trend erkannt und Expertise im Bereich Wind- und Solarenergie, Bioenergie, Kohlenstoffkredite gemäß Kyoto-Protokoll, Infrastrukturprojekte oder Holz aufgebaut. Seiner Tradition kontinuierlicher Innovation entsprechend, hat Luxemburg das Gesetz zur SICAR nach der Verabschiedung im Jahr 2004 bereits im Oktober 2008 überarbeitet. Die nun mögliche Auflage von Teilfonds und die Verbesserung des SICAR-Regimes in der Form von Kommanditgesellschaften (Société en Commandite Simple) als Äquivalent zum angelsächsischen Limited Partnership (LP) sind in diesem Kontext die beiden wichtigsten Neuerungen.
Beständiger Partner
Die Finanzmarktkrise hat zahlreiche Herausforderungen mit sich gebracht, welche die Strukturierung und auch Restrukturierung von Private-Equity-Akquisitionen maßgeblich beeinflusst haben. Seit mehr als 20 Jahren stellt Luxemburg die wichtigste Plattform in der Strukturierung paneuropäischer Akquisitionen durch US-, UK- oder europäische Private-Equity-Fonds dar. Insbesondere die Luxemburger Soparfi („société de participations financières“) hat sich hierbei als krisenfeste Struktur bewiesen. Die Möglichkeiten der Schuldenrestrukturierungen, wie zum Beispiel Verbindlichkeiten unter pari von Banken zurückkaufen zu können oder die Flexibilität, Debt-Equity-Swaps steuerlich tragbar zu strukturieren und damit die Liquiditätssituation der Portfoliogesellschaften zu verbessern, sind von der Private-Equity-Industrie sehr begrüßt worden.
Die Vorzüge Luxemburgs basieren jedoch auf weitaus mehr als ausschließlich steuerlichen Faktoren. Ein Vergleich der sogenannten steuerlichen „Vorteile“ Luxemburgs mit denen anderer Standorte kann die Standortwahl Luxemburg teilweise sicherlich erklären. Steuerliche Vorteile sind allerdings ohne die erforderliche Infrastruktur vor Ort von lediglich geringem Nutzen. Luxemburg verfügt über spezialisierte Arbeitskräfte mit langjähriger Erfahrung im Bereich Private Equity. Darüber hinaus ist Luxemburg eine kleine und stabile Demokratie, welche den Regierungsbehörden neben der Möglichkeit einer grundsätzlichen Nähe zur Private-Equity- und Finanzindustrie auch einen flexiblen Handlungsspielraum bei veränderten Rahmenbedingungen gibt. Der Luxemburger Regierung und der Industrie ist es auf diese Weise gelungen, sich an die Marktveränderungen der vergangenen Monate anzupassen, um in Zeiten der Wirtschaftskrise ein idealer Standort auch für Schuldenrestrukturierungen zu sein.
Neue Herausforderungen
Die anstehende EU-Richtlinie zur Regulierung von Managern Alternativer Investmentfonds (Alternative Investment Fund Managers, AIFM), welche in ihrer endgültigen Fassung zur Jahresmitte 2011 in Kraft treten könnte, ist für Luxemburg als Finanzzentrum von großer Bedeutung. Unter einem allumfassenden Ansatz zielt die Richtlinie auf alle in der EU ansässige Manager Alternativer Investmentfonds ab. Alternative Investmentfonds („AIF“) beschreiben alle innerhalb oder außerhalb der EU domizilierten Fonds, die nicht als UCITS (Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities) gelten. AIFMs, die unter die anstehende EU Richtlinie fallen, müssen von der zuständigen Behörde des Sitz-Mitgliedsstaates amtlich zugelassen und beaufsichtigt werden. Die Zulassung unter der Richtlinie gestattet Unternehmen, AIFs zu verwalten und an professionelle Investoren in jedem Mitgliedsstaat zu vertreiben. Die Richtlinie sieht in ihrem aktuellen Entwurf zudem vor, den der Richtlinie unterliegenden AIFMs einen „EU-Pass“ zum Vertrieb von Drittstaaten-Fonds zu geben. Dies gilt jedoch nur für solche Drittstaaten-Fonds, die nach einer Übergangsfrist von drei Jahren strikte Anforderungen an Regulierung, Aufsicht und Informationsaustausch – auch in Steuerangelegenheiten – einhalten.
Der aktuelle Richtlinien-Entwurf stellt die Private-Equity-Branche vor viele Probleme. Die Schlüsselfragen sind hierbei: Was möchte die Richtlinie erreichen? Zu wessen Nutzen bzw. Schutz sind die Bestimmungen der AIFM Richtlinie angedacht? Gegenüber der Öffentlichkeit hat die Europäische Kommission bestätigt, dass Private Equity keine systemischen Risiken verursacht. Investoren und auch Gläubiger in der Private-Equity-Industrie sind ausreichend qualifiziert und anspruchsvoll, um ihr eigenes Schutzbedürfnis zu bedienen. Die Regelungen zur unabhängigen Bewertung, zu Eigenkapitalanforderungen, zur Trennung von Risiko- und Portfoliomanagement, zur Ausweispflicht von Informationen in einem Maß, das dasjenige bei öffentlichen Unternehmen überschreitet, sowie zur Offenlegung von Nebenabsprachen laufen Gefahr, nicht zielführend zu sein, sondern lediglich zusätzliche Kosten zu generieren, die vom Investor ohne Mehrwert und ohne Erreichung eines verbesserten Schutzniveaus getragen werden müssen.
Grundsätzlich ist der Vorschlag zur Harmonisierung europäischer Regulierungsstandards für Private Equity zu begrüßen und die Forderung nach erhöhter Transparenz zu unterstützen. Es bleibt allerdings zu hoffen, dass die aktuell angekündigte grundlegende Überarbeitung der Richtlinie die Rückmeldungen aus der Industrie zu berücksichtigen weiß und damit erstmals sach- und zielgerecht wird. Luxemburg leistet hierzu seinen Beitrag, indem das Finanzzentrum mit allen Interessenvertretern in einen konstruktiven Dialog eingetreten ist. Ziel ist es, die legitimen Forderungen der Europäischen Kommission sowie die formulierten Bedenken der Private-Equity-Industrie aufzunehmen und in eine tragfähige Lösung zu integrieren.
Der Finanzmarkt Luxemburg hat eine große Expertise und spezifische Kompetenzen zur Erbringung von Serviceleistungen für Private-Equity-Häuser aufgebaut. Mit dieser Erfahrung sowie mit der Luxemburger Tradition, die Anliegen der Industrie zu verstehen und mit innovativen Lösungen schnell auf geänderte Marktbedingungen zu reagieren, wird das Finanzzentrum auch nach Verabschiedung der AIFM-Richtlinie der Private-Equity-Branche eine effiziente europäische Plattform anbieten können.
*Von Alain Kinsch, Partner, verantwortlich für den Bereich Private Equity, bei Ernst & Young Luxemburg und Katrin Lakebrink, Partner, verantwortlich für den Bereich Transaction Tax, bei Ernst & Young Luxemburg
Posted on 8 September 2009