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Private Equity entwickelt sich positiv - Ernst & Young - Luxembourg

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Private Equity entwickelt sich positiv

2009 war für das Beteiligungsgeschäft schwierig. Das ändert sich nun.

Von Dr. Carmen von Nell-Breuning*, Ernst & Young, Luxembourg  
Tageblatt
18. Juni 2010  

 Das Jahr 2009 war für das internationale Beteiligungsgeschäft eine schwierige Zeit. Die Finanzkrise und ein in Folge schlechtes wirtschaftliches Umfeld mit geringer Liquidität und hoher Instabilität ließen die Zahl der Eigenkapital-Transaktionen auf global 1.612 zurückgehen. Mit einem Gegenwert von 95,5 Mrd USD stellte dies einen Rückgang um 56% gegenüber dem Vorjahr dar.
Gleichzeitig stellte das Jahr 2009 eine Trendwende für die Private Equity Industrie dar. In der zweiten Jahreshälfte belebte sich das Geschäft und wurde durch die erneute Fremdfinanzierung von Banken sowie durch die Öffnung des IPO Marktes unterstützt. Mit einer Zunahme der Akquisitionsvolumina um 59% im ersten Quartal 2010 gegenüber dem Vorjahr, bestätigen auch die aktuellen Entwicklungen, dass das Geschäft trotz eines weiterhin anspruchsvollen Marktumfelds zunimmt und die Industrie sich den neuen Herausforderungen zu stellen weiss.

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Auf der Akquisitionsseite hat das Jahr 2009 eine Internationalisierung der Aktivitäten gezeigt. Private Equity Häuser haben ihr Portfolio unter geographischen Gesichtspunkten verstärkt diversifiziert und damit unter anderem einer wachsenden Bedeutung der Schwellenländer Rechnung getragen. Während Investitionen in Emerging Markets noch im Jahr 2007 mit Risikozuschlägen belegt waren, bewiesen sich gerade diese Länder in der Finanzkrise als stärker abgekoppelt von den globalen Effekten und damit als attraktiver, alternativer Investitionsraum. China, Brasilien und Indien stehen zur Zeit im Hauptaugenmerk von Private Equity Häusern. Während Private Equity Häuser im Jahr 2000 in China den Betrag von 80 Mio USD investierten, waren es im vergangenen Jahr 25,8 Mrd USD. Es wird erwartet, dass Schwellenländer auch zukünftig einen wachsenden Anteil im Portfolio von Private Equity Häusern einnehmen werden.
Die Akquisitionsvolumina sind im vergangenen Jahr stark rückläufig gewesen. Trotz steigender Unternehmenswerte sowie zunehmender Fremdfinanzierung durch Banken seit dem vierten Quartal 2009 wird davon ausgegangen, dass Transaktionen auch zukünftig kleiner sind und die Zeit der “Mega-Deals” vorbei ist. Im Jahr 2009 gab es mit der Akquisition von IMS Health durch Texas Pacific Group weltweit nur eine einzige Transaktion mit einem Volumen über 5 Mrd USD.
Die meisten Akquistionen fanden im vergangenen Jahr in den Sektoren Elektronik und Computer, Finanzindustrie, Dienstleistungen, Gesundheitswesen und Einzelhandel statt. Im Bereich von Private Equity Fonds wurden viele Vehikel im Bereich Distressed Debt, Infrastruktur, Secondaries und Cleantech lanciert. Darüber hinaus gewannen auch Vermögensklassen wie Mikrofinanzierung durch ihre Unkorrelation zu den entwickelten Finanzmärkten an Bedeutung.
Nach zahlreichen Akquisitionen zur Zeit boomender Märkte - mit einem globalen Portfolio von allein 1,8 Billionen USD aus den Jahren 2005 bis 2007- müssen Private Equity Häuser den Ausstieg aus ihrem Portfolio gestalten. Die Finanzkrise blockierte mehrere Monate die Exit-Optionen über die Börse oder über einen Verkauf an dritte Parteien (strategic sales) beziehungsweise andere Private Equity Häuser (secondary sales). Erst die zweite Jahreshälfte 2009 brachte mit der Öffnung des IPO Marktes und einem verbesserten allgemeinen Wirtschaftsumfeld die Möglichkeit zum Ausstieg aus einigen Investitionen.
Im Jahr 2009 brachten Private Equity Häuser 53 Beteiligungen an die Börse. Eine geographische Konzentration ist mit jeweils 25 IPOs für die USA und den asiatischen Raum festzustellen. Lediglich 3 Börsengänge fanden im europäischen Raum statt. Im ersten Quartal 2010 gab es global 22 IPOs durch Private Equity Häuser – dies zu vergleichen mit einem einzigen IPO im gleichen Quartal des Vorjahres.

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Die Öffnung des Marktes auf der Exit-Seite ist für die Private Equity Industrie von maßgeblicher Bedeutung. Investoren sind zu einer neuen Kapitalvergabe nur nach Rückzahlung des bereits investierten Kapitals mit zusätzlichem Gewinn bereit. Angesichts der Tatsache, dass das gebundene – und noch nicht investierte Kapital – in Private Equity Fonds alleine im Jahr 2009 auf 500 Mrd USD geschätzt wird, verschärft sich das ohnehin schwierige Fundraising-Umfeld weiter. Während ein Private Equity Fonds im Jahr 2007 innerhalb von 12 Monaten geschlossen werden konnte, verlängerte sich die Closing-Periode im Jahr 2009 auf 18 Monate. Die Gewinnung neuen Kapitals wird auch in diesem Jahr in einem hoch kompetitiven Marktumfeld eine große Herausforderung für die Private Equity Industrie bleiben.  Maßgebliches Unterscheidungskriterium zwischen Private Equity Häusern wird in diesem Kontext ein guter Track Record mit der Erzielung stabiler, hoher Renditen sein.

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Dass die Beteiligungsindustrie Renditen erzielt und realen Wert schafft, hat sie gerade in den zurückliegenden Zeiten erneut unter Beweis gestellt. Die Reduktion von Kosten und die Generierung zusätzlichen Unternehmenswachstums sind die wesentlichen Werttreiber, derer sich Private Equity Häuser bedienen. Im Zuge einer wachsenden Sektor-Spezialisierung,  erweitern Private Equity Häuser ihre Teams zunehmend um Experten aus der Industrie oder der Beratungsbranche. Warburg Pincus beispielsweise rekrutierte im vergangenen Jahr Fred Hassan, den ehemaligen Geschäftsführer von Schering-Plough Corporation, um die Unternehmenssparte Gesundheitswesen zu stärken.
Operative Wertschaffung ist speziell für das aktuelle Portfolio der Beteiligungsindustrie von großer Wichtigkeit: Unternehmen, welche vor einigen Jahren zu hohen Einstiegswerten und unter Nutzung eines hohen Fremdkapitaleinsatzes erworben worden sind, müssen heute ihren Wert in einem unterschiedlichen Marktumfeld steigern. Dies gelingt nur über eine Verbesserung der operativen Effizienz.
Gleichzeitig entspannt sich die allgemeine Marktsituation dadurch, dass Banken seit dem vierten Quartal 2009 vermehrt Fremdkapital vergeben. Diese positive Entwicklung wird sich erwartungsgemäß im Laufe diesen Jahres fortsetzen und die Industrie weiter unterstützen.
Eine der größten, zukünftigen Herausforderung für die Industrie besteht neben den Schwierigkeiten in der Gewinnung neuen Kapitals zweifellos in den neuen, regulatorischen Anforderungen. Als Antwort auf die Finanzkrise werden auf globaler Ebene unterschiedliche Reforminitiativen diskutiert, welche die Industrie Alternativer Investments (Hedge Fonds, Private Equity und Real Estate Fonds)verstärkt regulieren sollen. Ende Mai verabschiedete der US-amerikanische Senat einen Gesetzesentwurf, welcher die Registrierung von Private Equity Häusern bei der Börsenaufsichtsbehörde (SEC) fordert. In Europa zielt die AIFM-Direktive auf eine Regulierung der Manager Alternativer Investmentfonds ab. Neben den Inhalten sind Zweckmäßigkeit, Kosten und Nutzen dieser Direktive viel diskutiert. Die Auswirkungen auf die Private Equity Industrie werden in jedem Fall weitreichend sein und sehen sich schon heute in der strategischen Ausrichtung eines jeden Private Equity Hauses berücksichtigt.
Die Beteiligungsindustrie sieht sich einem zunehmend komplexen Umfeld gegenüber, welches voraussichtlich nicht von allen Markteilnehmern erfolgreich bewältigt werden kann. Diejenigen jedoch, die sich heute mit einem starken Track Record und der Fähigkeit zur Differenzierung im Markt behaupten können, werden langfristig im Markt bestehen, die Industrie in Ihrer Gesamtheit stärken und weiterhin einen positiven Beitrag zur globalen Wirtschaftsleistung erbringen.


Luxemburg als internationale Plattform für Cleantech- und Mikrofinanzvehikel
Luxemburg positioniert sich seit Jahren als internationale Plattform für die Abwicklung von Private Equity Transaktionen und für die Auflage von Private Equity Fonds / Vehikeln. Mehrere tausend SOPARFIs dienen der internationalen Strukturierung von Private Equity Transaktionen. Mehr als 230 SICARs und 1.000 SIFs bieten ein flexibles und leicht reguliertes Vehikel, das internationalen Investoren zugänglich ist.
Eine positive Trendwende in der Private Equity Industrie lässt sich in Luxemburg seit einigen Monaten anhand steigender Transaktionszahlen nachvollziehen. Im Bereich der Fondsindustrie kann seit der zweiten Jahreshälfte 2009 eine relative Zunahme von unter anderem zwei Asset-Klassen festgestellt werden: Cleantech und Mikrofinanz.
Der Begriff Cleantech umfasst alle Produkte, welche die Nutzung natürlicher Ressourcen optimieren beziehungsweise negative Auswirkungen auf die Umwelt reduzieren möchten. Zu dieser Vermögensklasse gehören unter anderem Solar- und Windanlagen, Biogas- oder Wasseraufbereitunganlagen. Die Erkenntnis einer wachsenden Bevölkerung einerseits und begrenzt vorhandenen Ressourcen andererseits spiegelt sich in vermehrt staatlichen Initiativen, Unternehmensfinanzierungen und technologischen Innovationen wider, welche in ihrer Gesamtheit die Cleantech Industrie fördern. Bis zum Jahr 2030 wird eine Kapitalzufluss von 2-3 Billionen USD im Bereich Cleantech erwartet. Die Private Equity Industrie beteiligt sich zunehmend an dieser Vermögensklasse und nutzt Luxemburg sehr häufig als Domizil für Cleantech Fonds.

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Mikrofinanzfonds haben in Luxemburg bereits Tradition und werden von einer positiven Marktinfrastruktur unterstützt: ein favorisierendes regulatorisches Umfeld, spezialisierte Organisationen wie LuxFlag, ADA, E-MFP etc. sowie flexible Anlagevehikel bieten Mikrofinanzierung seit Jahren ein ideales Umfeld in Luxemburg. Mikrofinanzierung verfolgt das Ziel, die Armut in in wirtschaftlich unterentwickelten Ländern durch gezielte Finanzierung zu reduzieren. Unter Berücksichtigung einiger regionaler Unterschiede hat Mikrofinanz generell bewiesen, von den Effekten der Finanzkrise nicht direkt betroffen zu sein. Damit positioniert sich diese Assetklasse neben einer sozialen Motivation auch aus wirtschaftlichen Überlegungen verstärkt in Investor-Portfolien. Luxemburg kann aufgrund seiner Infrastruktur an den positiven Entwicklungen der vergangenen Monate überproportional partizipieren. Mit 3 Mrd USD verwalten Luxemburger Fonds bereits heute 46% der weltweiten Vermögen aus Mikrofinanzvehikeln. Die Erwartungen für die Zukunft sind steigend.

 

*Die Autorin ist Senior Manager - Private Equity Business Development bei Ernst & Young in Luxemburg

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