Private Equity - Bedeutung und Chancen

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Letzebuerger Gemengen
10 November 2011

Private Equity beschreibt die Finanzierung von nicht gelisteten Unternehmen über Eigenkapital. 2010 gab es in der Euro-Zone 24.000 Unternehmen, welche von Private Equity Häusern Eigenkapital-finanziert waren. Diese 24.000 Unternehmen zählten in Summe 6 Millionen Angestellte.

Private Equity (PE) darf nicht ausschließlich als Finanzierungsform verstanden werden. Es geht um mehr: Das PE Haus gewinnt eine Beteiligung am finanzierten Unternehmen und bringt sich aktiv in das Unternehmens-Management ein, um Strategien, operative Prozesse, Produkte etc. zu verbessern. Das klare Ziel einer jeden PE-Finanzierung besteht in der Wertschaffung, welche größtenteils auf operativer Ebene erlangt wird. Der aktive und positive Beitrag von Private Equity zur Wirtschaft ist längst belegt und u.a. Untersuchungsgegenstand der jährlichen EY Studie „How do private equity investors create value?“.

Angesichts Staatsverschuldung, Bankenkrise und erschwerter Kreditvergabe wächst die volkswirtschaftliche Bedeutung von Private Equity. Die Wirtschaft braucht unternehmerisches Kapital und Private Equity bietet diesen Zugang.

Die erstmalige Regulierung der PE Branche, wie Sie in den USA seit 2010 gegeben ist und in Europa nach Umsetzung der AIFM Richtlinie (Alternative Investmentfonds-Manager Richtlinie) Mitte 2013 in Kraft treten wird, kann in diesem Kontext als Reaktion auf die Finanzmarktkrise von 2008 verstanden werden. Darüber hinaus kann diese Regulierung aber auch als Antwort auf ein neues Entwicklungsstadium von Private Equity gesehen werden: Private Equity ist kein Nischenmarkt mehr sondern ein zunehmend etablierter und bedeutender Wirtschaftszweig.

Die PE Branche verändert sich: Sie muss sich einem neuen, regulierten Umfeld anpassen und der allgemeinen Öffentlichkeit Informationen zukommen lassen, die in der Vergangenheit ausschließlich Investoren vorbehalten waren. In einem schwierigen, volatilen Marktumfeld muss die Branche sehr fokussiert nach Investment-Opportunitäten suchen und findet diese zunehmend in Schwellenländern wie Brasilien, China und Indien. Eine zunehmende Globalisierung von PE Aktivitäten ist die Konsequenz.

Gleich geblieben ist das Ziel der PE Branche: Es geht um aktive, operative Wertschaffung in den investierten Unternehmen. Verstärkte Präsenz vor Ort und Spezialistenteams sollen dieses Ziel auch in einem anspruchsvollen Marktkontext erreichen. Bis dato war die PE Branche erfolgreich.

Luxemburg spielt für Private Equity seit mehr als 20 Jahren eine bedeutende Rolle. Ursprünglich wurde das Großherzogtum ausschließlich zur Strukturierung internationaler Transaktionen über Luxemburger Zwischengesellschaften (sogenannte SOPARFIs) genutzt. Steuerliche Effizienz, Flexibilität in der Strukturierung und Stabilität in der Rechtsgebung sind hierbei wesentliche Vorteile, die dazu geführt haben, dass Luxemburg heute mehr als 40.000 SOPARFIs zählt. Es kann zu Recht behauptet werden, dass jedes große PE Haus den Standort Luxemburg mittels SOPARFIs nutzt.

Seit 2004 respektive 2008 hat sich Luxemburg auch zunehmend als Standort für PE-Fonds etabliert. Der Spezialisierte Investmentfonds (SIF) und die Investmentgesellschaft für Risikokapital (SICAR) haben dieser Entwicklung die Basis gelegt. Heute zählt Luxemburg mehr als 400 PE Fonds und positioniert sich angesichts der AIFM Richtlinie sehr gut: Luxemburg weiß, wie Regulierung im Bereich von PE Fonds effizient und pragmatisch gehandhabt werden kann. Darüber hinaus besitzt das Großherzogtum eine starke und solide Marktinfrastruktur, welche künftigen Anforderungen bereits heute zu einem großen Teil gerecht wird.

Luxemburg ist sich der Bedeutung und der Chancen von Private Equity bewusst und arbeitet aktuell an verschiedenen Reformen, um die heutige gute Positionierung auch in Zukunft zu sichern bzw. weiter ausbauen zu können: Ein Entwurf zur Überarbeitung des SIF-Gesetzes liegt vor und soll den SIF u.a. AIFM-Richtlinien konform machen. Ein weiteres Vorhaben zielt auf die Schaffung einer neuen Luxembourg Limited Partnership Struktur, welche dem viel genutzten angelsächsischen Modell identisch sein wird. Kontinuierlich werden neue Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen, welche in ihrer Gesamtheit den OECD Standards zum bilateralen Informationsaustausch entsprechen.

Verbände wie die Luxembourg Private Equity and Venture Capital Association (LPEA) und die Vereinigung der Luxemburger Fondsindustrie (ALFI)) leisten in diesem Kontext maßgebliche Arbeit und kooperieren sehr eng mit der Finanzaufsichtsbehörde (CSSF) sowie dem Finanzministerium.

Private Equity bietet viele Chancen und wird in seiner Bedeutung voraussichtlich weiter wachsen. Luxemburg darf optimistisch sein, dass die PE Branche den Standort weiter zu schätzen weiß und verstärkt nutzen wird.

Alain Kinsch, Country Managing Partner EY Luxembourg, EMEIA Private Equity Fund leader
Dr. Carmen von Nell-Breuning, Senior Manager, Private Equity Business Development, EY Luxembourg

Posted on 15 February 2012

(1) European Private Equity and Venture Capital Association mit Sitz in Brüssel 
(2) Alternative Investmentfonds Manager Richtlinie