Die Entwicklung deutscher Tochterbanken im Vergleich zum Bankensektor

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Tageblatt
June 2011

1. Einleitung
Ende 2010 waren insgesamt 147 Institute am Bankplatz Luxemburg niedergelassen, von denen die Institute mit deutschem Hintergrund mit 43 Instituten, davon 16 Niederlassungen, den mit Abstand größten Teil darstellen.

Nachfolgend sollen die Jahresabschlüsse ausgewählter deutscher Tochterbanken mit der aggregierten Entwicklung des Bankplatzes (gemäß CSSF Jahresbericht 2010) verglichen und künftige Entwicklungstendenzen aufgezeigt werden. Zu berücksichtigen ist, dass die durch die CSSF erhobenen Zahlen auf der aufsichtsrechtlichen Berichterstattung nach IFRS beruhen, während zwei Drittel der Jahresabschlüsse der deutschen Tochterbanken auf Basis von Lux GAAP erstellt wurden.

2. Ertragssituation
Die Ertragssituation des Gesamtbanksektors sowie der ausgewählten deutschen Tochterbanken stellte sich wie folgt dar:
Tageblatt 

Die oben dargestellte Ergebnisrechnung der betrachteten deutschen Tochterbanken wurde um Sondereffekte bereinigt.

Das Gesamtergebnis des Bankensektors hat sich gegenüber dem Vorjahr von 2,1 Mrd € um 1,7 Mrd € oder 87,2% auf 3,8 Mrd. € verbessert. Diese Entwicklung ist auf eine um 2,8 Mrd € geringere Zuführung zur Risikovorsorge sowie ein um 0,5 Mrd € verbessertes Provisionsergebnis zurückzuführen. Das Zinsergebnis hat sich gegenläufig um 1,1 Mrd € vermindert.

Ob allerdings in Bezug auf die Risikovorsorge wirklich schon eine Trendwende erreicht worden ist, bleibt abzuwarten. Eine Vielzahl von Kreditinstituten hält derzeit noch Staatsanleihen im Anlagebestand, die zu fortgeführten Anschaffungskosten und nicht zum niedrigeren Marktwert bewertet worden sind. Als logische Konsequenz nennt die CSSF daher das „Sovereign Risk“ als eines der wesentlichen Risiken des Bankplatzes. Das Sovereign Risk beträgt angabegemäss zwar  lediglich 8% der aggregierten Bilanzsumme, die Bedeutung erkennt man jedoch dann, wenn man dieses Risiko in das Verhältnis zur Eigenkapitalquote der Kreditinstitute setzt, die im Durchschnitt ca. 6,0% der Bilanzsumme betragen hat.

Das um 15,3% gegenüber dem Vorjahr verbesserte Provisionsergebnis ist insbesondere auf das Depotbankgeschäft sowie Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Privatkundengeschäft zurückzuführen. Das Depot- und Vermögensverwaltungsvolumen hat sich gegenüber dem Vorjahr um 12,4% auf insgesamt 10,6 Billionen € erhöht. Von besonderer Bedeutung für die Kreditinstitute am Bankplatz ist hierbei der Anstieg des Fondsvolumens, dass sich um 351 Mrd € oder 19,4% erhöht hat. Die Erhöhung war zu 45% auf Nettomittelzuflüsse sowie zu 55% auf die Marktentwicklung zurückzuführen. Bemerkenswert ist, das 59% oder 282 Mio € des Zuwaches beim Provisionsergebnis des Gesamtbanksektors auf lediglich fünf Institute zurückzuführen ist.

Ursächlich für den Rückgang des Zinsergebnisses war neben einer geringeren Zinsspanne insbesondere der im Zuge der Finanzmarktkrise eingeleitete Abbau von risikogewichteten Aktiva.

Von Christian Brüne, Partner,  EY, Luxembourg