EY Attractiveness Survey Österreich 2017

Neuer Rekord bei Direktinvestitionen in Europa – Österreichs Unternehmen tragen viel bei, der Standort profitiert aber kaum

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  • Zahl der Investitionsprojekte in Europa erreicht Rekordniveau – 2016 wurden 5.845 ausländische Direktinvestitionen getätigt
  • Investitionsprojekte kurbeln Arbeitsmarkt in Europa an – fast 260.000 geschaffene Arbeitsplätze bedeuten das zweitstärkste Jahr der Geschichte nach 1997
  • Österreichs Unternehmen leisten starken Beitrag für Aufschwung in Europa – mit über 6.100 geschaffenen Arbeitsplätzen waren sie der zehntgrößte Jobmotor
  • Gleichzeitig profitiert Österreich aber kaum vom europäischen Investitionsrekord und liegt nur auf Rang 21 im Standort-Ranking
  • Großbritannien bleibt trotz Brexit der Top-Investitionsstandort in Europa, Deutschland und Frankreich holen aber auf

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EY Attractiveness Survey Österreich 2017 

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Die europäische Wirtschaft hat im vergangenen Jahr einen weiteren Schritt aus der Krise gemacht: Die Wirtschaftsleistung wuchs um knapp zwei Prozent, die Arbeitslosigkeit ging um 0,8 Prozentpunkte zurück. Dieser Aufschwung wirkt sich sichtbar positiv auf die Attraktivität des Wirtschaftsraums aus. Ausländische Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment, FDI) in Europa stiegen 2016 bereits zum vierten Mal in Folge auf ein neues Allzeithoch: Die Anzahl der Investitionsprojekte kletterte im Vergleich zu der im Vorjahr aufgestellten Rekordmarke um 15 Prozent auf 5.845. Die dadurch geschaffenen Arbeitsplätze stiegen sogar um 19 Prozent auf 259.673. Nur einmal in den vergangenen 20 Jahren waren noch mehr Arbeitsplätze durch ausländische Direktinvestitionen geschaffen worden: 1997 waren es fast 267.000 gewesen.

Das sind die Ergebnisse des 15. „European Attractiveness Survey“ der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY. Dafür wurden tatsächliche Direktinvestitionsprojekte ausländischer Unternehmen in Europa im Jahr 2016, mit denen neue Betriebsstätten und/oder neue Arbeitsplätze geschaffen wurden, ausgewertet.

„Wirtschaft und Politik in Europa sorgen wieder für gute Nachrichten. Die Wirtschaft wächst, die Anzahl der ausländischen Direktinvestitionen erreichte 2016 ein Rekordhoch und der Arbeitsmarkt erholt sich spürbar. Gemeinsam mit den jüngsten Wahlergebnissen in Frankreich, den Niederlanden oder Österreich gibt es also wieder starke positive Signale für das europäische Projekt, das durch die Wirtschafts- und Finanzkrise, den Zulauf von Anti-EU-Strömungen oder die Brexit-Entscheidung viele Rückschläge wegstecken musste. Allen wirtschaftlichen und politischen Verwerfungen zum Trotz ist die Attraktivität des Wirtschaftsraums Europa momentan so groß wie nie zuvor“, so Helmut Maukner, Country Managing Partner bei EY Österreich.

Neue Rekordmarken: Österreichs Unternehmen sind Wirtschaftsmotor in Europa
Österreichs Unternehmen spielen beim Aufschwung in Europa eine tragende Rolle: Sie schufen 2016 im europäischen Ausland so viele Jobs wie nie zuvor. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitsplätze um 22 Prozent auf 6.138.

„Österreichs Betriebe waren 2016 der zehntgrößte Jobmotor in Europa – nur Unternehmen aus erheblich größeren Volkswirtschaften haben mehr zum Arbeitsmarktaufschwung im vergangenen Jahr beigetragen. Mit der heuer aufgestellten neuen Rekordmarke haben heimische Unternehmen in den letzten zehn Jahren im Rahmen von Direktinvestitionsprojekten rund 35.000 Arbeitsplätze im europäischen Ausland geschaffen. Europa profitiert von der eindrucksvollen Leistungsfähigkeit und hohen Investitionsbereitschaft der österreichischen Unternehmen“, so Helmut Maukner.

Die meisten der in den vergangenen zehn Jahren geschaffenen Arbeitsplätze entfielen auf Nachbarland Deutschland (6.500) sowie auf Serbien (3.800), Ungarn (3.500) und Russland (3.300). 2016 schufen heimische Unternehmen aufgrund einzelner Großprojekte die meisten Jobs in Russland (2.143), Tschechien (1.015) und Deutschland (982).

Auch die Anzahl der Investitionsprojekte erreichte 2016 eine neue Rekordmarke: Österreichische Unternehmen führten im vergangenen Jahr insgesamt 140 Investitionsprojekte im europäischen Ausland durch – um 57 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit belegt Österreich im Ranking der größten Investoren in Europa den elften Platz. Das beliebteste Investitionsziel ist weiterhin Deutschland: 51 Projekte österreichischer Firmen – und damit mehr als ein Drittel (36%) aller Investitionen –wurden im Nachbarland initiiert. Mit großem Abstand folgt Tschechien auf Platz zwei (10), dicht gefolgt von Frankreich, Russland und Großbritannien (je 9).

Österreich bleibt Zaungast beim Investitionsboom – nur Platz 21 im Standortranking
Der Standort Österreich konnte hingegen bislang kaum vom Investitionsrekord in Europa profitieren: Obwohl die Anzahl der hierzulande initiierten Investitionsprojekte im Vergleich zu 2015 um ein Fünftel (20%) auf 49 gestiegen ist, findet sich der Standort Österreich im europäischen Ranking auf einer abgeschlagenen Position wieder.

„Österreich ist momentan nur Zaungast beim europäischen Investitionsboom und belegt im Ranking der wichtigsten Investitionsstandorte den abgeschlagenen 21. Rang hinter deutlich kleineren Volkswirtschaften wie Portugal, der Slowakei oder Ungarn. Zum Vergleich: Das in Bezug auf das Bruttoinlandsprodukt deutlich kleinere Irland konnte im vergangenen Jahr fast dreimal so viele Investitionsprojekte anziehen. Das Ergebnis ist ein deutliches Ungleichgewicht: Österreichs Unternehmen haben 2016 in Europa drei Mal so viele Investitionen getätigt wie ausländische Investoren hierzulande“, kommentiert Helmut Maukner.

Die Entwicklung ausländischer Direktinvestitionsprojekte in Österreich und in Europa verlief in den vergangenen zehn Jahren wenig einheitlich. Das weltweite Krisenjahr 2009 bedeutete für beide Regionen eine Zäsur – mit einem Rückgang der Projektzahl in Europa um elf Prozent und in Österreich sogar um 36 Prozent. Dieser Rückgang konnte europaweit aber schon 2010 wieder wettgemacht werden: Trotz mehrjähriger Schuldenkrise lagen die Projektzahlen in Europa zuletzt sogar deutlich über den Werten der Jahre 2006 bis 2008. Österreich hingegen konnte bislang noch nicht wieder an das hohe Niveau der Vorkrisenjahre anknüpfen.

„Während Österreichs Unternehmen dem Aufschwung in Europa ihren Stempel aufdrücken, fällt der Wirtschaftsstandort immer weiter zurück. Trotz positiver Signale und Ansätze lässt das Reformtempo leider immer noch zu wünschen übrig. Die größten Baustellen – von der Überregulierung über hohe staatliche Ausgaben und die anhaltend belastende Bürokratie bis hin zu einem moderneren Ausbildungssystem – liegen schon seit längerem auf dem Tisch. Die zukünftige Regierung ist unabhängig von der Konstellation dringend angehalten, ihren Fokus auf diese essenziell notwendigen Maßnahmen für den Wirtschaftsstandort Österreich zu richten“, so Helmut Maukner.

Nur auf den ersten Blick positiv sieht die Bilanz der durch die 49 Investitionsprojekte in Österreich geschaffenen Jobs aus: Zwar stieg die Zahl der dadurch entstandenen Arbeitsplätze im Vergleich zu 2015 sprunghaft um das Zweieinhalbfache (251%) von 1.357 auf 4.759 an – dieser Zuwachs ist allerdings fast ausschließlich auf eine Großinvestition des kanadischen Automobilzulieferers Magna zurückzuführen. Die Ausweitung der Produktion von Magna Steyr soll alleine rund 3.000 Jobs bringen. Aufgrund dieses Einmaleffekts wurde 2016 sogar ein neuer Rekord bei den von ausländischen Investoren in Österreich geschaffenen Arbeitsplätzen erzielt: Österreich klettert damit im europäischen Job-Ranking von Rang 25 auf Rang 14.

Top-Standorte in Europa: Großbritannien, Deutschland und Frankreich
Bei der Anzahl der Investitionsprojekte liegen die europäischen Top-Standorte Großbritannien (1.144), Deutschland (1.063) und Frankreich (779) weiterhin unangefochten an der Spitze. Das Vereinigte Königreich zog trotz des Brexit-Votums und der Sorge vor negativen wirtschaftlichen Folgen für die britische Wirtschaft um sieben Prozent mehr Investitionsprojekte an als im Jahr zuvor. Deutschland und Frankreich konnten den Abstand mit Zuwächsen um zwölf bzw. sogar 30 Prozent aber verringern. Insgesamt vereinten die drei meistgewählten Investitionsziele in Europa im vergangenen Jahr einen Marktanteil von 51 Prozent auf sich – gut jedes zweite ausländische Investitionsprojekt in Europa wurde 2016 dort getätigt.

Auch bei der Anzahl der durch ausländische Direktinvestitionsprojekte geschaffenen Arbeitsplätze finden sich Großbritannien und Deutschland unter den Top-3 wieder und belegen Platz eins (43.165 Jobs) bzw. Platz drei (19.961 Jobs). Auf Platz zwei in diesem Ranking schiebt sich Polen: Dort wurden 22.074 Arbeitsplätze bei vergleichsweise geringen 256 Projekten geschaffen.

USA bleiben größter Investor in Europa – China verstärkt Engagement
Der mit Abstand größte Investor in Europa waren auch im vergangenen Jahr wieder die Vereinigten Staaten. 2016 wurden europaweit insgesamt 1.310 Direktinvestitionsprojekte US-amerikanischer Unternehmen gezählt, die damit mehr als jedes fünfte FDI-Projekt in Europa (22%) beisteuerten. Die Plätze zwei und drei der größten Investoren in Europa belegen Deutschland und Frankreich mit Marktanteilen von elf (651 Projekte) bzw. sechs (346 Projekte) Prozent – dabei ist zu berücksichtigen, dass Investitionen europäischer Unternehmen im Heimatland nicht in die Statistik einfließen.

Auffällig ist die hohe Zahl von 297 chinesischen Investitionsprojekten in Europa. Von der hohen Investitionsbereitschaft chinesischer Unternehmen profitieren allerdings in erster Linie zwei Länder: Deutschland und Großbritannien konnten 118 bzw. 59 Projekte anziehen. In Österreich wurden 2016 nur zwei Investitionen chinesischer Unternehmen identifiziert.