EY-Analyse Top-10-Banken Europa vs. USA

Europäische Großbanken mit leichtem Gewinnplus – aber US-Institute ziehen weiter davon

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  • Analyse der zehn größten Banken Europas und der USA: nur leichtes Gewinnplus in Europa, US-Banken legen fast um ein Fünftel zu
  • Eigenkapitalausstattung bei US-Banken weiter deutlich besser
  • US-Banken an der Börse fast doppelt so viel wert
  • Weitere Kostensenkungsmaßnahmen zu erwarten

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EY-Analyse Top-10-Banken 1/2017
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Europas zehn größte Banken konnten ihren Gewinn im ersten Halbjahr dieses Jahres leicht – um fünf Prozent – auf 24 Milliarden Euro steigern, nachdem sie im Vorjahr noch einen Gewinneinbruch um fast ein Fünftel verzeichnet hatten. Jenseits des Atlantiks stiegen die Gewinne aber noch deutlich stärker – um 19 Prozent auf umgerechnet 57 Milliarden Euro.

Damit vergrößert sich der Abstand zwischen den Top-Instituten in Europa und den USA weiter, denn auch bei der Profitabilität konnten die US-Banken im ersten Halbjahr deutlich stärker zulegen als die europäischen Top-Institute: Die bilanzielle Eigenkapitalrentabilität, der sogenannte Return on Equity (RoE), lag bei den europäischen Top-Banken im ersten Halbjahr bei 5,9 Prozent (Vorjahreszeitraum: 5,6 Prozent). Die US-Banken konnten hingegen ihren RoE von 8,8 auf 10,6 Prozent steigern und wirtschaften somit fast doppelt so profitabel wie die europäischen Wettbewerber.

Immerhin: Die europäischen Top-Institute konnten ihre Eigenkapitalquote von 5,4 auf 5,7 Prozent erhöhen, jenseits des Atlantiks war ein leichter Rückgang von 7,6 auf 7,5 Prozent zu verzeichnen.

Das sind Ergebnisse einer EY-Analyse der Bilanzen der jeweils nach Bilanzsumme zehn größten Banken in den Vereinigten Staaten und Europa.

„Die Top-US-Banken konnten im ersten Halbjahr ihre Führungsposition ausbauen“, stellt Georg von Pföstl, Partner und Leiter Financial Services Advisory bei EY Österreich, fest. „Der Abstand der US-Banken zu ihren europäischen Wettbewerbern in Sachen Profitabilität hat sich im ersten Halbjahr nochmals deutlich vergrößert – die Gewinnsituation der europäischen Großbanken ist trotz des leichten Gewinnplus in diesem Jahr alles andere als zufriedenstellend.“

„Zwar erholt sich die europäische Wirtschaft weiter, dennoch führen gerade in den südeuropäischen Ländern faule Kredite zu erheblichen Risikovorsorgeaufwendungen, die die Bilanzen belasten“, so Georg von Pföstl. Hinzu kämen die bekannten strukturellen Probleme im europäischen Bankensektor: „In Europa sind viele Banken nach wie vor damit beschäftigt, Altlasten abzuarbeiten und sich neu aufzustellen. Dieser Umbau der Geschäftsmodelle ist vielfach auch mit hohen Restrukturierungsaufwendungen verbunden. Obendrein erwirtschaften die Banken wegen des niedrigen Zinsniveaus im Zinsgeschäft kaum noch Gewinne. Dank des dort höheren Zinsniveaus sind auch in diesem Punkt die US-Banken im Vorteil, die zudem von einem guten Kapitalmarktgeschäft profitieren, das auch dank des Aufschwungs auf dem Markt für Börsengänge gute Erträge abwirft.“

Profitabilität weit unter Vorkrisenniveau
Auf beiden Seiten des Atlantiks liegt die Profitabilität der Top-Banken deutlich unter dem Vorkrisenniveau: Im ersten Halbjahr 2007 hatten die US-Großbanken noch einen RoE von knapp 17,3 Prozent erwirtschaftet, in diesem Jahr waren es 10,6 Prozent. In Europa liegt der Wert hingegen mit aktuell 5,9 Prozent noch weiter unter dem Vorkrisenniveau von 18,6 Prozent.

Im ersten Halbjahr erwies sich JPMorgan Chase als gewinnstärkste Bank dies- und jenseits des Atlantik: Das US-Institut erzielte einen Gewinn von umgerechnet 11,8 Milliarden Euro. Den zweiten Platz belegt mit 9,9 Milliarden Euro Wells Fargo. In Europa führt die britische Großbank HSBC mit 6,6 Milliarden Euro die Rangliste der gewinnstärksten Finanzinstitute an. Auf Rang zwei folgt mit 4,2 Milliarden Euro die französische BNP Paribas.

Verhaltener Ausblick für die europäische Bankenlandschaft
In den kommenden Monaten und Jahren könnte sich der Abstand zwischen den europäischen Banken und ihren US-amerikanischen Wettbewerbern noch vergrößern, so Wagner: „Die Deregulierungspläne der neuen US-Regierung versprechen den US-Banken einen kräftigen Gewinnschub. Auch geringere Kapitalanforderungen könnten die Chance zu erheblichen Gewinnsteigerungen bieten – außerdem könnte die Branche von der geplanten Steuerreform und einer entsprechend niedrigeren Steuerbelastung profitieren.“

In Europa seien die Chancen zur Steigerung der Profitabilität hingegen derzeit begrenzt – eine spürbare Erhöhung des Zinsniveaus im Euroraum ist unwahrscheinlich, nicht perfomante Kredite werden weiter die Bilanzen südeuropäischer Banken weiter belasten, und ein Rückfahren der Regulierung sei nicht zu erwarten – im Gegenteil, so von Pföstl: „Europas Banken müssen sich auf weitere Regulierungsschritte vorbereiten – die hohen und weiter steigenden Eigenkapitalanforderungen verhindern eine spürbare Erholung der Gewinnsituation.“

Die kommenden Monate und Jahre dürften daher ganz im Zeichen fortgesetzter Restrukturierungen stehen, erwartet Georg von Pföstl: „Das Umfeld bietet kaum positive Impulse, also müssen die Banken verstärkt an ihren internen Strukturen arbeiten, um eine höhere Profitabilität zu erreichen. Wir werden weitere Kostensenkungsmaßnahmen, Filialschließungen und Personalabbau sehen. Auch die Erhöhung von Gebühren wird weiter auf der Agenda stehen, wenngleich hier das Potenzial eher gering ist.“ Gleichzeitig gewinne die Digitalisierung kräftig an Fahrt, und auch hier bestehe erheblicher Investitionsbedarf.

US-Banken sind fast doppelt so viel wert
Auch beim Börsenwert entwickeln sich die europäischen und die US-Institute auseinander – diesmal allerdings zugunsten der europäischen Institute: Während die Marktkapitalisierung der Top-10-Banken Europas zwischen Anfang Januar und Ende August um sieben Prozent auf 616 Milliarden Euro gesunken ist, schrumpfte der Börsenwert der Top-US-Banken um zehn Prozent. Bis auf zwei konnten alle europäischen Banken ihren Wert steigern, wobei die spanische Banco Santander mit einem Plus von 32 Prozent die beste Entwicklung aufwies. Von den US-Banken konnte hingegen nur die Bank of America ihren Wert stabil halten – alle anderen Institute verzeichneten Einbußen. Trotz der besseren Entwicklung der europäischen Institute: Nach wie vor sind die US-Banken an der Börse deutlich mehr wert als ihre europäischen Wettbewerber: Zum Stichtrag 31.08. lag die Marktkapitalisierung der zehn größten US-Banken mit 1,14 Billionen Euro fast doppelt so hoch wie die der zehn größten europäischen Institute, die es zusammen auf einen Börsenwert von 616 Milliarden Euro brachten.