Chinesen geben Rekordsumme für europäische Unternehmen aus, allen voran aus Deutschland und Grossbritannien

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  • 2017 tätigten Unternehmen aus China in Europa rund 250 Akquisitionen (20 Prozent weniger als im Vorjahr)
  • Dabei wurden etwas mehr als 57 Milliarden US-Dollar investiert, am meisten in Deutschland und Grossbritannien
  • Sieben Transaktionen betrafen Unternehmen aus der Schweiz, die grösste war die Übernahme von Glencore Storage & Logistics durch HNA
  • Die grössten ausländischen Investoren in der Schweiz waren 2017 deutsche und US-Unternehmen, China landet auf dem sechsten Rang

ZÜRICH, 5. FEBRUAR 2018 – 2017 sanken europaweit sowohl die Zahl der Übernahmen – um 20 Prozent auf 247 – als auch der Gesamtwert der Transaktionen von chinesischen Unternehmen in Europa: Nachdem chinesische Unternehmen 2016 insgesamt noch 85,8 Milliarden US-Dollar investiert hatten, gaben sie 2017 nur noch 57,6 Milliarden Dollar aus – ein Rückgang um ein Drittel (es ist aber zu berücksichtigen, dass im Vorjahr die Grosstransaktion mit Syngenta alleine mit 43 Milliarden US-Dollar zu Buche schlug). Dabei zog es chinesische Unternehmen erneut vor allem nach Deutschland: Die Bundesrepublik belegt mit 54 Transaktionen den ersten Platz im Länderranking, gefolgt von Grossbritannien (44) und Italien (24). Ein deutlicher Anstieg der Aktivitäten wurde nur in Russland (von acht auf 14 Transaktionen) und Schweden (von zwei auf elf) verzeichnet. In der Schweiz kam es zu sieben Transaktionen (2016 waren es 17, 2015 ebenfalls sieben «Schweizer» Deals). Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die M&A-Investitionen chinesischer Unternehmen in Europa untersucht.

«Die Zahl der Transaktionen chinesischer Unternehmen in Europa ist im vergangenen Jahr zwar spürbar gesunken, erreichte aber immerhin den zweithöchsten je gemessenen Wert», stellt Ronald Sauser, Leiter M&A Advisory bei EY Schweiz, fest. Diesen Rückgang führt er auf mehrere Faktoren zurück: «Die chinesischen Aufsichtsbehörden haben strengere Kontrollen für Übernahmen im Ausland eingeführt und Auflagen verabschiedet, um den Kapitalfluss ins Ausland zu kontrollieren. Und auch auf europäischer Seite wurden die regulatorischen Anforderungen erhöht – daran sind einige Deals gescheitert. Zudem schauen sich chinesische Unternehmen Übernahmekandidaten heute eher genauer an.»

Zudem stehen hinter den meisten grösseren Transaktionen des vergangenen Jahres in Hongkong ansässige Finanzinvestoren, die nicht von den strengeren Kapitalkontrollen betroffen sind, die seit Ende November 2016 gelten, ergänzt Yi Sun, Leiterin der China Business Services Deutschland, Österreich und Schweiz bei EY: «Sowohl die Zahl als auch der Wert der vom chinesischen Festland ausgehenden Transaktionen sind im vergangenen Jahr also deutlich gesunken – zudem hat sich im Jahresverlauf die Tendenz verstärkt, dass europäische Verkäufer schon bei der Unterzeichnung des Kaufvertrags eine hohe Summe als Sicherheit verlangen, weil sie Probleme bei der Transferierung des Kaufpreises nach Europa befürchten.»

Ronald Sauser ist aber überzeugt, dass chinesische Unternehmen auch 2018 aktive M&A-Player sein werden: «Wo sich interessante Gelegenheiten ergeben, stehen chinesische Investoren nach wie vor bereit. In den kommenden zwölf Monaten werden wir daher wieder mehr Deals im hohen dreistelligen Millionenbereich mit chinesischer Beteiligung in Europa sehen. Neben den klassischen Industrieinvestitionen stehen auch Mode/Einzelhandel, Lebensmittel und Pharma zunehmend im Fokus.»

«Wir sehen erste Anzeichen, dass die chinesische Regierung wieder langsam die Tür öffnet, besonders wenn es sich um attraktive Zielunternehmen handelt – etwa im Rahmen des sogenannten ‹One Belt, One Road›-Projekts», ergänzt Yi Sun. Damit ist der Aufbau eines interkontinentalen Infrastrukturnetzes zwischen China, Europa und einigen Ländern Afrikas gemeint. «Wir werden auch immer mehr chinesische Staatsfonds sehen, die alleine oder zusammen mit den chinesischen strategischen Investoren hier in Europa investieren.»

Eine Transaktion in der Schweiz unter den europäischen Top 15
Im vergangenen Jahr waren vor allem Industrieunternehmen im Fokus der chinesischen Käufer: In Europa kauften sie 79 Industriefirmen – davon 28 in Deutschland. Europaweit gingen zudem Technologieunternehmen (32) sowie Finanzunternehmen (29) häufig in chinesische Hände über. Der europaweit grösste Deal betraf allerdings ein Logistikunternehmen: der Kauf der Blackstone-Tochter und Logistikplattform Logicor durch den chinesischen Staatsfonds China Investment Corporation für etwa 13,7 Milliarden US-Dollar. An zweiter Stelle folgt der Einstieg von CEFC China Energy bei der russischen Rosneft für 9,3 Milliarden US-Dollar. Auf dem dritten Rang folgt die Übernahme des deutschen Energiedienstleisters durch die Cheung Kong Property Holding für 6,7 Milliarden US-Dollar.

Insgesamt waren unter den 15 grössten von Chinesen durchgeführten Transaktionen ein Schweizer Unternehmen: Glencore Storage & Logistics wurde durch Hainan Province Cihang respektive deren Tochter HNA übernommen, das entsprechende Transaktionsvolumen betrug 775 Millionen US-Dollar. Die weiteren sechs Deals mit Schweizer Unternehmen sahen wie folgt aus: Hainan Province Cihang respektive HNA übernahm im letzten Jahr zudem eine grössere Beteiligung am Schweizer Unternehmen Dufry. Das chinesische Unternehmen Cedarlake Capital Partners wiederum akquirierte 2017 die beiden Schweizer Unternehmen Bartholet Maschinenbau AG und Montratex AG, während die Alibaba Group die Gesellschaft Way Ray SA übernahm, Beijing Sanlian Hope New die Polymetrix Holding AG und die Phoenix Green Gruppe die Ernest Borel Holdings-Unternehmung.

Im Ranking der grössten Investoren in der Schweiz landete China 2017 aber nur auf dem sechsten Platz. Unternehmen aus Deutschland und den USA tätigten 2017 jeweils 34 Transaktionen, aus Grossbritannien 17, Frankreich 13, Japan zehn und Italien neun.

 


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