Building a better working world

„Der Mix macht den Erfolg“

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Vielfalt am Arbeitsplatz hat viele Facetten. Die Gleichstellung von schwulen, lesbischen und bisexuellen Kolleginnen und Kollegen ist eine ganz entscheidende. Dr. Eva Voß, Diversity & Inclusiveness-Managerin bei EY, erklärt, warum dieser Aspekt für EY so wichtig ist und weshalb wir Mitglied der Prout-at-Work-Foundation sind.
 

Seit 2012 gibt es bei EY in Deutschland, der Schweiz und Österreich das Unity- bzw. Lesbian, Gay, Bi-,Transgender and Allies Unity (LGBT-A)-Mitarbeiternetzwerk für lesbische, schwule und bisexuelle Kolleginnen und Kollegen. Warum ist das Thema so wichtig?

Dr. Eva Voß: Es gibt Schätzungen, nach denen etwa 20 Prozent der Produktivität verloren gehen, weil sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgrund ihrer sexuellen Identität in ihrem Arbeitsumfeld verstellen müssen und das Gefühl haben, nicht sie selbst sein zu dürfen. Hier wollen wir gegensteuern.

EY lebt ja gerade davon, dass seine 247.570 Kolleginnen und Kollegen in 150 Ländern unterschiedliche Stärken, Talente, Erfahrungen und auch Lebenseinstellungen haben. Diese ergänzen sich gegenseitig und ergeben damit für alle, einschließlich unserer Mandanten, ein ganz großes Plus.

Vielfalt ist ein elementarer Bestandteil unserer Firmenidentität und gehört zu den sechs Säulen unserer weltweiten Firmenstrategie. Die Förderung von Vielfalt ist deshalb auch keine rein private, sondern eine höchst wirtschaftliche Angelegenheit. Der Mix macht unseren Erfolg!

Das EY-Netzwerk richtet sich auch an „Allies“. Was ist überhaupt ein „Ally“?

Voß: Wenn Vielfalt, also „Diversity“, der Mix ist, aus dem jede Gesellschaft und auch jedes Unternehmen besteht, dann sind das aktive Miteinander und die gegenseitige Wertschätzung, also „Inclusiveness“, der Weg, wie wir diesen Mix steuern können. Dafür müssen wir aber möglichst alle Beteiligten miteinbeziehen.

Es geht ja nicht darum, dass bestimmte Mitarbeitergruppen integriert werden müssen, sondern darum, die ungeschriebenen, teilweise ausschließenden Gesetze und Spielregeln der Mehrheit in Frage zu stellen und zu verändern. Und genau hier kommen die „Allies“ ins Spiel. Dies sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zur „Mehrheit“ gehören und sich dafür einsetzen, dass alle Kolleginnen und Kollegen – unabhängig von ihrer sexuellen Identität – ebenso frei und ungezwungen wie sie selbst arbeiten und leben können.

Deshalb richtet sich unser LGBT-Netzwerk auch an die Allies. Und deshalb heißt es auch vollständig LGBT-A-Netzwerk – also Lesbian, Gay, Bi-,Transgender and Allies Unity.

Seit 2014 ist EY Mitglied der Prout-at-Work-Foundation, einem Netzwerk, das sich für mehr Vielfalt am Arbeitsplatz einsetzt. Warum?

Voß: Unsere Mitgliedschaft bei „Prout at Work“ ist nur eine von vielen Kooperationen, die wir mit Organisationen eingegangen sind, die sich für mehr Vielfalt am Arbeitsplatz engagieren. Mit diesen Mitgliedschaften wollen wir nach innen und außen signalisieren, dass wir es mit unserem Anspruch, ein „LGBT-friendly employer“ zu sein, wirklich ernst meinen.

Vor allen Dingen können wir von „Prout at Work“ viel lernen. Wenn es dieses Netzwerk nicht gäbe, müsste es ganz schnell erfunden werden. Wir profitieren von unglaublich vielen Erfahrungen und Anregungen, die uns auf unserem eigenen Weg weiterhelfen.

Was würden Sie einem Unternehmen raten, das ein LGBT-Netzwerk ins Leben rufen will?

Voß: Nun, ein erster Schritt könnte der Austausch mit anderen Unternehmen und Netzwerken wie etwa „Prout at Work“ sein, um von ihnen zu lernen und sich inspirieren zu lassen. Dann ist es entscheidend, dass Vielfalt fester Bestandteil der Unternehmenskultur wird. Sie muss gelebt und es muss offen über sie gesprochen werden.

Hierbei können „Botschafter“ eine wichtige Rolle spielen, also Kolleginnen und Kollegen, die sich aktiv für ein wertschätzendes und auf gegenseitigem Respekt beruhendes Miteinander einsetzen. Dabei ist es ganz wichtig, dass diese Botschaften auch von ganz oben – von der Führungsspitze – kommen und gelebt werden.

Von oben muss klipp und klar die Aussage kommen, dass Vielfalt am Arbeitsplatz und die Akzeptanz und Wertschätzung unterschiedlicher Arbeits- und Lebensweisen wirklich gewollt ist und dass Mitarbeiternetzwerke für die Unternehmenskultur eine enorm wichtige Ressource darstellen. Nur dann hat ein LGBT-Netzwerk auf lange Sicht Erfolg.

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Voß: Vielfalt hat viele Facetten. Die sexuelle Identität gehört ebenso dazu wie die unterschiedlichen Talente, Fähigkeiten und berufliche Hintergründe unserer Mitarbeiter. Ich bin dann zufrieden, wenn es uns gelingt, die Akzeptanz und Wertschätzung für LGBT-Diversity zu erhöhen.

Dies ist nicht nur ein deutlicher Gradmesser für die Offenheit einer Unternehmenskultur, sondern auch dafür, wie gut wir unser weltweites Versprechen „Building a better working world“ einlösen. Denn Toleranz, gegenseitige Wertschätzung und wechselseitige Inspiration sind allemal Bestandteile einer Welt, die besser funktioniert und Raum für Entwicklung und Wachstum gibt – persönlich, gesellschaftlich und wirtschaftlich.