Building a better working world

Shooting Star aus dem Silicon Saxony

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Zwei Männer, zwei Rechner und eine anspruchsvolle Idee: die beste Software der Welt zu schreiben. Rainer Gläß und Stephan Kronmüller gründeten ihr Unternehmen direkt nach dem Mauerfall 1990 in einer Altbauwohnung in Schöneck – und hatten Erfolg.

Heute entwickelt GK Software in dem 3000-Einwohner-Städtchen im Vogtland, das bis dahin nur als Langlaufparadies für ambitionierte Skifahrer bekannt war, mit 200 Mitarbeitern eines der führenden Kassensoftwareprogramme der Welt. Insgesamt hat die Softwareschmiede weltweit 600 Mitarbeiter unter Vertrag und setzt 50 Millionen Euro im Jahr um.

Doch der Weg dahin war nicht ganz einfach. Nach einer ersten Version für kleine und mittelständische Betriebe stellten die beiden Tüftler 1995 ihre zweite Kassensoftware für große Unternehmen vor, bei der alle Kasseninformationen direkt in die Buchhaltung und das Beschaffungswesen weitergeleitet werden. So ist nicht nur das Controlling immer auf dem neuesten Stand. Auch der Warenfluss kann exakt gesteuert werden.

„Der Hellweg-Baumarkt und Möbel-Walter waren unsere Eisbrecher“, erzählt Rainer Gläß. „Sie entschieden sich als erste für unsere Lösung.“ Heute arbeitet jedes vierte große Handelsunternehmen in Deutschland mit einer GK-Lösung. Insgesamt betreut die sächsische Softwareschmiede mehr als 193.000 Installationen in fast 40.000 Geschäften.

Und dabei soll es nicht bleiben: Die Vogtländer peilen jetzt den US-amerikanischen Markt an. „Hier sehen wir noch viel Luft nach oben“, so Rainer Gläß. Der erfolgreiche Börsengang 2008 und die Kooperation mit SAP geben den nötigen Rückenwind dafür.

„Rainer Gläß und Stephan Kronmüller haben mit ihrem Unternehmergeist, ihrem Mut und ihrem sozialen Spirit gezeigt, was es heißt, seinen Teil zu einer better working world beizutragen.“ Stephan Küster, EY-Marketing-Direktor

Die Geschichte von GK Software ist nicht allein eine Success-Story von zwei Männern, ihren beiden Rechnern und ihrer hochfliegenden Idee. Sie ist ebenso eine Erfolgsgeschichte für das Städtchen Schöneck und die Menschen, die hier leben. Denn sie finden in dem hoch modernen Gebäude gegenüber dem alten Bahnhof eine sichere, spannende und innovative Arbeit. Und das ist in der sonst eher strukturschwachen Region nicht die Regel.

„Und das finden wir einfach fantastisch“, sagt EY-Marketing-Direktor Stephan Küster. „Darum haben wir Rainer Gläß auch zum Entrepreneur des Jahres 2010 gekürt. Er und Stephan Kronmüller haben mit ihrem Unternehmergeist, ihrem Mut und ihrem sozialen Spirit gezeigt, was es heißt, seinen Teil zu einer better working world beizutragen ‒ und das in einem umfassenden Sinn: für ihre Mandanten, für ihre eigenen Mitarbeiter und für das Umfeld, in dem sie agieren.“



„Ich wünsche mir mehr Mut und Aufbruchstimmung“

Ein Gespräch mit GK-Software-Gründer Rainer Gläß über den Firmenstart in der Altbauwohnung, den richtigen Partner, Tag- und Nachtschichten, falsche Komfortzonen und den Mut, Dinge anzupacken.
 

Was war der zündende Funke für Ihre Entwicklung?

Rainer Gläß: Wir wollten Software entwickeln ‒ und am liebsten gleich die beste Software der Welt. Das war 1990, kurz nach der Wende, in einer Altbauwohnung in meiner 3.000-Seelen-Heimatstadt Schöneck.

Nachdem mein Kompagnon Stephan Kronmüller und ich uns auf dieses Ziel verständigt hatten, haben wir das Terrain sondiert und uns entschieden: Wir bauen ein Komplettpaket für kleinere Unternehmen. Dann haben wir uns drei Jahre lang hingesetzt und programmiert – Stephan Kronmüller in der Nacht, ich am Tag, ohne Geld. Wir waren von unserer Idee besessen.

1993 begannen wir dann im Alleinvertrieb, unsere Software an kleine Betriebe zu verkaufen. Ich bin quer durch Deutschland gefahren, um unser Produkt an den Mann zu bringen. Immerhin entschieden sich mehr als 200 Kunden dafür.

Und wie kamen Sie auf die Idee, Software für große Händler zu entwickeln?

Gläß: Nach diesem ersten Erfolg haben wir uns überlegt, was wir als nächstes machen können. Wir entschieden uns für eine Einzelhandelssoftware. Sie sollte die Kasseninformationen direkt an das Finanz-, Lager- und Bestellsystem weiterleiten und damit für ein optimales Controlling und ein effektives Warenwirtschaftssystem sorgen. Nach zwei Jahren war die Software fertig. Als sich der Hellweg-Baumarkt und Möbel-Walter dafür entschieden, wussten wir: Jetzt sind wir angekommen. Von da an ging es aufwärts.

Was waren auf Ihrem bisherigen Weg die größten Hindernisse, die Sie überwinden mussten?

Rainer Gläß: Die fehlenden finanziellen und personellen Ressourcen. Wir wollten wachsen, und wir sind auch gewachsen. Aber es war irrsinnig schwer, dieses Wachstum zu stemmen, weil in der ersten Zeit immer zu wenig Geld und immer zu wenig Mitarbeiter da waren. Wir mussten investieren, ohne das Geld dafür zu haben.

Die Venture-Capital-Kultur in Deutschland ist noch lange nicht so mutig und optimistisch wie beispielsweise in Amerika. Der erfolgreiche Börsengang 2008 war darum für uns ein ganz wichtiger Schritt.

„Mein unternehmerisches Ziel motiviert mich Tag für Tag aufs Neue. Wenn es Schwierigkeiten gibt, frage ich mich immer, wie ich sie überwinden kann. Ans Aufhören habe ich noch nie gedacht.“ Rainer Gläß, GK Software

Gab es einen Moment, wo Sie ans Aufhören gedacht haben?

Gläß: Ich hatte und habe ein großes Ziel: Ich will mit den besten Mitarbeitern die beste Retail-Software für die besten Handelsunternehmen auf der Welt entwickeln. Dieses Ziel motiviert mich Tag für Tag aufs Neue. Wenn es Schwierigkeiten gibt, frage ich mich immer, wie ich sie überwinden kann. Ans Aufhören habe ich noch nie gedacht.

Was war für Sie der wichtigste Moment in der Unternehmensgeschichte?

Gläß: Die Unternehmensgründung und Partnerschaft mit Stephan Kronmüller vor 25 Jahren. In ihm habe ich einen Menschen gefunden, der bis heute die gleichen Werte teilt wie ich. Wir geben für die Company alles. Das ist etwas Besonderes und heute nicht unbedingt selbstverständlich.

Wenn Sie zurückblicken: Was haben Sie gelernt? Können Sie anderen Entrepreneuren einen Tipp geben?

Gläß: Mach’s selber und suche dir die richtigen Partner! Engagiere dich! Fordere Exzellenz! Und finde den Punkt, der dich auf die nächste Stufe hebt!

Dieser Punkt war für mich unser Börsengang. Einen IPO kann man natürlich nicht allein machen; dafür braucht man die richtigen Partner. Aber die Entscheidung, wann der Zeitpunkt gekommen ist, muss man dann doch selbst treffen. Das ist die unternehmerische Verantwortung.

Und wenn Sie nach vorne blicken: Was sind Ihre nächsten Ziele?

Gläß: Ich möchte zusammen mit allen GK-Software-Kolleginnen und -Kollegen unsere Erfolgsgeschichte zu Ende schreiben. Und das heißt: Ich will die Top-200-Unternehmen in der Handelsbranche von unserer Software überzeugen. Dafür arbeiten wir hier alle. Und das motiviert mich.

Wie schätzen Sie das Klima für innovative Unternehmen in Deutschland ein?

Gläß: Einfach ist es nicht. Vielleicht liegen die Probleme weniger in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als vielmehr in der fehlenden Motivation und den fehlenden klaren Zielen vieler junger Menschen.

Ich wünsche mir, dass mehr junge Leute sagen: „Ich will Milliardär werden!“ Die Kraft, die aus einer solchen Motivation erwächst, käme uns allen zugute. Zu oft fehlen der Enthusiasmus, die positive Einstellung und das Gefühl, ich werde es schon schaffen, weil ich in der richtigen Zeit am richtigen Ort und im richtigen Land lebe. Ich wünsche mir mehr Mut und Aufbruchstimmung!