Deutsche wollen Kontrolle behalten – nur 26 Prozent würden in einem rein autonomen Auto fahren

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  • Akzeptanz von selbstfahrenden Autos bei Jüngeren am größten
  • Zwei Drittel halten die Technik für zu unsicher
  • Mehrheit erwartet, dass sich autonomes Fahren generell durchsetzen wird – allerdings erst in mehreren Jahren
  • Frauen skeptischer als Männer – nur 18 Prozent würden Auto Kontrolle überlassen, 35 Prozent lehnen dies ab
  • Unter den etablierten Herstellern wird am ehesten den deutschen Autokonzernen zugetraut, sichere und zuverlässige autonome Autos zu entwickeln

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Autonomes Fahren in Deutschland

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Stuttgart, 10. September 2017. Ins Auto einsteigen, Autopiloten anschalten und sich zurücklehnen? Die Deutschen sind noch skeptisch, wenn es darum geht, dem Fahrzeug die Kontrolle zu überlassen. Fast jeder Dritte (30 Prozent) lehnt es kategorisch ab, in einem autonomen Fahrzeug ohne optionalen menschlichen Eingriff unterwegs zu sein. 21 Prozent halten es zumindest für unwahrscheinlich, dass sie sich in ein solches Auto setzen. Nur etwa ein Viertel (26 Prozent) würde ohne Wenn und Aber das Auto ohne eigenes Eingreifen fahren lassen.

Das sind immerhin mehr als noch bei der letzten Befragung vor vier Jahren. Damals waren nur 17 Prozent bereit, auf jeden Fall in einem selbstfahrenden Auto zu fahren. Ebenfalls fast jeder Dritte (31 Prozent) lehnte dies kategorisch ab.

Allerdings könnte die Akzeptanz schnell zunehmen: Denn die junge Generation ist dem autonomen Fahren gegenüber viel aufgeschlossener. Von den Bis-20-Jährigen würden 43 Prozent definitiv in einem autonomen Fahrzeug fahren. Mit zunehmendem Alter ist die Skepsis tendenziell größer. Von den 61- bis 70-Jährigen würden nur etwa 15 Prozent auf jeden Fall in ein autonomes Fahrzeug einsteigen und von den Über-70-Jährigen würden nur noch 13 Prozent dem Auto die Kontrolle überlassen.

Die Offenheit nimmt aber zu, wenn der Fahrer nach wie vor die Kontrolle übernehmen kann. Jeder Dritte würde ohne Bedenken ein autonomes Fahrzeug fahren, wenn er selbst eingreifen könnte.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) für die 1.000 Personen befragt wurden.

„Die Hersteller und Zulieferer investieren viel und setzen voll auf das autonome Fahren“, beobachtet EY-Partner Peter Fuß. „Die Sensortechnik und Standortbestimmung werden immer genauer, die Vernetzung mit anderen Fahrzeugen nimmt zu, und auch auf dem Feld der künstlichen Intelligenz machen sie immer weitere Fortschritte. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche teilautonome Systeme wie Spurhalteassistenten oder Abstandsregler eingebaut worden. Allerdings ist die Hemmschwelle bei den Nutzern noch hoch, die Kontrolle komplett aus der Hand zu geben. Denn die Technik ist hochgradig sicherheitsrelevant. Nur wenn es gelingt, die Technik so sicher zu machen, dass sie dem menschlichen Fahrer überlegen ist, wird sich vollautonomes Fahren auf dem Massenmarkt durchsetzen.“ Eine weitere Voraussetzung, so Fuß: „Die Autokäufer müssen von der Überlegenheit der Technik dann auch noch überzeugt werden, und dazu wird es viel Information und Erklärung des Produktes bedürfen.“

Zwei Drittel glauben an Durchbruch von autonomen Fahrzeugen
Auch die Mehrheit der Befragten rechnet damit, dass sich autonomes Fahren über kurz oder lang durchsetzen wird. Fast zwei Drittel (65 Prozent) glauben grundsätzlich an den Durchbruch der Technik. Dieser könnte ihrer Erwartung nach allerdings noch etwas auf sich warten lassen: 31,7 Prozent erwarten, dass sich autonome Fahrzeuge erst nach 2030 auf dem deutschen Massenmarkt durchsetzen. 30 Prozent halten den Durchbruch bis 2030 für möglich und 20 Prozent bis 2025. Für Fuß ist eine Grundvoraussetzung für den Durchbruch vor allem die Kommunikation mit der Umgebung: „Die größte Hürde ist es noch, die Datenbasis der autonomen Fahrzeuge so lückenlos zu machen, dass sie sicher unterwegs sind. Sie müssen beispielsweise mit anderen Fahrzeugen, Satelliten oder Ampelanlagen in einem ständigen Austausch sein und so über die Verkehrslage oder mögliche Gefahren informiert werden.“

Die Hauptsorge der Befragten: Zwei Drittel (67 Prozent) halten die Technik für zu unsicher. 45 Prozent stören sich an ungeklärten Haftungsfragen und 41 Prozent finden, dass dadurch der Spaß am Autofahren verloren geht. Damit haben sich die Sorgen deutlich gewandelt: Vor vier Jahren fürchtete die Mehrheit (58 Prozent), dass der Spaß am Fahren verloren geht. Die Unsicherheit war dagegen nur für 44 Prozent ein Problem.

„In den vergangenen Jahren hat die Berichterstattung und die Wahrnehmung von autonomen Fahrzeugen in der Öffentlichkeit stark zugenommen“, so Fuß. „Entsprechend sind auch die nach wie vor vorhandenen technischen Probleme ins Bewusstsein gerückt. Und selbst, wenn diese Probleme adressiert sind, bleibt immer noch die emotionale Komponente. Autofahren ist in Deutschland sehr eng an Freiheit und Spaß geknüpft.“ Der Anteil derer, die befürchten, dass ihnen durch autonomes Fahren der Spaß am Autofahren verloren geht, sei verhältnismäßig hoch. „Für autonomes Fahren sprechen dagegen fast ausschließlich Vernunftgründe“, so Fuß.

So sehen mit knapp 51 Prozent die meisten einen besseren Verkehrsfluss als Vorteil von autonomen Fahrzeugen. Mehr Komfort versprechen sich 48 Prozent und einen geringeren Verbrauch sowie weniger Emissionen erwarten 45 Prozent. Mehr Sicherheit wird erst an vierter Stelle von 40 Prozent der Befragten genannt.

Vielfahrer sind autonomen Fahren gegenüber am aufgeschlossensten
Gerade Vielfahrer sind dem autonomen Fahren gegenüber aufgeschlossen: Von denen, die auf eine Fahrleistung von mehr als 20.000 Kilometern im Jahr kommen, können sich mit 34 Prozent überdurchschnittlich viele vorstellen, in einem selbstfahrenden Auto unterwegs zu sein. Bei einer Fahrleistung von unter 5.000 Kilometern liegt die Zustimmung nur bei 21,2 Prozent. „Vielfahrer sind meist aus beruflichen Gründen viel im Auto unterwegs. Für sie liegen die Vorteile auf der Hand: Sie könnten während der Fahrt arbeiten oder sich ausruhen, um für anstehende Termine fit zu sein“, so Fuß.

Vor allem Frauen trauen sich noch nicht an die neue Technik heran. Nur 18 Prozent von ihnen würden ohne Wenn und Aber in einem autonomen Fahrzeug fahren. Bei den Männern liegt der Anteil bei 34 Prozent. 35 Prozent der Frauen lehnen es sogar kategorisch ab, sich in ein autonomes Fahrzeug zu setzen. Bei den Männern beträgt der Anteil nur 24 Prozent.

Frauen haben die größten Sicherheitsbedenken
Insbesondere die Sicherheit macht den Frauen Sorgen. Drei von vier halten autonome Fahrzeuge für zu unsicher. Männer haben etwas weniger Bedenken: Von ihnen nennen 58 Prozent Unsicherheit als Problem. Sie sind auch grundsätzlich zuversichtlicher, dass sich die Technik überhaupt durchsetzen wird. 72 Prozent der Männer glauben grundsätzlich an den Durchbruch, bei den Frauen sind es nur 58 Prozent.

„Männer sind oft technikbegeistert und stehen neuen technischen Entwicklungen offen gegenüber. Und sie werden eher an die neue Technik herangeführt: Mehrere Studien zeigen, dass Männern teurere und PS-stärkere Autos wichtiger sind als Frauen. Und gerade in diesen Autos werden zahlreiche Assistenzsysteme verbaut, die auch für das autonome Fahren eine Rolle spielen werden“, kommentiert Fuß.

Größtes Vertrauen unter etablierten Herstellern genießen deutsche Autobauer
Offen ist dagegen noch, welche Hersteller das Rennen machen und mit ihrem autonomen Fahrzeug die Kunden überzeugen werden. Aus heutiger Sicht traut ein knappes Viertel der Befragten dies vor allem einem innovativen Neuling wie beispielsweise Tesla zu.

Aber auch das Vertrauen in die deutschen Autokonzerne ist im internationalen Vergleich sehr hoch: 57 Prozent der Befragten glauben, dass am ehesten einer der deutschen Autobauer sichere und zuverlässige autonome Fahrzeuge entwickeln kann. Der erste etablierte Hersteller aus dem Ausland wird nur noch von 3,6 Prozent der Befragten genannt. Eher noch wird von 4,7 Prozent einem bislang eher unbekannten Start-up der Durchbruch beim autonomen Fahren zugetraut.

„Die Karten in der Automobilindustrie werden neu gemischt“, sagt Fuß. „Alternative Antriebe, autonomes Fahren, ganzheitliche Mobilitätskonzepte – die Industrie erlebt von vielen Seiten einen Wandel. Die etablierten Hersteller müssen aufpassen, nicht von neuen Wettbewerbern überholt zu werden – zumal auch Technologie-Giganten wie Google und Apple bei autonom fahrenden Autos mitmischen.“

Dennoch sieht Fuß den Vorteil bei den deutschen Herstellern: „Das technologische Know-how ist bereits sehr hoch. Zahlreiche Assistenzsysteme kommen aus Deutschland oder werden in den Premium-Fahrzeugen der deutschen Hersteller verbaut. Außerdem sind sie in der Lage, in ihren hochmodernen Fabriken gleichzeitig hohe Stückzahlen zu produzieren und dennoch individualisierbare Modellvarianten zuzulassen.“