Indische Firmen erobern Hochtechnologiebranchen

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„Indian Investments in Germany“ 

(PDF – 3,32 MB, 60 Seiten)

Frankfurt am Main/Neu Delhi, 29. September 2017. In der Vergangenheit waren indische Firmen hierzulande vor allem als „Schnäppchenjäger“ in ressourcen- und arbeitsintensiven Sektoren bekannt. Mit wachsender internationaler Erfahrung stoßen die indischen Unternehmen aber immer weiter in Hochtechnologiebranchen vor. Dies zeigt eine neue Studie, die von der Bertelsmann Stiftung und EY (Ernst & Young) durchgeführt worden ist. Befragt wurden 32 führende indische CEOs.

Indische Firmen sind nicht nur in der IT-Branche stark
Indische Firmen in Deutschland erzielen knapp 70 Prozent ihrer Umsätze in den arbeitsintensiven Sektoren Metall- (40 Prozent) und Automobilindustrie (29 Prozent). Hierbei handelt es sich um Tata Steel, Hindalco Industries und Sona Autocomp. Die traditionell starke indische Dienstleistungsindustrie mit Tech-Firmen wie Tata Consultancy Services, Infosys und Wipro Technologies sind dagegen nur mit einem Umsatzanteil von neun Prozent präsent.

Zugang zur Marke „Made in Germany“ wird wichtiger
Der Zugang zu Hochtechnologieprodukten und der Marke „Made in Germany“ wird auch für die indische Wirtschaft wichtiger. Vier von fünf CEOs sagen, dass neue Anstöße für Innovationen wichtige Motive sind, um in Deutschland zu investieren. Dies spiegelt sich auch in den Investitions- und Übernahmezielen der letzten sechs Jahre wider: Ein Fünftel der von indischen Unternehmen getätigten Übernahmen fand im Automobilzulieferersektor statt, ein Drittel im Maschinenbau. Beispiele hierfür sind Motherson Sumi und Bharat Forge.

Förderung von staatlichen Anreize und Angleichung der Steuer- und Sozialabgaben in Westeuropa
Von dieser Entwicklung können auch deutsche Firmen profitieren, da sie so Zutritt zum riesigen indischen Markt, zum Innovationspotenzial indischer Unternehmen sowie zu hochausgebildeten Fachkräften finden. Deshalb sollte Deutschland mehr staatliche Anreize setzen, um das langfristiges Engagement ausländischer Investoren zu fördern, beispielsweise durch die steuerliche Erleichterung bei Abschreibungen. So sieht jeder zweite indische CEO die Steuer- und Abgabesituation kritisch; nur 17 Prozent der Befragten geben an, damit „gar kein Problem“ zu haben. Eine stärkere Angleichung der Steuer- und Sozialabgaben in Westeuropa wäre wünschenswert.

Weitere Entwicklung stark von Brexit und Standortmarketing abhängig
Wie sich indische Investitionen in Deutschland weiter entwickeln werden, hängt auch von den weiteren Folgen des Brexit und vom Standortmarketing Deutschlands ab. Noch werden 46 Prozent aller indischen Investitionsprojekte in Europa in Großbritannien getätigt. Deutschland belegt mit 17 Prozent Platz zwei.

Dabei könnte der Brexit diesen Abstand zum Königreich verringern, sagt EY-Indien-Kenner Hermann Mühleck. „90 Prozent der befragten indischen CEOs sind der Meinung, dass der Brexit die Attraktivität Deutschlands als Investitionsstandort erhöhen und somit Volumen und Diversität indischer Investitionen hierzulande begünstigen wird“, so Hermann Mühleck. „Um diesen Prozess zu beschleunigen, sollte die deutsche Wirtschaftsförderung allerdings auf nationaler und lokaler Ebene vor allen Dingen mit weichen Standortfaktoren wie hoher Lebensqualität, Internationalität und Sicherheit werben.“