DAX-Aufsichtsräte noch wenig international besetzt

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  • Nur 20 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder mit ausländischem Pass, auf der Kapitalseite 30 Prozent
  • Acht Prozent mit österreichischer, sechs Prozent mit US-Nationalität
  • Frauenanteil bei 31 Prozent, Durchschnittsalter 58 Jahre
  • Globalisierung und technologische Umbrüche machen stärkere Vielfalt wünschenswert

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DAX-Aufsichtsräte: Internationalität und Vielfalt

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Stuttgart, 16.10.2017. Ausländische Investoren besitzen 54 Prozent der Aktien der DAX-Konzerne, und im Durchschnitt erwirtschaften die DAX-Unternehmen 77 Prozent ihres Umsatzes außerhalb Deutschlands – dennoch sind die von den Aktionären gewählten Aufsichtsräte mit großer Mehrheit Deutsche: Von den insgesamt 261 von der Kapitalseite ernannten Aufsichtsratsmitgliedern der DAX-Unternehmen haben 180 – das sind 69 Prozent – einen deutschen Pass, rund ein Prozent hat eine doppelte (deutsche und ausländische) Staatsangehörigkeit, 30 Prozent sind Ausländer.

Einigermaßen adäquat vertreten ist das europäische Ausland, auf das 28 Prozent des Aktienbesitzes entfällt und das 23 Prozent der Aufsichtsräte stellt. Nordamerika hingegen ist stark unterrepräsentiert: 19 Prozent der Anteile der DAX-Unternehmen werden von nordamerikanischen Investoren gehalten – aber nur sechs Prozent der Aufsichtsratsmitglieder haben einen US-amerikanischen Pass.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY zur Zusammensetzung der Aufsichtsratsgremien der im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen.

„Die DAX-Konzerne sind inzwischen in ihrem operativen Geschäft hochgradig international aufgestellt, und auch die Aktionärsstruktur weist einen hohen Auslandsanteil auf, was auf ein starkes Interesse ausländischer Investoren an den deutschen Top-Konzernen schließen lässt. Dennoch sind ausländische Anteilseigner in den Aufsichtsräten zahlenmäßig nicht annähernd adäquat vertreten“, stellt Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung bei EY, fest. „Nicht einmal ein Drittel der Aufsichtsratsmitglieder hat einen ausländischen Pass – damit bleiben die Aufsichtsräte fest in deutscher Hand, während die Aktien mehrheitlich in ausländischen Depots liegen“.

Bei den von den Arbeitnehmern entsandten Aufsichtsratsmitgliedern liegt der Ausländeranteil mit acht Prozent sogar noch deutlich niedriger. Insgesamt stammen 20 Prozent der Aufsichtsräte, die im obersten Kontrollgremium eines DAX-Unternehmens sitzen, aus dem Ausland.

„Natürlich ist ein hoher Ausländeranteil im Aufsichtsratsgremium kein Gradmesser für die Qualität der Arbeit“, betont Meyer. „Allerdings könnte die Arbeit der Aufsichtsräte durchaus von einer größeren Vielfalt profitieren. Denn unterschiedliche Kulturen mit ihren unterschiedlichen Herangehensweisen und Managementmethoden können die Arbeit der Aufsichtsräte bereichern und neue Impulse geben – die Diskussionen über Investitionsentscheidungen beispielsweise dürften in einem stark international besetzten Gremium anders ablaufen als in einem nur mit Deutschen besetzten Aufsichtsrat. Und je stärker sich die Unternehmen internationalisieren, desto wichtiger werden neue Denkanstöße und ein Gespür für die Vielfalt von Kulturen und Regionen.“

Allerdings sind auch die Vorstandsgremien der deutschen Top-Konzerne nur mäßig international besetzt: Hier liegt der Ausländeranteil zur Jahresmitte bei 33 Prozent und damit nur unwesentlich höher als in den Aufsichtsräten.

„Neue Technologien verändern Geschäftsmodelle und Strategien in bislang nie dagewesener Geschwindigkeit – da kann es nicht schaden, stärker über den Tellerrand zu blicken, sich auf neue Sichtweisen einzulassen“, betont Meyer.

Weitere Ergebnisse:


  • Der Anteil weiblicher Aufsichtsratsmitglieder liegt bei 31 Prozent – auf der Kapitalseite sogar nur bei 28 Prozent.
  • Das Durchschnittsalter beträgt 58 Jahre, wobei die Kapitalseite ein Durchschnittsalter von 61 Jahren aufweist. Höchstens 45 Jahre alt sind 26 der insgesamt 478 DAX-Aufsichtsratsmitglieder.