Vertragshersteller für Pharmabranche immer wichtiger: Transaktionen und Bewertungen steigen stark

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  • EY-Studie: Pharmakonzerne lagern verstärkt an Vertragshersteller und -entwickler (CDMO) aus
  • Transaktionsvolumen im Bereich der CDMOs ist seit 2012 von 4,9 auf 16,2 Milliarden US-Dollar 2016 gestiegen. Bewertungen legen um 35 Prozent pro Jahr zu
  • Konzerne wie Samsung drängen in den Markt der Vertragshersteller. Sie versprechen sich stabile Erträge unabhängig von der konjunkturellen Lage
  • Die Geschäftsmodelle der Vertragshersteller und -entwickler verändern sich: Sie reichen von hochspezialisierten Anbietern bis hin zu Dienstleistern mit einer umfassenden Angebotspalette

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The pharmaceutical CDMO industry is consolidating

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Stuttgart, 7. Dezember 2017. Der Sektor der Contract Development and Manufacturing Organisations (CDMO) gewinnt zunehmend an Bedeutung. In der Folge steigt das Interesse an den Vertragsherstellern und –entwicklern für die Pharmaindustrie – und das M&A-Geschehen erreicht immer neue Höhen, wie eine aktuelle Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY zeigt.

Entsprechend der zunehmenden Nachfrage nach den Dienstleistungen lag der Jahresumsatz der CDMO-Branche 2016 bei 62 Milliarden US-Dollar, im Vergleich zu 59 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Die jährliche Wachstumsrate liegt bei sechs bis sieben Prozent im Vergleich zu fünf bis sechs Prozent in der Pharmaindustrie. Kein Wunder also, dass Unternehmen aus der CDMO-Branche in den Fokus der Investoren rücken. Seit 2012 ist das Volumen der Transaktionen von 4,9 auf 16,2 Milliarden US-Dollar gestiegen – das entspricht einer Steigerung von 35 Prozent pro Jahr.

„Die Vertragshersteller und –entwickler profitieren vom Wandel der Pharmaunternehmen, die sich vermehrt auf Themen wie personalisierte und digitalisierte Medizin oder die Portfolioentwicklung konzentrieren. Viele Pharmakonzerne betrachten derzeit sehr kritisch, welchen Teil der Produktion sie behalten oder an externe Dienstleister auslagern wollen“, sagt Jörn Leewe, Partner bei EY für Life Science Strategy. Die Angebotspalette der CDMOs reiche vom spezialisierten Anbieter für ein einzelnes Molekül bis hin zum Full-Service-Anbieter, der von der Forschung über die Produktion bis hin zur Verpackung alle Stufen der Wertschöpfung abdecke.

Starker Kostendruck in der Pharmaindustrie
Ein weiterer zentraler Grund für das Outsourcing ist der anhaltende Kostendruck in der Pharmaindustrie. Das Gesundheitswesen stößt in vielen Ländern an die Grenze der finanziellen Belastbarkeit, den Regierungen an Unternehmen weitergeben. „Der finanzielle Druck ist so groß, dass Pharmaunternehmen immer größere Teile der Wertschöpfung nach außen verlagern, um effizienter und agiler mit den Risiken bei der Neuentwicklung von Medikamenten umgehen zu können“, sagt Matthias Groh, Strategieberater bei EY für Life Sciences. So hatten viele Konzerne in der Vergangenheit bereits Produktionskapazitäten für Medikamente aufgebaut, die dann doch in der dritten Phase der Zulassung scheiterten. Deswegen ist das Outsourcing in vielen Fällen die bessere Variante: Die Pharmafirmen bleiben flexibel, können so ihre Kosten reduzieren und bei innovativen CDMOs auch von den modernsten Technologien profitieren.

Doch das ist erst der Anfang: „Wir stehen inmitten der Konsolidierung der CDMO-Industrie. Sie ist längst noch nicht abgeschlossen“, betont EY-Partner Leewe. Die CDMO-Industrie ist mit rund 600 Unternehmen weltweit in hohem Maße fragmentiert. Mit ein Grund: Viele Unternehmen sind in Privatbesitz oder zählen zum Besitz von Private-Equity-Investoren. Der Trend gehe hin zum Verkauf von privat geführten CDMOs zu börsennotierten Unternehmen. Leewe rechnet in jedem Fall damit, dass börsennotierte Unternehmen, privat geführte Unternehmen und auch das Interesse neuer Marktteilnehmer die Konsolidierung der CDMO-Branche in den nächsten Jahren weiter vorantreiben.

Preise steigen – branchenfremde Unternehmen drängen in den Markt
Zu den Investoren zählen Pharmafirmen, die sich ein weiteres Standbein als Third-Party-Dienstleister aufbauen. Aber auch ein Technologiekonzern wie Samsung tritt mit Samsung Biologics in den wachsenden Sektor der Vertragshersteller ein und baut die weltweit größte Fertigungsstätte für Biopharmazie auf. Für branchenfremde Unternehmen ist dieser Sektor auch deswegen hochinteressant, weil er stabile und kontinuierliche Erträge unabhängig von der Konjunktur verspricht.

Im Mai 2017 kam es zum bislang größten Deal: Die Life-Science-Firma Thermo Fisher Scientific kaufte für 7,2 Milliarden US-Dollar Patheon, eine der weltweit führenden CDMOs. Ein weiterer Megadeal fand im Dezember 2016 statt: Der Schweizer Pharmazulieferer Lonza übernahm für 5,5 Milliarden US-Dollar den Kapselhersteller Capsugel.

Größtes Dealvolumen in den USA – Deutschland in Europa vorn
Das Land mit den meisten Transaktionsaktivitäten sind die Vereinigten Staaten von Amerika mit einem Dealvolumen von 21,1 Milliarden US-Dollar, davon gehen 11,1 Milliarden US-Dollar auf Investoren aus Europa zurück, gefolgt von China mit einem Volumen von 7,1 Milliarden US-Dollar und Indien mit 3,5 Milliarden US-Dollar. Auf dem vierten Platz findet sich Deutschland, das mit 2,8 Milliarden US-Dollar das größte Transaktionsvolumen in Europa verzeichnet.

Nach Überzeugung von Leewe werden zwei zentrale Trends die Konsolidierung in den kommenden Jahren beherrschen: „Zum einen streben große CDMOs wie Patheon oder Lonza danach, ihr Dienstleistungspaket weiter auszubauen. Sie richten ihre M&A-Aktivitäten gezielt darauf aus, Lücken in ihrer Wertschöpfungskette zu schließen und übernehmen alle Schritte von der Entwicklung eines Medikaments über Produktion bis hin zur Verpackung. Diese Generalisten können sämtliche Outsourcing-Wünsche von Unternehmen in der pharmazeutischen Industrie erfüllen. Vor allen Dingen CDMOs in Europa und Nordamerika verfolgen diesen Ansatz. Auf der anderen Seite können sich spezialisierte Anbieter auf einzelne Aspekte der Wertschöpfung konzentrieren und dabei innovativ und kosteneffizient arbeiten.“

„Die nächsten Jahre werden zeigen, wie sehr Unternehmen aus der pharmazeutischen Industrie sich stärker an die Generalisten wenden oder doch das Angebot von spezialisierten CDMO nutzen“, ergänzt Groh.