Deutsche blicken optimistisch ins neue Jahr – aber Sorge vor Altersarmut nimmt zu

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  • 22 Prozent erwarten Verbesserung der eigenen finanziellen Situation 2018 – nur acht Prozent befürchten Verschlechterung
  • 61 Prozent halten ihren Arbeitsplatz für sicher – weniger als im Vorjahr aber zweithöchster Wert überhaupt
  • Gut acht von zehn Bundesbürgern blicken optimistisch in die Zukunft
  • Umweltverschmutzung, Kriege und Flüchtlingskrise bereiten die meisten Sorgen – Sorge vor Altersarmut steigt am stärksten

Stuttgart, 02. Januar 2018. Die wirtschaftliche Lage in Deutschland gibt den Bundesbürgern Zuversicht: Sie schauen noch positiver in die Zukunft als im vergangenen Jahr. 22 Prozent (Vorjahr: 18 Prozent) erwarten, dass sich ihre eigene wirtschaftliche und finanzielle Situation 2018 verbessern wird. Nur acht Prozent erwarten eine Verschlechterung. Generell blicken 83 Prozent optimistisch in die Zukunft – das sind genauso viele wie im Vorjahr.

Bereits jetzt geht es den Deutschen überwiegend gut. 49 Prozent sehen ihre derzeitige finanzielle und wirtschaftliche Situation positiv – das ist der drittbeste Wert seit Beginn der Befragung im Jahr 2008 und liegt nur leicht unter den Werten der Vorjahre von 50 und 51 Prozent. Lediglich acht Prozent schätzen ihre finanzielle Lage negativ ein.

Angesichts der guten wirtschaftlichen Lage machen sich die Bundesbürger auch kaum Sorgen um den eigenen Job. 61 Prozent halten ihren Arbeitsplatz für sicher. Das sind zwar sechs Prozentpunkte weniger als im Vorjahr, markiert aber immer noch den zweithöchsten Wert seit Erhebung der Studie.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Basis der Studie ist eine repräsentative Umfrage unter 1.000 Verbrauchern in Deutschland.

„Die deutsche Wirtschaft kannte in den vergangenen Jahren dank ihrer Exportstärke und der hohen Konsumbereitschaft der Verbraucher nur eine Richtung: immer weiter nach oben“, kommentiert Thomas Harms, Leiter des Bereichs Consumer Products & Retail bei EY die Zahlen. „Die Auftragsbücher der Unternehmen sind voll, in manchen Teilen des Landes herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Diese Entwicklung gibt den deutschen Verbrauchern Zuversicht und erhöht die Konsumbereitschaft im Land. Der Einzelhandel dürfte davon – wie schon 2017 – auch 2018 kräftig profitieren: Wir rechnen mit einem Umsatzwachstum im Einzelhandel um mindestens zwei Prozent.“

Dabei dürften es allerdings vor allem eher gutverdienende Bürger sein, die mit ihrer Konsumbereitschaft das Wachstum antreiben – denn längst nicht alle Bevölkerungsschichten sind mit ihrer finanziellen Situation gleichermaßen zufrieden. Zwar geben 36 Prozent der Bundesbürger an, ihr Lebensstandard sei in den vergangenen zehn Jahren gestiegen – vor einem Jahr lag dieser Anteil aber noch bei 40 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil derer, die von einer Verschlechterung ihres Lebensstandards berichten, von 18 auf 24 Prozent gestiegen.

Unter Geringverdienern mit einem Einkommen von weniger als 25.000 Euro im Jahr überwiegen sogar diejenigen, die eine Verschlechterung ihres Lebensstandards beklagen: Den 29 Prozent, die von einer Verbesserung berichten, stehen 37 Prozent gegenüber, deren Lebensstandard sich verschlechtert hat. „Die gute wirtschaftliche Entwicklung kommt nicht überall an“, beobachtet Bernhard Lorentz, Leiter des Bereichs Government & Public Sector für Deutschland, die Schweiz und Österreich. „Viele Geringverdiener haben nicht das Gefühl, am allgemeinen wirtschaftlichen Höhenflug und der guten Einkommensentwicklung zu partizipieren. So leiden immer mehr Haushalte gerade in den Städten unter den stark steigenden Mieten, für die teilweise ein erheblicher Teil des Haushaltseinkommen aufgewendet werden muss.“

Gleichzeitig nimmt die Angst vor Altersarmut zu: 47 Prozent der Bundesbürger macht eine mangelnde Absicherung im Alter Sorgen im Hinblick auf die persönliche finanzielle Situation – das sind zehn Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Diese Sorgen sind offenbar nicht ganz unbegründet: So sind bereits heute die Älteren längst nicht so zufrieden und zuversichtlich wie die übrigen Befragten: Nur zehn Prozent der Über-65-Jährigen erwarten eine Verbesserung ihrer finanziellen Situation 2018. Keine andere Altersgruppe zeigt sich so pessimistisch – bei den Bis-35-Jährigen erwarten sogar 52 Prozent eine Verbesserung. 29 Prozent der Älteren finden außerdem, dass sich ihr Lebensstandard verschlechtert hat – auch dies ein Spitzenwert unter allen Altersgruppen. Nur 23 Prozent sehen eine Verbesserung ihres Lebensstandards. „Eine entscheidende gesellschaftliche Herausforderung wird im neuen Jahr darin liegen, das Auseinanderdriften der Gesellschaft zu stoppen und Zusammenhalt und Solidarität zu fördern“, so Bernhard Lorentz.

Die größten Sorgen bereiten den Bundesbürgern jedoch nach wie vor andere Themen: Die Umweltverschmutzung (77 Prozent), Kriege im Ausland (75 Prozent) und die Flüchtlingskrise in Europa (72 Prozent).

„Die konjunkturelle Situation in Deutschland ist derzeit gut – und auch in den Nachbarländern geht es wirtschaftlich wieder aufwärts – entsprechend rücken für die Mehrheit der Bundesbürger unmittelbare materielle Sorgen in den Hintergrund. Stattdessen beschäftigen eher politische und gesellschaftliche Themen die Menschen“, sagt Lorentz.