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Steuer-Ticker

Unser Steuer-Ticker informiert Sie laufend über aktuelle Trends und Entwicklungen im Steuerrecht. 

  • Verlustrücktrag bei schädlichem Beteiligungserwerb

    15. September 2016

    Ein Verlustrücktrag ist nach Auffassung des FG Münster trotz unterjährigem schädlichen Beteiligungserwerb im Sinne von § 8c KStG nicht eingeschränkt und somit zulässig. Das BMF sieht das bisher anders.

    Im Streitfall hatte das Finanzamt unter Bezugnahme auf das BMF-Schreiben vom 4. Juli 2008 wegen eines schädlichen Beteiligungserwerbs im Sinne des § 8c KStG einen Verlustrücktrag für die bis zum Anteilseignerwechsel entstandenen Verluste versagt. Dem widersprach das FG Münster und gewährte den Verlustrücktrag (Urteil vom 21. Juli 2016, 9 K 2794/15). Für den Verlustrücktrag spricht laut FG der Zweck des § 8c KStG, mit dem die Nutzung früher entstandener Verluste bei Gesellschaften mit personell verändertem Anteilseignerkreis verhindert werden soll. Durch einen Rücktrag der bis zum schädlichen Anteilseignerwechsel entstandenen Verluste nutzen lediglich diejenigen Anteilseigner den Verlust, die ihn im Rahmen ihres wirtschaftlichen Engagements auch getragen haben. Hier sieht sich das FG durch die Rechtsprechung des BFH gestützt, der die Differenzierung zwischen dem alten und dem neuen wirtschaftlichen Engagement zugrunde liege. So erlaubte der BFH die Verrechnung eines bis zum schädlichen Anteilseignerwechsel erwirtschafteten Gewinns mit dem Verlustvortrag des Vorjahres (Urteil vom 30. November 2011, I R 14/11).

    Die Revision zum BFH hat das FG Münster zugelassen. Die verfassungsrechtliche Beurteilung des § 8c KStG ist derzeit beim BVerfG anhängig (2 BvL 6/11). Der Gesetzgeber plant derweil eine Ausnahme vom Verlustuntergang in Form eines sogenannten fortführungsgebundenen Verlustvortrages.

  • Frist für Vorsteuervergütungsantrag!

    15. September 2016

    Die Frist für den Vorsteuervergütungsantrag läuft am 30. September 2016 für innerhalb der Europäischen Union ansässige Unternehmer ab.

    Bei der Frist für den Vorsteuervergütungsantrag handelt es sich um eine Ausschlussfrist, die zwingend einzuhalten ist. Daher muss der vollständige Antrag nebst sämtlicher erforderlichen Unterlagen bis zum 30. September 2016 in elektronischer Form bei der zuständigen Behörde im Mitgliedstaat des Antragstellers eingereicht sein. Für in Deutschland ansässige Unternehmer ist für die Einreichung das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) zuständig.

  • Zinseszinsen eines Investitionsdarlehens abzugsfähig

    8. September 2016

    Der BFH bestätigt seine weite Auslegung des Finanzierungszusammenhangs bei Investitionsdarlehen von Personenunternehmen und spricht sich für die Abzugsfähigkeit von Zinseszinsen aus.

    Die Abzugsbeschränkung für Schuldzinsen bei getätigten Überentnahmen greift bei Darlehen zur Finanzierung von Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens nicht (sogenanntes Investitionsdarlehen, § 4 Abs. 4a Satz 5 EStG).

    Nach Auffassung des BFH sind auch Schuldzinsen von der Begünstigung umfasst, die infolge der Finanzierung der Zinsen eines Investitionsdarlehens entstanden sind (BFH-Urteil vom 7. Juli 2016, III R 26/15). Der erforderliche Veranlassungszusammenhang mit der Investition in Anlagevermögen bleibt laut BFH auch dann gewahrt, wenn nicht die ursprüngliche Hauptschuld, sondern lediglich die Zinsen auf ein anderes (neues) Darlehenskonto gebucht werden.

  • Keine negative pauschale Lohnsteuer bei gekündigter Direktversicherung

    8. September 2016

    Der BFH verneint die Festsetzung negativer Lohnsteuer in Fällen der Rückgewähr von Beiträgen aus einer gekündigten Gruppendirektversicherung.

    Im konkreten Fall schloss der Arbeitgeber zunächst einen Firmen-Gruppenversicherungsvertrag als sogenannte Direktversicherung zugunsten seiner Arbeitnehmer ab. Die geleisteten Beiträge lohnversteuerte der Arbeitgeber pauschal nach § 40b EStG. Nach Ausübung des im Versicherungsvertrag vorbehaltenen Widerrufsrechts entfiel der Direktanspruch der Arbeitnehmer gegen die Lebensversicherung. In Höhe des Rückkaufswerts sah der Arbeitgeber einen negativen Arbeitslohn und wollte darauf eine negative pauschale Lohnsteuer festgesetzt haben. Das verneinte der BFH.

    Nach seiner Auffassung ist eine solche Festsetzung negativer pauschaler Lohnsteuer gesetzlich nicht vorgesehen (BFH-Urteil vom 28. April 2016, VI R 18/15). Offen ließ der BFH die Frage, ob negative und positive pauschale Lohnsteuer in einem Lohnsteuer-Anmeldungszeitraum saldiert werden können. Diese Frage brauchte der BFH nicht zu entscheiden, da im Streitfall neben der negativen pauschalen Lohnsteuer keine positive pauschale Lohnsteuer, sondern nur „reguläre“ positive Lohnsteuer angemeldet wurde.

  • Aktualisiertes BMF-Schreiben zur Teilwertabschreibung

    8. September 2016

    Die Finanzverwaltung hat sich in einem BMF-Scheiben zu den Voraussetzungen einer Teilwertabschreibung sowie zum Vorliegen einer voraussichtlich dauernden Wertminderung geäußert und dabei ihren bisherigen Teilwerterlass aktualisiert.

    Die Finanzverwaltung hat sich in einem BMF-Scheiben vom 2. September 2016 zu den Voraussetzungen einer Teilwertabschreibung nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 und 2 EStG geäußert und dabei den bisherigen Teilwerterlass aktualisiert.

    Sie hat darin insbesondere die Ausführungen zu börsennotierten, börsengehandelten und aktienindexbasierten Wertpapieren des Anlage- und Umlaufvermögens und zu festverzinslichen Wertpapieren, die eine Forderung in Höhe des Nominalwertes der Forderung verbriefen, überarbeitet. Für die Anwendung der Bagatellgrenze von 5 Prozent sieht das BMF-Schreiben in diesem Zusammenhang eine besondere Anwendungsregelung vor. Das aktuelle BMF-Schreiben behandelt neben den Teilwertabschreibungen auch die Voraussetzungen für das Vorliegen einer voraussichtlich dauernden Wertminderung und dem das Wertaufholungsgebot. Das aktuelle Schreiben hebt das bisherige BMF-Schreiben vom 16. Juli 2014 auf.

  • Erleichterungen beim Kirchensteuerabzugsverfahren

    8. September 2016

    Die jährliche KiStAM-Regelabfrage (1. September bis 31. Oktober) betrifft auch Kapitalgesellschaften. Ein kürzlich veröffentlichter Ländererlass sieht Verfahrenserleichterungen vor.

    Auch Kapitalgesellschaften, die natürliche Personen als Gesellschafter haben, müssen grundsätzlich im Rahmen der jährlichen Regelabfrage (Zeitraum vom 1. September 2016 bis zum 31. Oktober 2016) von allen potenziellen Gläubigern von Kapitalerträgen das elektronische Kirchensteuerabzugsmerkmal (KiStAM) beim Bundeszentralamt für Steuern abfragen. Das KiStAM zum Stichtag 31. August 2016 ist maßgebend für den Kirchensteuerabzug auf zwischen dem 1. Januar 2017 und dem 31. Dezember 2017 zufließende Kapitalerträge.

    Ein aktueller gleich lautender Ländererlass sieht für Kapitalgesellschaften nun Erleichterungen vor. So kann in Fällen, in denen eine Ausschüttung im Folgejahr unwahrscheinlich ist, eine Registrierung bzw. Zulassung und Abfrage zunächst unterbleiben. Das setzt allerdings voraus, dass sich der Kirchensteuerabzugsverpflichtete in die Lage versetzt, im Fall einer doch anfallenden steuerpflichtigen Ausschüttung die Abfrage – auch unterjährig – zeitnah nachzuholen. Ebenso soll ein Abruf bei Kapitalgesellschaften nicht erforderlich sein, wenn deren Allein-Gesellschafter-Geschäftsführer keiner steuererhebenden Religionsgemeinschaft angehört.

    Der Ländererlass vom 10. August 2016 sieht darüber hinaus weitere detaillierte Ausführungen zum KiSTAM-Verfahren vor, die von allen Kirchensteuerabzugsverpflichteten zu beachten sind.

  • Treaty Override erfasst auch zeitlich nachgelagertes DBA

    1. September 2016

    Der erste Senat des BFH hat ein Grundsatzurteil zur Normenkonkurrenz zwischen § 50d EStG und einem aktuellen DBA gefällt. Danach ist selbst ein zeitlich nachfolgendes DBA gegenüber der unilateralen Rückfallklausel (subject-to-tax-Klausel in § 50d Abs. 8 EStG) nachrangig anwendbar.

    Völkerrechtliche Verträge stehen grundsätzlich im Rang einfacher Bundesgesetze und können somit durch spätere, ihnen widersprechende ebensolche einfachen Bundesgesetze verdrängt werden (sogenannte Treaty Override). Nun hatte der BFH mit Urteil vom 25. Mai 2016 (I R 64/13) zu entscheiden, ob ein zeitlich nachgelagertes DBA vorrangig gegenüber der abkommensüberschreibenden nationalen Vorschrift des § 50d Abs. 8 EStG Anwendung findet, die ebenfalls im Rang eines einfachen Bundesgesetzes steht.

    Der Urteilsfall betraf den Umfang des deutschen Besteuerungsrechts bei Einkünften eines unbeschränkt Steuerpflichtigen aus nichtselbständiger Arbeit. Dabei gewährt § 50d Abs. 8 EStG die nach einem DBA zu gewährende Freistellung tatsächlich nur, soweit der Steuerpflichtige nachweist, dass der andere DBA-Vertragsstaat auf sein Besteuerungsrecht verzichtet hat oder aber die von dem anderen Staat festgesetzten Steuern entrichtet wurden. Somit überschreibt die nationale Vorschrift des § 50d EStG die entsprechende Regelung des zur Anwendung kommenden DBA, wenn dieses ausdrücklich abweicht und auch entgegensteht.

    Nun erklärte der BFH, dass diese Vorschrift eines nationalen Steuergesetzes im Fall einer Normenkonkurrenz auch vorrangig gegenüber neueren DBA anzuwenden ist. Dies soll trotz der allgemeinen Auslegungsregel zum Vorrang des späteren Gesetzes (lex posterior) gelten. Der Wortlaut des unilateralen Treaty Override nach § 50d Abs. 8 EStG lasse auch in zeitlicher Hinsicht keine Einschränkung erkennen. Zudem hat der BFH mit Blick auf Rang, Zeitfolge oder Spezialität der Regelung keinerlei Zweifel am Vorrang der nationalen Steuerrechtsvorschrift vor inhaltlich abweichenden völkerrechtlichen Vereinbarungen in DBA.

    Zu dieser Entscheidung des BFH dürften auch die Ausführungen des Bundesverfassungsgerichts geführt haben, welches mit Beschluss vom 15. Dezember 2015 (2 BvL 1/12) entschied, dass dahinstehen kann, ob § 50d Abs. 8 EStG eine Abkommensüberschreibung darstellt.

    Allerdings äußert sich der BFH nicht explizit zu den anderen Treaty Override-Vorschriften des § 50d EStG. Daher finden sich im Urteil keine Aussagen, ob der BFH diese Grundsätze auf § 50d Abs. 9 und Abs. 10 EStG für übertragbar hält, wofür allerdings Einiges sprechen würde.

  • Wann sind Anteile an einer Komplementär-GmbH funktional wesentliche Betriebsgrundlage?

    1. September 2016

    Zu dieser Frage hat sich die OFD Nordrhein-Westfalen (erneut) geäußert und dabei aktuelle BFH-Rechtsprechung zur Minderheitsbeteiligung an einer Komplementär-GmbH berücksichtigt.

    Grundsätzlich sind Anteile an einer Komplementär-GmbH dem Sonderbetriebsvermögen II eines Kommanditisten zuzuordnen, wenn sie der Stärkung seiner Mitunternehmerstellung dienen. Die Frage, ob die Beteiligung an der Komplementär-GmbH dem Kommanditisten größere Einflussmöglichkeiten auf die GmbH & Co. KG verschafft und damit seine Mitunternehmerstellung stärkt, ist stets einzelfallabhängig zu beurteilen und bislang nicht eindeutig höchstrichterlich geklärt.

    Mit Verfügung vom 21. Juni 2016 hat die OFD Nordrhein-Westfalen allgemeine Entscheidungsgrundlagen sowie Aussagen zur Qualifikation der Komplementär-Beteiligung als (notwendiges) Sonderbetriebsvermögen II für verschiedene Beteiligungskonstellationen veröffentlicht. Die OFD Nordrhein-Westfalen aktualisiert damit ihre Verfügung vom 17. Juni 2014 und erweitert sie um die Grundsätze des BFH-Urteils vom 16. April 2015 (IV R 1/12). Demnach ist jedenfalls bei einer Beteiligung des Kommanditisten an der Komplementär-GmbH von unter 10 Prozent grundsätzlich keine Einflussnahme auf die Geschäftsführung der Komplementär-GmbH und mittelbar auf deren Geschäftsführungstätigkeit in der KG möglich. Die Beteiligung ist dann nicht dem SBV II, sondern dem Privatvermögen des Kommanditisten zuzuordnen, da sie keine wesentliche Grundlage seiner Mitunternehmerstellung darstellt. Sieht der Gesellschaftsvertrag jedoch Einstimmigkeit vor oder kann eine Beschlussfassung nur unter Mitwirkung des Minderheitsgesellschafters erfolgen, ist eine Minderheitsbeteiligung stets dem Sonderbetriebsvermögen II zuzuordnen.

    Die Ausführungen der OFD Nordrhein-Westfalen sind insbesondere hinsichtlich der Frage, ob eine funktionale wesentliche Betriebsgrundlage bzw. notwendiges Sonderbetriebsvermögen II vorliegt, bei Umstrukturierungen und bei der Unternehmensnachfolge beachtenswert.

  • Hinzurechnung I: Grenzüberschreitende Patronatserklärungen

    25. August 2016

    Das FG Rheinland-Pfalz hat europarechtliche Bedenken, die steuerpflichtigen Einkünfte einer inländischen Konzernmuttergesellschaft nach § 1 AStG um fiktive Haftungsvergütungen zu erhöhen, da unentgeltliche Patronatserklärungen für ausländische Konzerngesellschaften einem Fremdvergleich standhalten müssten, Patronatserklärungen zugunsten inländischer Tochterunternehmen jedoch nicht. Im Streitfall (Streitjahr 2003) hatte ein deutsches Mutterunternehmen zur Sicherung des Geschäftsbetriebs ihrer ausländischen Konzerngesellschaften Patronats- und Garantieerklärungen gegenüber deren Finanzierungsbanken abgegeben, ohne dafür Haftungsvergütungen zu verlangen. Das Finanzamt sah darin eine Geschäftsbeziehung im Sinne des § 1 Abs. 4 AStG und erhöhte die Einkünfte des Mutterunternehmens um fiktive Haftungsvergütungen.

    Das FG Rheinland-Pfalz hat aber Zweifel, ob diese Einkünftekorrektur mit der europarechtlich gebotenen Niederlassungsfreiheit vereinbar ist. Die Zweifel begründet das FG mit der Ungleichbehandlung im Vergleich zum reinen Inlandsfall, in dem keine Einkünftekorrektur greife. Dabei weist das FG darauf hin, dass es in § 1 AStG an einer Möglichkeit fehle, bei grenzüberschreitenden Vorteilsgewährungen wirtschaftliche Gründe für eine Vereinbarung nicht fremdüblicher Konditionen nachzuweisen, die aus der gesellschaftsrechtlichen Verbundenheit der Beteiligten resultieren (Beschluss vom 28. Juni 2016, 1 K 1472/13). Die Frage nach der gemeinschaftsrechtlichen Konformität des § 1 AStG wird nunmehr dem EuGH zur Prüfung vorgelegt (anhängig unter C-382/16, Rs. Hornbach-Baumarkt), was auch insofern bemerkenswert ist, als sich der BFH in der Vergangenheit in dieser Frage bereits klar positioniert hat, indem er – entgegen einiger Stimmen in der Literatur – den § 1 AStG nach der zum belgischen Recht ergangenen SGI-Entscheidung des EuGH (Urteil vom 21. Januar 2010, C-311/08, Rs. SGI) für gemeinschaftsrechtskonform hält (BFH-Urteil vom 25. Juni 2014, I R 88/12).

  • Hinzurechnung II: Grenzüberschreitendes Darlehen im Dreiecksverhältnis

    25. August 2016

    Ebenso von Interesse für die Beurteilung unentgeltlicher grenzüberschreitender Vorteilsgewährungen im Konzern ist ein kürzlich vom Sächsischen FG entschiedener Fall. In dem die Streitjahre 2003 und 2004 betreffenden Fall gewährten eine deutsche Muttergesellschaft und deren Organtochter ihrer ausländischen Tochter- beziehungsweise Schwestergesellschaft unverzinsliche Darlehen. Darin sah das FG Geschäftsbeziehungen im Sinne von § 1 Abs. 4 AStG und bejahte eine Hinzurechnung in Höhe des Zinsvorteils bei der deutschen Muttergesellschaft nach § 1 AStG (Urteil vom 26. Januar 2016, 3 K 653/11).

    Bemerkenswert ist hierbei zudem, dass das FG auch insoweit eine (steuerlich korrekturfähige) Geschäftsbeziehung zwischen der deutschen Muttergesellschaft und der ausländischen Tochtergesellschaft annahm, als das zinslose Darlehen zivilrechtlich zwischen der deutschen Organtochter und der ausländischen Gesellschaft bestand. Ausweislich der Urteilsbegründung sei dies geboten, da durch die Organschaft eine wirtschaftliche Einheit zwischen Organträgerin und Organgesellschaft bestünde. Gegen das Urteil ist derzeit Revision beim BFH (I R 14/16) anhängig.

    Es bleibt mit Spannung abzuwarten, wie sich der BFH auch vor dem Hintergrund der oben erwähnten EuGH-Vorlage des FG Rheinland-Pfalz zur Reichweite des § 1 AStG positioniert, aber auch zu der vom FG Sachsen vertretenen Zurechnung von Geschäftsbeziehungen im Rahmen einer Organschaft

  • Zwangsrabatte der Pharmahersteller: Der Generalanwalt hat das Wort

    18. August 2016

    Der BFH legt dem EuGH die umsatzsteuerliche Behandlung der Zwangsrabatte der Pharmahersteller vor. Die Finanzverwaltung erkennt die Rabatte, die Pharmahersteller an private Krankenkassen (PKV) gesetzlich zahlen müssen, nicht als Minderung der umsatzsteuerlichen Bemessungsgrundlage an. An gesetzliche Krankenkassen (GKV) gezahlte Rabatte dagegen schon. Den Unterschied sieht die Finanzverwaltung darin, dass die PKV nicht Teil der Lieferkette sei, in der das Medikament von dem Pharmahersteller über Großhändler und Apotheke „nur“ bis zu dem Endverbraucher gelange – dem bei der PKV Versicherten. Ein Rabatt, der an einen Dritten (hier: PKV) und nicht an den unmittelbaren Leistungspartner (hier: den Großhändler) gewährt werde, setze aber eben dies voraus.

    Der BFH sieht in der unterschiedlichen Behandlung der Zwangsrabatte an die GKV einerseits und an die PKV andererseits einen Verstoß gegen den europarechtlichen Gleichheitsgrundsatz. Er legt dem EuGH daher die Frage vor, ob dies so ist (Beschluss vom 22. Juni 2016, V R 42/15). Nun hat also der Generalanwalt des EuGH das Wort, wenn er dem EuGH einen Entscheidungsvorschlag unterbreitet.

  • Arbeitszeitkonten

    18. August 2016

    Arbeitszeitkontenmodelle sind unter anderem zur Verbesserung der Work-Life-Balance weit verbreitet. Für solche Arbeitszeitkonten – ebenso wie für Zusagen der betrieblichen Altersvorsorge – kann sich eine Absicherung durch Fonds- oder Wertpapieranteile anbieten. Die OFD hat sich aktuell zur bilanziellen Zuordnung der (ausgelagerten) Wertpapiere geäußert, wenn ein externer Vermögensverwalter zum Einsatz kommt.

    Schließt der Arbeitgeber über das (Wertpapier-)Vermögen eine Treuhandvereinbarung mit einem externen Vermögensverwalter ab, hat grundsätzlich der Arbeitgeber als Treugeber die ausgelagerten Vermögenswerte weiterhin zu bilanzieren (§ 39 Abs. 2 Nr. 1 Satz 2 AO). Die OFD Frankfurt am Main hat die allgemeinen Kriterien für die Zuordnung zum Treugeber nun anhand der Besonderheiten von ausgelagerten Vermögenswerten zur Sicherung von Arbeitskontenmodellen oder Zusagen der betrieblichen Altersvorsorge ausgelegt (Verfügung vom 9. März 2016). Bedingung für eine Aktivierung beim Arbeitgeber (Treugeber) soll unter anderem sein, dass die Geldanlage beim Vermögensverwalter nach den Richtlinien und auf Rechnung des Arbeitgebers erfolgt und die wirtschaftlichen Entwicklungen der Vermögensanlage den Arbeitgeber endgültig treffen. Ein entsprechendes BMF-Schreiben mit diesen Grundsätzen will die Finanzverwaltung nach Abschluss der Erörterungen auf Bund-/Länderebene veröffentlichen.

    Hinsichtlich der Bewertung von Rückstellungen für Zeitwertkonten gibt die OFD Frankfurt am Main bekannt, dass nach Beschluss der obersten Finanzbehörden des Bundes und der Länder eine Abzinsung unterbleibt, sofern die Zeitwertkonten unter Ausschluss der Rückführung durch einen Dritten geführt werden. Damit bestätigt die OFD die Äußerungen des BMF im Antwortschreiben zu einer Verbandsanfrage vom 12. Januar 2016.

    Des Weiteren haben sich die obersten Finanzbehörden darauf verständigt, dass für wertpapiergebundene Zeitwertkonten steuerrechtlich keine Bewertungseinheit gebildet werden kann. Eine handelsrechtliche Saldierung nach § 246 Abs. 2 HGB begründet nach Verwaltungsauffassung für sich genommen keine Bewertungseinheit. Zudem ist die steuerliche Berücksichtigung einer Bewertungseinheit an die zwingende Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen des § 5 Abs. 1a EStG gekoppelt, was in diesen Fällen nicht gegeben sein dürfte.

  • Bezuschussung von arbeitstäglichen Mahlzeiten via App

    18. August 2016

    Möchte ein Arbeitgeber für die Bezuschussung von arbeitstäglichen Mahlzeiten seiner Mitarbeiter einen App-Dienst nutzen, stellt sich die (lohnsteuerliche) Frage, ob die Bewertung solcher Mahlzeiten bei dieser Bezuschussungsform entsprechend den Regelungen zu Barzuschüssen in Form von Essensmarken (R 8.1 Abs. 7 Nr. 4 LStR 2015) zu erfolgen hat.

    Das BMF hatte bereits mit Schreiben vom 24. Februar 2016 bekannt gegeben, unter welchen Voraussetzungen die Regelungen in R 8.1 Abs. 7 Nr. 4 LStR 2015 auf Barzuschüsse anzuwenden sind, die ohne Papier-Essensmarken auskommen. Die OFD Frankfurt am Main hat die Grundsätze dieses BMF-Schreibens nun am 11. Juli 2016 erneut bekannt gegeben. Zusätzlich nimmt sie dabei explizit Bezug auf elektronische Berechtigungen zu arbeitstäglichen Mahlzeiten unter anderem durch Apps.

    Möglicherweise bisher noch bestehende Unsicherheiten hinsichtlich der lohnsteuerlichen Behandlung von Bezuschussungen unter Verwendung von App-Diensten scheinen damit – zumindest für die OFD Frankfurt am Main – ausgeräumt.

Kontakt

Ernst & Young GmbH
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Martina Ortmann-Babel
Flughafenstraße 61
70629 Stuttgart
Telefon +49 (711) 9881 15754
E-Mail Martina Ortmann-Babel

 

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