Frank Ferchau, FERCHAU Engineering GmbH, Gummersbach
Frank Ferchau
Mit technischen Dienstleistungen hat Ferchau Engineering einen neuen Markt eröffnet und diesen konsequent weiterentwickelt. Das Familienunternehmen ist dadurch zu einem breit aufgestellten Konzern und zu einem der Marktführer gewachsen. Für diese unternehmerische Glanzleistung verleiht die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young Frank Ferchau den Titel „Entrepreneur des Jahres 2008“.
Der Entrepreneur
Ein Beispiel wie aus dem Bilderbuch für eine gelungene Nachfolge in einem Familienunternehmen: Sechs Jahre lang konnte sich Frank Ferchau (Jahrgang 1964) im väterlichen Betrieb ausprobieren, bevor er im Jahr 2001 in die Geschäftsführung des technischen Dienstleisters Ferchau Engineering aufrückte und schließlich 2005 selbst das Ruder übernahm. „Mein Sohn hat neue Ideen und Vorstellungen“, gibt Senior Heinz Ferchau zu, der das Unternehmen 1966 in Gummersbach gegründet und zu einem Marktführer für Ingenieurs-Dienstleistungen machte. „Das ist von Zeit zu Zeit notwendig, um das Unternehmen weiterzuentwickeln.“ Bei aller Harmonie – während ihrer gemeinsamen Führungszeit ließen sich die beiden Ingenieure von Coaches begleiten, die gerade die Diskussionen um die Zukunft des Unternehmens moderierten: „Mein Vater war souverän, als er erkannte, dass uns die Vermittlung durch Dritte gut tun würde“, sagt Frank Ferchau. Heute mischt Heinz Ferchau noch gelegentlich bei Projekten mit und ist wichtigster Berater für den Unternehmenslenker, der nach dem Studium der Elektro- und Automatisierungstechnik noch ein Betriebswirtschaftsstudium absolvierte. „Bei uns funktioniert das ganz harmonisch, wie in einer guten Ehe“, meint Frank Ferchau. Unter seiner Ägide ist Ferchau Engineering nochmals sehr stark gewachsen und beschäftigt sich nicht mehr nur mit technischen Aufgaben. Vielmehr sucht das Unternehmen auch nach Lösungen für den Fachkräfte- und Ingenieurmangel. Nicht umsonst fördert Ferchau in Projekten wie „Jugend forscht“ oder dem „Science Lab“ das technische Verständnis von Schülern und mit eigenen Innovationspreisen die Ideen von jungen Ingenieuren und Mitarbeitern.
Die Innovation
Wenn es um Techniker und Ingenieure geht, können die 1960er-Jahre durchaus mit der Gegenwart mithalten: In den Aufbaujahren der Republik mangelte es den Unternehmen wie heute an Personal. Heinz Ferchau inspirierte dies zu einer neuen Dienstleistung: Der Ingenieur bot erst sich und bald darauf weitere vier Mitarbeiter als externe Eingreiftruppe für technische Aufgaben und Entwicklungsarbeiten an. Aus der Ferchau Konstruktion wuchs bis heute Ferchau Engineering, einer der größten Anbieter von technischen Dienstleistungen in Deutschland. Im Gegensatz zu Wettbewerbern, die sich auf einzelne Branchen konzentrieren, ist Ferchau Engineering auf fast allen Feldern zu Hause. Techniker und Ingenieure unterstützen Firmen wie Daimler, VW, EADS und ABB, Beiersdorf, Shell und BASF, Nokia, Sony Ericsson und Siemens. „Innovationen durch ständige Prozessoptimierung sind unser Schlüssel zu nachhaltigem Wachstum“, erklärt Frank Ferchau den Erfolg des Unternehmens. Früher als andere bietet Ferchau Engineering etwa in den 90er-Jahren Ingenieure für die Arbeit direkt in Kundenunternehmen an oder unterstützt die Auslagerung von technischen Aufgaben. In den vergangenen Jahren wurde das Dienstleistungspaket zudem um Personal- und Beratungsdienstleistungen erweitert. Bei Bedarf könnte das Familienunternehmen heute die Verantwortung von gesamten Firmenbereichen übernehmen. Größte Herausforderung bleibt dabei der Fachkräftemangel: Ferchau Engineering setzt auf die Mithilfe selbstständiger Ingenieure und die Umschulung von Facharbeitern. Mit Stipendien, Förderpreisen und breiten Aufgabenfeldern lockt das Unternehmen junge Bewerber. Nicht zuletzt baut Ferchau Engineering auf seine Angestellten: „Mehr als die Hälfte unserer Mitarbeiter sind akademisch gebildet“, erklärt Ferchau. „Ein Angebot für die persönliche Entwicklung und die fachliche Weiterbildung ist deshalb ungeheuer wichtig, um sie zu halten.“ Die Ferchau-Academy bietet den Angestellten Seminare an, der intern ausgelobte Mitarbeiterpreis regt an, sich über Firma und neue Techniken Gedanken zu machen. „Entscheidungen und Menschen hängen eng aneinander“, begründet Frank Ferchau das Engagement.
Das Wachstum
Vier Mitarbeiter konnte Heinz Ferchau im Gründungsjahr von seiner Idee überzeugen. Die Olympischen Spiele 1972 führen zur ersten Niederlassung in Stuttgart. Und der Wandel vom Ingenieurbüro für Konstruktionsaufgaben zum technischen Dienstleister bringt in den 90er-Jahren noch mehr Wachstum: Zählte Ferchau Engineering 1976 rund 300 Mitarbeiter, waren es 1991 bereits 1.400. Ferchau Engineering hat sich zu einem Konzern entwickelt, der 2008 mehr als 4000 Mitarbeiter beschäftigt. Der erwirtschaftete Umsatz konnte in den vergangenen drei Jahren auf über 270 Millionen Euro in 2007 verdoppelt werden. Damit liegt Ferchau Engineering laut Marktforschung Lünendonk unter den technischen Dienstleistern auf Platz drei in Deutschland, weist aber im Gegensatz zum Duo an der Spitze, das bevorzugt die Autoindustrie bedient, ein deutlich breiteres Leistungsspektrum auf und hat sich die Unabhängigkeit des Familienunternehmens bewahrt. Für Kundennähe und auch um Bewerber zu binden ist Ferchau Engineering heute an 50 Standorten in Deutschland präsent.
Die Vision
„Wir wollen als einziges noch familiengeführtes Unternehmen der Branche weiter unabhängig von börsennotierten Konzernen agieren“, sagt Frank Ferchau resolut. Denn auch die Unabhängigkeit von Investoren- oder Eigner-Interessen zählt der Unternehmer zu den Erfolgsrezepten. Weiteres Wachstum ist programmiert: Den Marktforschern von Lünendonk zufolge soll der Markt für technische Dienstleistungen – im Jahr 2007 knapp sieben Milliarden Euro schwer – in den nächsten Jahren um jeweils zehn Prozent wachsen. Aufgaben für Techniker aller Fachrichtungen gibt es reichlich: Die Fahrzeugindustrie etwa arbeitet fieberhaft an neuen Antriebstechniken. Die Automatisierung und Digitalisierung von Prozessen schreiten weiter voran. Vor allem Letztere soll Ferchau Engineering die Tore zu weiteren Branchen öffnen: Nach Maschinen- und Anlagenbau oder Fahrzeugtechnik will Frank Ferchau nun in Banken, Versicherungen oder im Handel effiziente Vertriebs- und Logistiksysteme entwickeln. Der Ingenieur und Kaufmann hat sein Unternehmen auf weiteres Wachstum und mehr Aufträge vorbereitet: Dienstleistungen branchenweise in Gruppen aufgeteilt und das Vertriebsteam effizient organisiert. „Damit sind wir wesentlich näher an unseren Kunden, Mitarbeitern und Bewerbern dran und können kundenbezogene Projekte besser koordinieren“, erklärt er.
Ferchau Engineering GmbH, Gummersbach
Als Dienstleister und Berater löst Ferchau Engineering von der Projektierung über die Konstruktion bis hin zur Dokumentation und zum Qualitätsmanagement alle technischen Aufgaben seiner Kunden. Besonders stark ist das Unternehmen in den Branchen Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Elektrotechnik vertreten. Ferchau Engineering beschäftigt Mitte 2008 rund 4.200 Mitarbeiter und erzielte 2007 einen Umsatz von 270 Millionen Euro.
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