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„Entrepreneur des Jahres 2008“ in der Kategorie Informations- und Kommunikationstechnologie/Medien:


Dr. Herbert Hanselmann, dSPACE GmbH, Paderborn



Please enter the Alt tag Dr. Herbert Hanselmann

dSPACE brachte die Mechatronik voran: Der von Herbert Hanselmann gegründete Konzern liefert die Werkzeuge, mit denen Fahrzeugbauer elektronische Steuerungseinheiten entwickeln. Das Unternehmen aus Paderborn spielt in seiner Nische die Führungsrolle weltweit. Für diesen Erfolg zeichnet die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young Herbert Hanselmann als „Entrepreneur des Jahres 2008“ aus.

Der Entrepreneur

Er hätte Beamter werden können. Autokonzerne lockten mit verführerischen Verträgen. Und die Universität Paderborn gar mit einem Lehrstuhl: Herbert Hanselmann (Jahrgang 1949), den es nach Studium und Promotion in Karlsruhe in die Forschungslabore von Paderborn verschlagen hatte, zog der Sicherheit die Selbstständigkeit vor. Mit drei Kollegen aus dem Institut für Mechatronik der Paderborner Universität startete der Ingenieur 1987 eigene Geschäfte. „dSPACE sollte dafür sorgen, dass unser Wissen nicht nur im Umkreis der universitären Industrieforschung zum Einsatz kommt“, erklärt Hanselmann. „Wir wollten neuartige Signalprozessorchips für die schnelle Regelungstechnik und Mechatronik zugänglich machen.“ Über mehrere Jahre hatte das Team um Hanselmann diese Chips erforscht und dabei erkannt, dass sie elektronische Systeme ermöglichten, die mechanische Abläufe steuern. Eine Erkenntnis, die vor allem die Hersteller von Fahrzeugen interessieren sollte. Der Firmenname dSPACE – verkürzt „Digital Signal Processing and Control Engineering“ – verweist darauf, dass das Paderborner Unternehmen bei der Entwicklung und bei der Überprüfung von Steuerungs- und Regelsystemen hilft. Mehr als 80 Prozent der Kunden kommen aus der Automobilindustrie. „Wir beschleunigen den Erfolg unserer Kunden“, erklärt der Gründer, der mittlerweile die Geschäfte von dSPACE alleine führt. „Wir unterstützen sie dabei, neue Dinge zu tun, ihren Vorsprung im Wettbewerb zu erhalten oder auszubauen.“ Obwohl das Konstruktionsbüro zum Technologie-Konzern mit rund 800 Mitarbeitern wuchs und gerade den neuen Firmensitz in Paderborn bezog, konnte Hanselmann bei dSPACE die inspirierend freundschaftliche Atmosphäre eines Instituts erhalten. Die meist jungen Angestellten duzen sich und ihren Chef, arbeiten in Teams und genießen einen großen Handlungs- und Entscheidungsspielraum.

Die Innovation

„Mit unseren Produkten lassen sich Softwarelösungen für Steuergeräte und mechatronische Regelungen schneller entwickeln und testen“, erklärt der Unternehmer die Angebotspalette von dSPACE. In den 80er-Jahren waren solche Werkzeuge weitgehend unbekannt. „Der Markt für schnelle Regelungstechnik war damals sehr schmal“, gibt Hanselmann zu. Doch das sollte sich ändern: dSPACE hat mit seinen Entwicklungen dazu beigetragen, dass die Autoindustrie die Vorteile der Elektronik für die Fahrwerkstechnik entdeckte. Assistenzsysteme wie Tempomaten, Brems- oder Blockiersysteme, die sich in den 90er-Jahren verbreiteten, basieren auf elektronischen Regelsystemen, die sich durch die Werkzeuge und Software von dSPACE programmieren und einrichten lassen. Seit Mitte der 90er-Jahre muss überdies die Funktionalität neuer Technik nicht mehr in eigens gebauten Prototypen getestet werden, seither übernehmen Rechner diese Aufgaben. Auch dafür entwickelte dSPACE die notwendige Soft- und Hardware. „Rapid Control Prototyping“, die schnelle Prüfung neuer Konstruktionen, oder „Hardware in the Loop“, das Testen von Steuerungen in Simulatoren, heißen im Fachjargon die Techniken, die dSPACE mit seiner Pionierarbeit ermöglicht. Die Paderborner haben Konstruktionsprozesse in der Fahrzeugindustrie beschleunigt. Dass ihre Kunden damit auch sparen, zeigt der Blick in Kataloge: Inzwischen gehören Fahrassistenzen und Stabilisatoren zum Standard selbst von günstigen Kleinwagen. „Mitdenken ist gut, vorausdenken ist besser. Nur so bleibt man Technologieführer“, meint Hanselmann. Jüngster Coup aus Paderborn: Ein Softwaretool, das Steuerungseinheiten allein am Rechner entwickeln und testen lässt. „Wir gehen damit vom Funktions- auf das System-Level“, sagt Hanselmann. „Wir haben das Ziel, daraus einen großen Werkzeugsatz für die virtuelle Entwicklung von Fahrzeugsoftware abzuleiten.“

Das Wachstum

Die Basis für das Angebot von dSPACE legte die Forschung an der Universität Paderborn. Daraus entwickelten die Gründer praktisch nutzbare Werkzeuge und passende Echtzeit-Simulations-Software. „Bis auf die umsatzlose Produkt-Vorentwicklungsphase waren wir immer profitabel“, erzählt der Gründer stolz. „Investoren gibt es nicht, wir finanzieren das operative Geschäft rein aus dem Cashflow.“ Das Angebot überzeugte die Kollegen in der Fahrzeugindustrie sofort. Auch im Ausland: Vier Jahre nach Gründung beschäftigt dSPACE acht Mitarbeiter und öffnet in der US-amerikanischen Auto-Metropole Detroit die erste Niederlassung, Partner bringen die Werkzeuge und Software überdies nach Japan. „Die Expansion war anfangs sicher mutig“, meint Hanselmann heute. „Aber auch kleine Unternehmen können mit herausragenden Produkten und persönlichem Engagement in Nischenmärkten relativ zügig zu guten Marktanteilen kommen.“ Die Kooperation mit MathWorks, dem weltweit führenden Anbieter von Analyse- und Simulationstools im Nicht-Echtzeitbereich, beschleunigt das Wachstum zum Marktführer ebenso wie die stete Weiterentwicklung eigener Produkte und die Konzentration auf Hardware-in-the-Loop-Simulatoren. Der Technologieschmiede aus Paderborn gelang es, sich gegen etablierte Marktführer durchzusetzen und schaffte damit den Sprung an die Weltspitze. 2007 setzte dSPACE knapp 87 Millionen Euro um und beschäftigt 786 Mitarbeiter an sieben Standorten in Deutschland, den USA, Japan, Großbritannien und Frankreich. Mehr als 80 Prozent der Angestellten in Deutschland entwickeln Softwaretools und Simulatoren weiter. „Geblieben ist unser Pioniergeist und der Drang, mit immer neuen Ideen unseren Innovationsvorsprung weiter auszubauen.“, bilanziert Hanselmann die Entwicklung der letzten Jahre.

Die Vision

Das Wachstum geht weiter: Bis Mitte 2008 stieg die Zahl der Mitarbeiter auf 800. Gerade ist dSPACE in den Technologiepark im Süden von Paderborn gezogen. Im neuen Firmengebäude gibt es Erweiterungsmöglichkeiten bis auf 1.600 Mitarbeiter. Hanselmann vertraut der Entwicklung, die sein Team mit angestoßen hat: In den nächsten Jahren werden noch mehr elektronische Steuerungselemente die Antriebe und Fahrwerke von Automobilen und Flugzeugen optimieren. Die Werkzeuge und Simulatoren für deren Entwicklung bleiben gefragt. Und: „Mit unseren neuen Entwicklungen in Richtung Virtualisierung der Konstruktion von Fahrzeugelektronik und Fahrzeugsoftware legen wir den Grundstein für eine wichtige Erweiterung des Leistungsangebotes“, meint Hanselmann. Weil schon die Standard-Werkzeuge von dSPACE erfolgreich sind, kann es sich der Unternehmer leisten, auf den endgültigen Durchbruch dieser Anwendungen zu warten.

dSPACE GmbH, Paderborn

Der international agierende Technologiekonzern aus Paderborn entwickelt Werkzeuge und Simulatoren für die Entwicklung und Kontrolle elektronischer Steuerungseinheiten im Fahrzeugbau und gehört in seiner Nische zu den Weltmarktführern. Mehr als 80 Prozent der Kunden von dSPACE kommen aus der Automobilindustrie. Mit 786 Mitarbeitern erwirtschaftete das Unternehmen 2007 einen Umsatz von 86,8 Millionen Euro.

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