EY-Analyse Beschäftigung in der Eurozone 2019

Österreichs Arbeitsmarkt auch 2019 im Aufschwung – nur in Deutschland und Frankreich entstanden in den letzten zehn Jahren mehr Jobs

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  • Seit 2007 wurden 480.000 zusätzliche Jobs in Österreich geschaffen – nur in Deutschland und Frankreich waren es mehr
  • 2018 entstanden hierzulande rund 81.000 neue Stellen – Platz sieben in der Eurozone
  • Prognose für 2019: rund 50.000 zusätzliche Jobs und weiterer Rückgang der Erwerbslosenquote auf 4,6 Prozent in Österreich
  • Eurozone: Beschäftigung steigt 2019 zwar auf Rekordniveau, Arbeitslosigkeit bleibt aber hoch

Gute Aussichten für den Arbeitsmarkt im Jahr 2019: Trotz der wirtschaftlichen Abkühlung zum Jahresende und eingetrübter Konjunkturaussichten wird der Beschäftigungsaufbau in Österreich auch im kommenden Jahr weitergehen und die Arbeitslosigkeit wird weiter sinken. Seit 2007 wurden hierzulande 480.000 neue Stellen geschaffen – nur in Deutschland und Frankreich waren es in diesem Zeitraum mehr.

Nachdem 2018 in Österreich rund 81.000 neue Stellen geschaffen wurden, dürften im nächsten Jahr laut EY-Prognose weitere 50.000 Jobs entstehen – das sind die siebtmeisten innerhalb der Eurozone. Die Erwerbslosenquote nach ILO-Standard soll weiter zurückgehen: von 4,9 auf 4,6 Prozent. Trotz dieses weiteren Rückgangs rutscht Österreich damit von Platz vier hinter Deutschland, den Niederlanden und Malta auf fünf im Eurozonen-Ranking zurück, da der Rückgang der Erwerbslosenquote in Litauen auf 4,4 Prozent noch stärker ausfällt als hierzulande.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, die auf offiziellen Zahlen zur Beschäftigungsentwicklung und EY-Prognosen beruht.

Auch in der Eurozone geht es 2019 weiter aufwärts, wenngleich auch hier der Aufwind auf dem Arbeitsmarkt etwas an Schwung verliert: Nachdem die Beschäftigung 2018 um fast 2,2 Millionen stieg, soll die Zahl der Beschäftigten 2019 um 1,5 Millionen steigen und eurozonenweit – wie auch in Österreich – einen neuen Rekordwert erreichen.

Trotz der zuletzt fast flächendeckend positiven Entwicklung auf den regionalen Arbeitsmärkten ist die Arbeitslosigkeit in den meisten Eurozonenländern nach wie vor größer als vor Ausbruch der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Nur sechs Eurozonen-Länder – darunter vor allem Deutschland, die Slowakei, Portugal und Belgien – weisen heute eine niedrigere Erwerbslosenquote auf als im Vorkrisenjahr 2007. Österreich ist das einzige Land, in dem die Erwerbslosenquote mittlerweile genau auf dem Niveau des Vorkrisenjahrs 2007 liegt. In zwölf Ländern liegt die Quote zum Teil erheblich über dem Niveau von 2007 – vor allem in Griechenland, Spanien, Zypern und Italien.

„Die gute Wirtschaftsentwicklung der vergangenen Jahre hat zwar europaweit Millionen Menschen in Lohn und Brot gebracht – allerdings fiel der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt regional sehr unterschiedlich aus“, beobachtet Gunther Reimoser, Country Managing Partner EY Österreich. „Während beispielsweise der österreichische oder insbesondere der deutsche Arbeitsmarkt einen deutlichen Aufschwung erleben und Spanien große Erfolge beim Abbau der – allerdings nach wie vor hohen – Arbeitslosigkeit vorweisen kann, geht es in Italien und Frankreich nur in kleinen Schritten voran. Heute sind die Unterschiede zwischen den Eurozonenländern deutlich größer als vor der weltweiten Finanzkrise und der anschließenden europäischen Schuldenkrise – was erheblichen sozialen und politischen Sprengstoff birgt.“

Noch im Jahr 2007 lag die Erwerbslosenquote in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien zwischen 6,1 und 8,5 Prozent und damit relativ nah beieinander, wobei Italien mit 6,1 Prozent die niedrigste Quote der vier Länder aufwies. Im Jahresdurchschnitt 2018 reichte die Spanne hingegen von 3,4 Prozent in Deutschland bis 15,3 Prozent in Spanien. „Die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen dem prosperierenden Norden und den südeuropäischen Ländern mit einer immer noch teils sehr hohen Arbeitslosigkeit, ist enorm. Soziale Spannungen wie zuletzt in Frankreich, der Aufstieg populistischer und europafeindlicher Parteien in vielen Ländern und auch politische Auseinandersetzungen zwischen nationalen Regierungen sind Folgen dieser sehr unterschiedlichen Entwicklung“, warnt Reimoser.

Fachkräftemangel in Österreich wird sich weiter verschärfen
Immerhin konnte Österreich in den letzten Jahren ein gutes Wachstum vorlegen, das sich auch in einem erheblichen Stellenzuwachs niederschlägt: „Die österreichische Wirtschaft ist insgesamt in einer guten Verfassung“, beobachtet Reimoser. „Die Auslastung ist hoch, die Unternehmen fahren nach wie vor gute Gewinne ein und schaffen weiter Arbeitsplätze“. Im Jahr 2019 wird die Beschäftigung in Österreich nach EY-Prognose um 1 Prozent auf rund 4,54 Millionen steigen. „Der nun fast ein Jahrzehnt anhaltende Aufschwung geht also weiter“, stellt Reimoser fest. „Zwar lahmt die Konjunktur – nicht zuletzt wegen der weltweiten handelspolitischen Spannungen – derzeit etwas, grundsätzlich stehen die Zeichen aber weiter auf Wachstum, was auch auf den technologischen Wandel zurückzuführen ist.“

Viele Unternehmen investierten derzeit massiv in die Digitalisierung ihrer Produktion, ihrer Prozesse und ihrer Geschäftsmodelle, beobachtet Reimoser. Gleichzeitig arbeiteten sie aber zumeist noch auf traditionelle Art und Weise. Entsprechend hoch sei derzeit der Bedarf an Mitarbeitern. Allerdings wird der österreichische Job-Boom nach Reimosers Einschätzung nicht dauerhaft anhalten: „Die echten Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt werden erst im Lauf des kommenden Jahrzehnts sichtbar werden. Ein Teil der heutigen Jobs kann und wird automatisiert werden und damit verloren gehen. Gleichzeitig wird die Zahl der hochqualifizierten Jobs steigen, was nach neuen Ausbildungswegen und erheblichen Investitionen in eine bessere Bildung verlangt.“

Zudem werde auch der demografische Wandel starke Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben, auf die sich die Gesellschaft vorbereiten müsse, so Reimoser. „Derzeit sind wir in Österreich dank sprudelnder Steuereinnahmen in der komfortablen Lage, über finanzielle Spielräume zu verfügen, um wichtige Zukunftsaufgaben anzugehen – etwa im Bereich Bildung und Infrastruktur. Diese Spielräume sollten wir allerdings auch nutzen, und zwar so, dass sowohl unsere Wettbewerbsfähigkeit als auch der soziale Zusammenhalt gestärkt werden.“

Lage in der Eurozone bleibt angespannt
Während die Zahl der Erwerbslosen in Österreich seit 2007 nur um 19.000 gestiegen ist, gab es in vielen anderen Ländern der Eurozone eine deutlich negative Entwicklung. Kaschiert wird diese durch die positive 10-Jahres-Bilanz vom wirtschaftlichen Zugpferd Deutschland. Während die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland seit 2007 um gut 2 Millionen gesunken ist, ist sie in den übrigen Eurozonen-Ländern um 3,7 Millionen gestiegen. „Von einer Entwicklung wie auf dem deutschen Arbeitsmarkt können die Menschen in vielen südeuropäischen Ländern nur träumen – das erklärt auch die Verbitterung, die in einigen Ländern heute in Teilen der Bevölkerung herrscht: Der wirtschaftliche Aufschwung kommt nur langsam bei den Menschen an, viele haben das Gefühl, sich immer weniger leisten zu können und kaum berufliche Perspektiven zu haben“, so Reimoser.

Immerhin: Die Erwerbslosenquote in der Eurozone sank 2018 kräftig von 9,1 auf 8,2 Prozent – und für das kommende Jahr geht die EY-Prognose von einem Rückgang auf 7,8 Prozent aus. Reimoser betont: „Der Trend bleibt positiv: Die Beschäftigung steigt auch in den ehemaligen Krisenländern und die Arbeitslosigkeit sinkt fast flächendeckend.“ Dennoch sieht Reimoser nach wie vor die Gefahr eines zunehmenden Auseinanderdriftens der europäischen Länder aufgrund der immer noch hohen Arbeitslosigkeit und geringen Jobchancen von Jugendlichen sowie schlecht Ausgebildeten.