EY M&A-Index Österreich 2018

Globale politische Unsicherheiten sorgen für Abkühlung am Transaktionsmarkt – M&A-Aktivitäten gingen auch in Österreich 2018 deutlich zurück

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  • Übernahmekarussell in Österreich gebremst – Zahl der Transaktionen geht um 6,1 Prozent auf 324 zurück und sinkt unter das Rekordniveau der beiden Vorjahre
  • Weniger Mega-Deals: Volumen geht von 14,7 auf 7,9 Milliarden Euro zurück
  • Größte Transaktion des Jahres: OMV investiert rund 1,2 Milliarden Euro in Konzessionen für zwei Offshore-Ölfelder der Abu Dhabi National Oil Company
  • Unsichere politische Lage und drohende Handelskriege zügeln weltweiten Deal-Appetit – Brexit-Entscheidung und Handelsgespräche richtungsweisend
  • Österreichs Unternehmen investieren deutlich mehr im Ausland – Interesse an heimischen Übernahmezielen geht zurück
  • Die meisten Deals fanden im Industriebereich statt

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EY M&A Index Österreich 2018
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Nach zwei Rekordjahren in Folge hat sich der österreichische Transaktionsmarkt 2018 abgekühlt. Die Anzahl der Übernahmen mit österreichischer Beteiligung ging 2018 um 6,1 Prozent auf 324 Deals zurück. Auch bei den Transaktionsvolumina  gab es einen Rückgang von 14,7 auf 7,9 Milliarden Euro. Ausschlaggebend dafür ist die Halbierung sogenannter Mega-Deals mit einem Volumen von über einer Milliarde Euro von vier auf zwei. Im Vorjahr flossen alleine beim Kauf der BUWOG durch Vonovia rund 5,6 Milliarden Euro.

Der größte Deal des Jahres mit österreichischer Beteiligung fand im Ölsektor statt: Die OMV investierte rund 1,2 Milliarden Euro in 20 Prozent der Konzessionen für zwei Offshore-Ölfelder der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC). Für die Übernahme des niederösterreichischen Licht- und Elektronikspezialisten ZKW Holding zahlte der koreanischen Elektronikkonzern LG rund 1,1 Milliarden Euro. Komplettiert werden die Top-3 der Deals des Jahres 2018 mit der Übernahme des steirischen Kühltruhenherstellers AHT Cooling Systems GmbH durch den belgischen Klimatechnik-Spezialisten DAIKIN Europe um 881 Millionen Euro.

Das sind die Ergebnisse des 7. österreichischen M&A-Index der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY. Für die Analyse untersucht EY halbjährlich alle veröffentlichten Transaktionen mit österreichischer Mehrheits- und Minderheitsbeteiligung.

„Aufgrund der starken Wirtschaftsentwicklung in Österreich und Europa haben wir in den letzten zwei Jahren viel Aktivität auf dem Transaktionsmarkt gesehen. Aufgebaute Cashreserven aus erwirtschafteten Gewinnen bei gleichzeitigem Niedrigzinsumfeld haben Unternehmen dazu gebracht, diese in großem Stil zu reinvestieren“, so Eva-Maria Berchtold, Partnerin und Leiterin des Bereichs Transaction Advisory Services bei EY Österreich.

„Gute Dinge kosten einfach Geld. Auch wenn in den letzten Monaten weltweit Kursrückgänge zu verzeichnen waren, die zu gesunkenen Unternehmensbewertungen und in der Folge zu gesunkenen Kaufpreisen führen sollten, sehen wir dennoch, dass die derzeitigen Multiples, also die erste überschlägige Unternehmenswertindikation, über dem Niveau der Jahre 2007 und 2008 liegen. Unternehmen müssen sich daher verstärkt bemühen, eingepreiste Synergien auch tatsächlich zu heben. Daher legen sie den Fokus stärker auf die Integration von in den letzten Jahren übernommenen Unternehmen als auf neue Transaktionen“, so Berchtold.

Politische Unsicherheit bremst Transaktionsmarkt
Die Abkühlung des österreichischen Transaktionsmarktes liegt im weltweiten Trend. Das aktuelle EY Capital Confidence Barometer, eine halbjährlich durchgeführte Umfrage unter 2.500 Managern von Großunternehmen weltweit, unterstreicht, dass der Übernahmeappetit zurückgeht. Nur 46 Prozent der Unternehmen weltweit planen Zukäufe in den nächsten zwölf Monaten – der niedrigste Wert seit vier Jahren.

„Die globalen Übernahmestrategien decken sich mit der Entwicklung des heimischen Transaktionsmarktes. Momentan dominiert aufgrund von Unsicherheiten wie dem Handelskonflikt zwischen den USA und China, dem Brexit oder den Zinserhöhungen die Unsicherheit bei Investoren. Viele Unternehmen befinden sich in Lauerstellung und wollen erst die Ergebnisse der Brexit-Verhandlungen und die Handelsgespräche zwischen den USA und China abwarten. Diese beiden Entscheidungen werden die nächsten Jahre prägend sein. Das erste Quartal 2019 wird richtungsweisend für die weitere Entwicklung des weltweiten Transaktionsmarktes sein“, so Robert Hufnagel, Partner und Leiter M&A Advisory bei EY Österreich.

Trotz der aktuellen Zurückhaltung seien Unternehmen anhaltend auf der Suche nach attraktiven Übernahmezielen, so Hufnagel: „Die Unternehmen – und damit auch der M&A-Markt – werden derzeit von digitalen Transformationen getrieben. Übernahmen sind für viele immer noch das beste Mittel, um die eigene Innovation zu forcieren oder das Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Wir sehen in diesem Zusammenhang zwei Trends: Erstens stehen Technologieunternehmen im Fokus von Investoren. Zweitens gibt es einen eindeutigen Trend dahingehend, in anderen Branchen nach attraktiven Unternehmen zu fischen.“

Österreichs Unternehmen investieren deutlich mehr im Ausland
Heimische Unternehmen schlugen im vergangenen Jahr deutlich öfter bei ausländischen Unternehmen zu: Die Anzahl der Übernahmen in der Kategorie „Outbound“ stieg 2018 um 16 Deals an – ein Plus von 13,8 Prozent.

„Die Struktur der österreichischen Wirtschaftslandschaft befeuert Übernahmen ausländischer Unternehmen. Viele heimische Nischenmarktführer und hoch spezialisierte Unternehmen können nur im Ausland wachsen und richten ihren Blick daher auf attraktive Übernahmeziele jenseits der Landesgrenzen. Die Integration in ein starkes Europa ist eine Grundvoraussetzung für den Erfolg heimischer Unternehmen“, so Hufnagel.

Deutschland ist für österreichische Investoren mit großem Abstand das attraktivste Investitionsziel – 44,7 Prozent aller Deals tätigten heimische Unternehmen im Nachbarland.
Weitere 40,2 Prozent der M&A-Deals schlossen Österreichs Unternehmen mit dem Rest von Europa ab. Innereuropäische Deals sind mit 84,9 Prozent somit klar das bevorzugte Investitionsziel der österreichischen Käufer.

Gleichzeitig ging das Interesse an österreichischen Unternehmen im vergangenen Jahr deutlich zurück. Die Anzahl der Übernahmen durch ausländische Investoren („Inbound“) sank um neun Deals oder 6,8 Prozent. Innerhalb Österreichs („Domestic“) gab es 28 Deals weniger – ein starker Rückgang um 29 Prozent.

Wie schon im Vorjahr gehen mit 32,5 Prozent die meisten Käufe von österreichischen Unternehmen auf das Konto deutscher Investoren. Weitere 39,8 Prozent der Übernahmen wurden von Investoren aus anderen europäischen Ländern getätigt – insgesamt hatten 2018 damit 72,4 Prozent aller Investoren in Österreich ihren Sitz in Europa.

Industrieunternehmen steigen zu beliebtestem Ziel für Übernahmen auf
Nachdem in den letzten beiden Jahren die meisten Transaktionen im Immobiliensektor getätigt wurden, stehen heuer Industrieunternehmen ganz oben in der Gunst der Investoren. Insgesamt gab es 2018 im Industriebereich 81 Transaktionen mit österreichischer Beteiligung. Dahinter folgen Unternehmen aus dem Technologie- (73) und Immobilienbereich (72). Bei den veröffentlichten Transaktionsvolumina liegt der Immobiliensektor mit 2,4 Milliarden Euro hingegen immer noch knapp vor der Industrie mit 1,9 Milliarden Euro.

„Das starke Wirtschaftsjahr 2018 war auch ein starkes Transaktionsjahr für die österreichische Industrie. Erstmals gab es wieder die meiste Aktivität im Industriesektor, der eine große Bedeutung als Motor der heimischen Wirtschaft hat. Diese Entwicklung wird anhalten: Industrieunternehmen sind mitten in der digitalen Transformation und müssen sich neu aufstellen, um digitale Fertigungstechnologien zu implementieren oder ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln. Dafür sind und bleiben Übernahmen ein probates Mittel“, so Hufnagel abschließend.