EY-Jobstudie Motivation Österreich 2019

Österreichs Arbeitnehmer sind motiviert und zufrieden– vor allem Frauen und ältere Mitarbeiter

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  • Knapp die Hälfte der Beschäftigten ist uneingeschränkt zufrieden – 32 Prozent sind hochmotiviert
  • Frauen motivierter und zufriedener als Männer – gutes Verhältnis zu Kollegen für beide Geschlechter am wichtigsten, Gehalt für Männer deutlich wichtiger
  • Unternehmen punkten am meisten mit flexiblen Arbeitsmodellen
  • Arbeitgeber müssen mehr für die junge Generation tun
  • Arbeitnehmer über 50 Jahre sind am zufriedensten und motiviertesten
  • Zufriedenheit im öffentlichen Dienst höher als in der freien Wirtschaft

Gute Nachricht für Unternehmen: Die österreichischen Arbeitnehmer sind grundsätzlich zufrieden und motiviert bei der Arbeit: So gut wie neun von zehn (89 %) Österreicher sind laut eigenen Angaben (eher) zufrieden, fast die Hälfte (45 %) uneingeschränkt. Auch die Motivation ist bei 91 Prozent grundsätzlich vorhanden, als hochmotiviert bezeichnet sich hingegen nur ein Drittel (32 %). Immerhin 80 Prozent der Arbeitnehmer fühlen sich grund-sätzlich anerkannt und wertgeschätzt. Am höchsten ist die Zufriedenheit bei Mitarbeitern in Tirol (54 %), im Burgenland (50 %) und in Oberösterreich (49 %). Am wenigsten zufrieden sind Mitarbeiter in Vorarlberg und Salzburg (je 42 %).

Arbeitgeber können vor allem auf hochmotivierte und zufriedene Frauen zählen: Unter ihnen beträgt der Anteil der uneingeschränkt Zufriedenen 49 Prozent, der Anteil der Männer liegt mit 43 Prozent darunter. Frauen bezeichnen sich auch überdurchschnittlich oft als hochmo-tiviert: 35 Prozent schätzen sich so ein, bei den Männern sind es nur 30 Prozent.

Die größte Motivation ziehen sowohl Frauen als auch Männer aus einem guten Verhältnis zu Kollegen, auch wenn Frauen dieser Punkt deutlich wichtiger ist: 62 Prozent der weiblichen Arbeitnehmer werden nach eigener Aussage durch ein gutes Verhältnis zu Kollegen moti-viert – bei den männlichen Arbeitnehmern sagen dies 57 Prozent. Einig sind sich die Ge-schlechter, dass eine spannende Tätigkeit motivierend wirkt – das sehen jeweils 54 Prozent so. Auch günstige Arbeitszeiten (Frauen: 42 %, Männer: 37 %) und flexible Arbeitszeitmo-delle (je 30 %) sind für beide Geschlechter wichtige Motivationsfaktoren am Arbeitsplatz. Kaum punkten können Arbeitgeber hingegen mit Zusatzangeboten oder Incentives wie Dienstwagen oder Versicherungen – diese wirken nur für drei Prozent der Frauen und fünf Prozent der Männer motivierend.

Das sind Ergebnisse der EY-Jobstudie, für die 1.001 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Österreich befragt wurden.

„Es ist eine gute Nachricht für die österreichischen Unternehmen: Ihre Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind motiviert und generell zufrieden mit ihrem Job“, kommentiert Ingrid Rattinger, Managing Partner Talent bei EY Österreich, die Ergebnisse. „Das hängt sicherlich mit der guten wirtschaftlichen Lage und der entspannten Arbeitsmarktsituation zusammen. Derzeit gibt es für heimische Unternehmen ausreichend zu tun, und nur wenige Arbeitneh-mer müssen sich Sorgen um ihren Job machen. Gleichzeitig tun Unternehmen immer mehr für ihre Mitarbeiterbindung, da Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt rar sind. In dieser Atmo-sphäre fühlen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter offenbar zunehmend wohl – und zah-len das mit hohem Einsatz auch zurück.“

Besonders punkten können Arbeitgeber mit flexiblen Arbeitsmodellen, die bei 77 Prozent der befragten Arbeitnehmer ganz oben auf der Wunschliste stehen. Knapp jeder Zweite wünscht sich Home-Office-Möglichkeiten und Gesundheits- und Vorsorgemodelle für Mitarbeiter.

Arbeitnehmer über 50 sind am zufriedensten und motiviertesten
Besonders hoch ist die Zufriedenheit bei älteren Arbeitnehmern: Von den über 50-Jährigen sind gut 55 Prozent der Arbeitnehmer zufrieden mit ihrer Arbeit – ähnlich zufrieden sind nur Berufseinsteiger bis 20 Jahre (50 %). Bei den 21- bis 35-Jährigen bzw. den 36- bis 50-Jährigen ist die Zufriedenheit mit 43 bzw. 41 Prozent deutlich geringer. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Motivation: Während sich rund 39 Prozent der Arbeitnehmer über 50 Jah-re als hochmotiviert bezeichnet, ist die uneingeschränkte Motivation bei allen anderen Al-tersgruppen mit je 30 Prozent deutlich geringer.

„Die Best Ager, also Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über 50 Jahre, sind erheblich zufriedener und motivierter als alle anderen Altersgruppen. Gleichzeitig sehen in dieser Gruppe mit 60 Prozent auch mit Abstand die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, dass sie einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. Der Sinn der eigenen Arbeit – sei es für die Entwicklung des Unternehmens oder für die gesamte Wirtschaft bzw. Gesellschaft – ist heute ein zentraler Motivationsfaktor. Unternehmen müssen ihren Mitar-beiterinnen und Mitarbeitern nicht nur Wertschätzung entgegenbringen, sondern auch glaubhaft vermitteln, dass sie mit ihrer Arbeit einen Mehrwert leisten“, so Rattinger.

Zufriedenheit im öffentlichen Dienst höher als in der freien Wirtschaft
Auch in Zeiten guter Konjunktur ist die Stimmung der Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst besser als in der freien Wirtschaft. Ihre Motivation ist mit einem Anteil von 35 Prozent Hochmotivierten etwas höher als die der Beschäftigten in der konjunkturabhängigen freien Wirtschaft mit 31 Prozent. Auch bei der Zufriedenheit steht der öffentliche Dienst mit einem Anteil von 50 Prozent besser da als die freie Wirtschaft (43 %).

Arbeitgeber müssen mehr für die junge Generation tun
„So erfreulich die insgesamt hohe Zufriedenheit und Motivation der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Österreich ist: Die Unternehmen müssen mehr für die junge Generation tun“, sagt Rattinger. „Viele junge Menschen erfahren längst nicht mehr ihre Bestätigung nur aus dem Job, sondern ebenso aus ihrem Privatleben. Sie wollen flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten, um Arbeit und Familie besser miteinander verbinden zu können. Im Betrieb erwarten sie flache Hierarchien und eine insgesamt angenehme Ar-beitsatmosphäre. Die Unternehmen sollten dies bei ihrem Bemühen um die Fach- und Füh-rungskräfte von morgen berücksichtigen“, rät Rattinger.

Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass es sich für Unternehmen lohnt, mehr für die Förde-rung älterer Arbeitnehmer und Frauen zu tun. „Frauen und ältere Arbeitnehmer sind die mo-tiviertesten Gruppen innerhalb der Unternehmen. Dieses Potenzial sollten die Betriebe viel stärker nutzen. Sie können Frauen gezielt fördern, ihnen Aufstiegsmöglichkeiten schaffen und beim Gehalt ihren männlichen Kollegen gleichstellen. Auch ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollten gezielt ans Unternehmen gebunden werden. Denn die meisten wollen sich offenbar nicht auf den Ruhestand vorbereiten, sondern sind mit Elan bei der Arbeit und können mit ihrer Erfahrung zum Unternehmenserfolg beitragen – wenn man sie lässt.“

Gut- und Geringverdiener sind am zufriedensten und motiviertesten
Geld alleine ist offensichtlich kein ausschlaggebender Faktor für Zufriedenheit und Motivati-on: Zwar sind Arbeitnehmer in der höchsten Einkommensklasse von mehr als 60.000 Euro im Jahr am zufriedensten (58 %) und am ehesten hochmotiviert (43 %) – allerdings folgen sowohl bei der Zufriedenheit (50 %) als auch bei der Motivation (31 %) knapp dahinter Mit-arbeiter aus der geringsten Einkommensklasse von bis zu 20.000 Euro. Am wenigsten zu-frieden (37 %) und motiviert (26 %) sind Angestellte mit Bruttojahresgehältern von 41.000 bis 60.000 Euro.

„Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren Transformationsprozesse durchge-macht, um sich auf die volatile Weltwirtschaft einzustellen. Oft sind es gerade die zweite Führungsebene bzw. das mittlere Management, die diese Transformation umsetzen müs-sen, sich aber nicht genügend mitgenommen fühlen von der Geschäftsführung. Das kann eine Erklärung für die Unzufriedenheit sein“, erklärt Rattinger.

Gerade Männer legen deutlich mehr Wert auf ein hohes Gehalt: 38 Prozent lassen sich durch monetäre Anreize motivieren, bei Frauen hingegen nur 28 Prozent. Auf dem Weg zum Spitzenverdiener bleiben dagegen häufig Familie und Freizeit auf der Strecke – und die Gefahr eines Burn-outs wächst. Dagegen finden 42 Prozent der Frauen günstige Arbeitszei-ten motivierend, während dies für Männer mit einem Anteil von 37 Prozent weniger wichtig ist.

„Geld alleine macht nicht glücklich“, kommentiert Rattinger die Zahlen. „Es ist bemerkens-wert, dass gerade Angestellte in der gehobenen mittleren Einkommensklasse am unzufrie-densten und am wenigsten motiviert sind. Auf der zweiten Führungsebene herrscht häufig ein hoher Druck, der zwar bis zu einem gewissen Grad motivierend sein kann, aber langfris-tig offenbar nicht zu Zufriedenheit führt. Im Gegenteil: Die meisten Führungskräfte arbeiten hochgradig engagiert und bis zur Grenze der Belastbarkeit, nehmen häufig erhebliche Ein-schränkungen bei Feierabend und Urlaub hin und tragen gleichzeitig Verantwortung für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sie vor Überbelastung schützen wollen. Sie stecken also häufig in der Falle: Starker Druck von oben, wenig Lob, erheblicher Arbeitseinsatz und gleichzeitig eine Schutz- und Vorbildfunktion gegenüber den ihnen unterstellten Mitarbeite-rinnen und Mitarbeitern.“

Es reiche daher nicht, wenn sich Unternehmen nur auf die Talentgewinnung konzentrieren, so Rattinger: „Die größte Herausforderung ist es, die klügsten Köpfe über einen längeren Zeitraum an Bord zu halten. Unternehmen müssen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig motivieren und dafür ein attraktives Vergütungs- und Anreizsystem schaffen. Oft sind Personalabteilungen aber zu klein, um alle Aspekte ausreichend aufeinander abzu-stimmen. Hier kann es von Vorteil sein, sich auch externe Hilfe zu holen.“