EY M&A-Index Österreich 1/2019

Globale politische Unsicherheiten bremsen Transaktionsmarkt in Österreich – Rückgang der M&A-Aktivitäten

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  • Zahl der Transaktionen sinkt um 14,6 Prozent auf 152 gegenüber dem Vorjahr
  • Transaktionsvolumen geht von 5,0 auf 4,4 Milliarden Euro zurück
  • Größte Transaktion des Jahres: OMV investiert rund 2,2 Milliarden Euro in einen Anteil an einem Raffinerie-Hub der Abu Dhabi Oil Refining Company
  • Anhaltende unsichere politische Lage drückt den weltweiten Deal-Appetit – Brexit-Entscheidung und Handelsgespräche richtungsweisend
  • Österreichs Unternehmen investieren vor allem in Deutschland
  • Die meisten Deals fanden im Telekommunikations-, Technologie- und Industriesektor statt

Die Tendenz der rückläufigen M&A-Aktivitäten in Österreich im letzten Jahr hat sich im ersten Halbjahr 2019 fortgesetzt. Die Anzahl der Übernahmen mit österreichischer Beteiligung ging im ersten Halbjahr 2019 um 14,6 Prozent auf 152 Deals zurück. Auch bei den Transaktionsvolumina*  gab es einen Rückgang von 5,0 auf 4,4 Milliarden Euro.

Der bisher größte Deal des Jahres mit österreichischer Beteiligung fand im Ölsektor statt: Die OMV investierte rund 2,2 Milliarden Euro in 15 Prozent an einem Raffinerie-Hub mit integrierter Petrochemie der Abu Dhabi Oil Refining Company. Dahinter folgt die vollständige Übernahme der Galeria Karstadt Kaufhof durch die SIGNA Gruppe für rund 900 Millionen Euro. Der Vollzug der Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Wettbewerbsbehörden. Komplettiert werden die Top-3 der Deals des ersten Halbjahres 2019 mit der Übernahme des Warschauer Bürohochhauses Warsaw Spire Tower durch die IMMOFINANZ AG mit 386 Millionen Euro.

Das sind die Ergebnisse des 8. österreichischen M&A-Index der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY. Für die Analyse untersucht EY halbjährlich alle veröffentlichten Transaktionen mit österreichischer Mehrheits- und Minderheitsbeteiligung.

„Die derzeitigen politischen Unsicherheiten und die gebremste Konjunkturentwicklung hinterlassen eindeutige Spuren am Transaktionsmarkt. Die Anzahl der Transaktionen mit österreichischer Beteiligung im ersten Halbjahr 2019 ist rückläufig und der Optimismus der Unternehmer der letzten Jahre hat etwas abgenommen. Zwar verfolgen weiterhin viele Unternehmen eine Wachstumsstrategie, und gewisse Branchen – insbesondere der Technologiesektor – bleiben gefragt, aber wir sehen auch, dass viele Transaktionen gestartet und wieder gestoppt werden. Die Unsicherheit im Markt wird sich über kurz oder lang auch auf die Bewertungen auswirken“, so Eva-Maria Berchtold, Partnerin und Leiterin des Bereichs Transaction Advisory Services bei EY Österreich.

Politische Unsicherheit und Einflussnahme bremsen den Transaktionsmarkt innerhalb der EU
Die Abkühlung des österreichischen Transaktionsmarktes liegt im europäischen Trend.
Das erste Halbjahr zeigt, dass globale Handelskonflikte wie jener zwischen den USA und China sowie die anhaltenden Brexit-Diskussionen weiterhin für Unsicherheit bei den Investoren sorgen.

Der Trend hin zu größeren Deals, in denen mit einem Schlag höhere Beträge investiert werden, ist ungebrochen. Darunter würden kleinere Volkswirtschaften wie auch die österreichische, die naturgemäß weniger große Unternehmen beheimatet, leiden, so Robert Hufnagel, Partner und Leiter M&A Advisory bei EY Österreich: „Der M&A-Markt wird derzeit von technologischen Transformationen getrieben. Übernahmen sind ein bewährtes Mittel, um rasch Technologie und damit Innovation ‚einzukaufen‘. Darauf folgt auch immer ein kultureller Wandel innerhalb eines Unternehmens, da junge und technologiegetriebene Unternehmen tendenziell agiler sind als das übernehmende Unternehmen, welches oftmals eine langjährig gewachsene Kultur mit sich bringt. Dennoch ist genau dieser Umstand das beste Mittel, um die eigene Innovation zu forcieren oder das Geschäftsmodell weiterzuentwickeln“.

Österreichs Unternehmen investieren weniger im Ausland
Heimische Unternehmen schlugen im vergangenen Halbjahr 67 Mal bei ausländischen Unternehmen zu. Dies entspricht einem Rückgang von neun Transaktionen in der Kategorie „Outbound“– ein Minus von 11,8 Prozent.

Deutschland ist für österreichische Investoren weiterhin mit großem Abstand das attraktivste Investitionsziel – 26,9 Prozent aller Deals tätigten heimische Unternehmen im Nachbarland.
Weitere 59,7 Prozent der M&A-Deals schlossen Österreichs Unternehmen im Rest von Europa ab. Durch den Mega-Deal der OMV alleine entfallen 60,8 Prozent des gesamten Outbound-Transaktionsvolumens auf die Vereinigten Arabischen Emirate.

Gleichzeitig ging das Interesse an österreichischen Unternehmen im vergangenen Jahr deutlich zurück. Die Anzahl der Übernahmen durch ausländische Investoren („Inbound“) sank um neun Deals oder 13,6 Prozent. Innerhalb Österreichs („Domestic“) gab es acht Deals weniger – ein Rückgang um 22,2 Prozent.

Wie schon im Vorjahr gehen mit 33,3 Prozent die meisten Käufe von österreichischen Unternehmen auf das Konto deutscher Investoren. Weitere 35,1 Prozent der Übernahmen wurden von Investoren aus anderen europäischen Ländern getätigt – insgesamt hatten damit 68,4 Prozent aller Investoren in Österreich ihren Sitz in Europa.

Technologie- und Industriesektor beliebte Ziele für Übernahmen
Insgesamt gab es im ersten Halbjahr 2019 im Telekommunikations-, Medien- und Technologiesektor 37 Transaktionen mit österreichischer Beteiligung. Auch im Industriebereich wurden 37 Transaktionen getätigt. Es folgen die Konsumgüter- und Handelsbranche (31) sowie die Immobilienbranche (22). Bei den veröffentlichten Transaktionsvolumina liegt der Oil & Gas-Bereich aufgrund des OMV-Megadeals mit 2,2 Milliarden Euro knapp vor dem Immobiliensektor mit 1,9 Milliarden Euro.

„Im Gegensatz zur getrübten europäischen Stimmung werden international gerade Rekorde gebrochen: Im ersten Halbjahr 2019 wurden 28 Megadeals, also Übernahmen mit einem Volumen von über 10 Milliarden US-Dollar angekündigt - die höchste jemals gezählte Anzahl an Megadeals. Mit mehr als 5.000 Deals wurde ein Drittel aller weltweiten Transaktionen unter Beteiligung eines US-Unternehmens durchgeführt, gefolgt von China mit 2.100 und dem Vereinigten Königreich mit 1.400 Transaktionen. Dies unterstreicht die anhaltende Dominanz der amerikanischen Wirtschaft. Daneben sieht die Bilanz von knapp 600 Deals in Deutschland eher bescheiden aus“, so Hufnagel abschließend.

M&A-Index Infografik Österreich (pdf, 108kb)

*Das Transaktionsvolumen schließt nur jene Transaktionen ein, deren Wert bekanntgegeben wurde