EY-Analyse Chinesische Investoren in Europa im 1. Halbjahr 2019

Immer weniger Firmenübernahmen durch chinesische Investoren in Europa – keine Transaktion in Österreich

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  • Wert der chinesischen Übernahmen in Europa sinkt im ersten Halbjahr um 84 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar
  • Zahl der Transaktionen fällt europaweit um 28 Prozent auf 81
  • Nur noch elf Transaktionen in Deutschland – Großbritannien löst mit 17 Transaktionen Deutschland als beliebtestes Investitionsziel ab
  • Weiterer Rückgang in Österreich – erstmals seit dem 1. Halbjahr 2013 keine Übernahme durch chinesische Investoren

Die Zurückhaltung chinesischer Unternehmen bei Firmenübernahmen in Europa hält an: Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden europaweit nur 81 Übernahmen und Unternehmensbeteiligungen gezählt – 28 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, als noch 113 europäische Unternehmen einen chinesischen Besitzer bekamen. Da es kaum große Transaktionen gab, ging das Investitionsvolumen sogar um 84 Prozent von 15,3 auf 2,4 Milliarden US-Dollar zurück.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, die M&A-Investitionen chinesischer Unternehmen in Europa untersucht.

Handelskonflikt zwischen Amerika und China sorgt für Unsicherheit
„Die Transaktionsaktivitäten in Europa lagen im ersten Halbjahr zwar deutlich niedriger als im Vorjahreszeitraum; sie haben sich aber immerhin auf dem niedrigen Niveau des zweiten Halbjahres 2018 stabilisiert. Damit dürfte die Talsohle erreicht sein“, sagt Eva-Maria Berchtold, Leiterin Transaction Advisory Services bei EY Österreich. „Der Hauptgrund für die Zurückhaltung der chinesischen Investoren ist die Lage auf dem chinesischen Heimatmarkt: Die konjunkturelle Lage in China ist schwierig, die Unsicherheit groß – nicht zuletzt aufgrund des US-chinesischen Handelskonflikts. Zudem sind einige der chinesischen Unternehmen, die in der Vergangenheit auf dem europäischen M&A-Markt sehr aktiv waren, derzeit entweder mit der Integration der erworbenen Unternehmen oder mit dem Weiterverkauf beschäftigt. Neue Zukäufe stehen bei diesen Unternehmen vorerst nicht auf der Agenda.“ 

Zudem war es nach Berchtolds Beobachtung insgesamt ruhig auf dem europäischen Transaktionsmarkt: „Es gibt derzeit relativ wenige attraktive Übernahmekandidaten, die für die Chinesen interessant waren.“ All diese Faktoren führen seit einiger Zeit dazu, dass vor allem große Transaktionen seltener werden und dass deutlich selektiver investiert werde als etwa im Boomjahr 2016.

Interesse an europäischen Firmen bleibt weiterhin bestehen
Das Interesse chinesischer Unternehmen an europäischen Firmen sei allerdings grundsätzlich immer noch groß – auch wenn immer weniger Transaktionen tatsächlich abgeschlossen werden, berichtet Yi Sun, Leiterin der China Business Services Deutschland, Österreich und Schweiz bei EY: „Wir sehen mehrere Trends: Nach wie vor kaufen einige chinesische Unternehmen in Europa Kompetenzen für ihre ambitionierten Strategien zu – das beste Beispiel ist die aktuelle europaweite Einkaufstour des chinesischen Evergrande-Konzerns im Bereich der Elektromobilität. Auf der anderen Seite interessieren sich chinesische Unternehmen immer noch sehr für klangvolle Namen aus Europa – etwa im Konsumgüterbereich.“

Dass punktuell auch noch große Transaktionen möglich sind, habe zudem gerade erst der Einstieg des chinesischen Autokonzern BAIC bei Daimler gezeigt. „Wo es strategisch sinnvoll und im beiderseitigen Interesse ist, sind nach wie vor auch Deals oberhalb der 1-Milliarde-Grenze machbar“, betont Sun. „Und wenn sich die Konjunktur erholt und der Handelskonflikt zwischen den USA und China beigelegt wird, werden wir auch wieder eine deutliche Zunahme bei den Transaktionsaktivitäten sehen.“

Für die zweite Jahreshälfte seien noch einige Transaktionen im dreistelligen Millionenbereich in der Pipeline, berichtet Sun: „Da sind Chinesen in den Startlöchern – es bleibt allerdings abzuwarten, ob sie dann auch den Zuschlag bekommen.“

Keine Transaktion in Österreich – größter Deal des Halbjahres in Schweden 
Der Rückgang in Österreich hat sich auch im ersten Halbjahr 2019 fortgesetzt: Erstmals seit dem 1. Halbjahr 2013 gab es keine Übernahme eines chinesischen Investors in Österreich.

„Nachdem es in den letzten sechs Jahren in jedem Halbjahr vereinzelte Übernahmen durch chinesische Investoren gab, war 2019 noch kein einziger Deal zu verzeichnen. Österreich befindet sich nach wie vor nur am Rande des Radars chinesischer Investoren, ist aber trotz der bisherigen Nullrunde im Jahr 2019 nicht davon verschwunden. Die M&A-Aktivitäten der letzten Jahre zeigen, dass chinesische Investoren auch in Österreich gezielt nach einzelnen Top-Betrieben mit hoher Spezialisierung, starken Marken und führenden Technologien Ausschau halten. Das wird auch in den nächsten Jahren so sein“, so Berchtold.

Der mit einem Volumen von 930 Millionen US-Dollar europaweit mit Abstand größte Deal war der Einstieg der chinesischen Evergrande Group bei NEVS, dem Saab-Nachfolgeunternehmen und heutigen Hersteller von Elektroautos. Anschließend erwarben Evergrande und NEVS für gut 170 Millionen US-Dollar einen Anteil von 20 Prozent bei der schwedischen Supersportwagenmarke Koenigsegg – der zweitgrößte Deal des Halbjahres.