EY Jobstudie 2016 – Fokusthema: «Karriere und Wechselbereitschaft»

Schwieriger Aufstieg: Mehr als jeder zweite Arbeitnehmer sieht keine Karrierechancen im eigenen Unternehmen

  • Share

Arbeitgeber bieten zu wenig Aufstiegsmöglichkeiten – vor allem für Frauen / Loyalität unter Schweizer Arbeitnehmern hoch – weniger als jeder Fünfte sucht nach neuem Job / Hohe gefühlte Jobsicherheit in «Pharma, Biotech und Life Sciences» – in der Immobilienbranche geringste Sicherheit / Beschäftigte zwischen 21 und 30 Jahren sind am ehesten zu Wechsel bereit

Zürich, 10. Mai 2016 – Mehr als jeder zweite Arbeitnehmer fühlt sich im eigenen Unternehmen am Ende der Karriereleiter angekommen: 53 Prozent sagen, dass sie keine Aufstiegsmöglichkeiten sehen. Dabei würden sich 40 Prozent wünschen, eine höhere Stufe auf der Karriereleiter zu erklimmen. Vor allem für Frauen ist der Weg nach oben häufig schwierig: Lediglich 44 Prozent sagen, dass sie Aufstiegsmöglichkeiten sehen, bei Männern liegt der Anteil bei 48 Prozent.

Trotz eingeschränkter Perspektiven sind die Beschäftigten ihrem Arbeitgeber gegenüber sehr loyal: Vier von fünf Arbeitnehmern (81 Prozent) sagen von sich, dass sie sich ihrem Arbeitgeber verbunden beziehungsweise sogar sehr eng verbunden fühlen. Gar keine Verbundenheit zum Arbeitgeber verspüren lediglich vier Prozent.

Die Loyalität wird allerdings vor allem dann auf die Probe gestellt, wenn bei einem eventuellen neuen Arbeitgeber mehr Geld winkt. 36 Prozent der Arbeitnehmer könnte das motivieren, den Arbeitgeber zu wechseln. Für interessantere Arbeitsinhalte würden sich 27 Prozent und für bessere Karrierechancen 23 Prozent einen Wechsel überlegen. Eine höhere Jobsicherheit könnten 20 Prozent und eine bessere Unternehmenskultur noch 13 Prozent motivieren, künftig ihr Geld woanders zu verdienen.

Konkret setzen die Schweizer Arbeitnehmer aber vor allem auf Sicherheit: Weniger als jeder Fünfte (18 Prozent) ist derzeit auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber. Weniger als jeder Sechste (15 Prozent) sieht sich in fünf Jahren in einer anderen Firma. Der Druck zu wechseln ist entgegen sich häufender Negativmeldungen derzeit noch gering: So schätzen insgesamt fast neun von zehn Arbeitnehmern (88 Prozent) ihren Job als sicher ein, 42 Prozent sogar als sehr sicher. Lediglich 12 Prozent glauben, dass ihr Arbeitsplatz gefährdet ist.

Das sind Ergebnisse der «Jobstudie 2016» der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesell-schaft EY (Ernst & Young), für die im Februar mehr als 1'000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Schweiz befragt wurden.

«Die Beschäftigungslage und die Konjunktur in der Schweiz führen nicht zu einem Anstieg der Jobwechsel. Die Mitarbeiter setzen allerdings auf Sicherheit und meiden das Risiko eines Arbeitsplatzwechsels. Diese Haltung enthält offensichtlich auch ein Element des Abwartens», kommentiert Barbara Aeschlimann, Personalchefin bei EY Schweiz. Die hohe Verbundenheit der Mitarbeiter habe zwei Seiten: Für die Arbeitgeber sei sie sicherlich ein gutes Zeichen und ein hohes Gut. Wer sich mit seinem Unternehmen verbunden fühle, gehe motivierter zur Arbeit als jemand, der keinen Bezug zu seinem Arbeitgeber verspürt. Und die Unternehmen könnten verlässlich planen. «Allerdings könnte mehr Dynamik am Arbeitsmarkt auch zu neuen Chancen für den Standort Schweiz führen», sagt Aeschlimann. «Eine dynamische Wirtschaft benötigt einen mobilen Arbeitsmarkt und aufstiegsorientierte und veränderungswillige Mitarbeiter, aber auch Unternehmen, die den Mitarbeitern genügend Aufstiegsmöglichkeiten bieten. Dazu gehört auch, dass Karriere und Aufstieg und der damit verbundene <Konkurrenzkampf> gesamtgesellschaftlich höher bewertet und stärker akzeptiert sein sollten.»

Frauen und Männer in etwa gleich loyal
Frauen und Männer sind ihrem Unternehmen gegenüber im Durchschnitt in etwa gleich loyal: 27 Prozent der Frauen fühlen sich mit ihrem Arbeitgeber sehr eng verbunden – das Gleiche sagen 26 Prozent der Männer von sich. Entsprechend ähnlich gestalten sich die Zahlen derjenigen, die sich auf Jobsuche befinden: 19 Prozent der weiblichen Beschäftigten suchen einen neuen Arbeitgeber im Vergleich zu 18 Prozent der männlichen.

Männer wollen und können offenbar deutlich häufiger die Karriereleiter hinaufklettern. So sehen nicht nur deutlich mehr Männer als Frauen Aufstiegsmöglichkeiten für sich. Bei denjenigen, die für sich keine Aufstiegsmöglichkeiten im Unternehmen sehen, ist der Anteil derer, die sich welche wünschen, bei den Männern (43 Prozent) ebenfalls höher als bei den Frauen (38 Prozent).

«Obwohl viele Unternehmen intensiv daran arbeiten, mehr Frauen das Erklimmen der Karriereleiter zu ermöglichen, bleibt immer noch viel zu tun; denn nach wie vor bieten sich Frauen nicht die gleichen Karrierechancen wie Männern», stellt Aeschlimann fest. «Ziel bleibt es, weibliche Nachwuchskräfte nachhaltig zu fördern und ihnen die Möglichkeiten anschaulich zu vermitteln. Das schliesst vieles mit ein, zum Beispiel die Entwicklung einer offenen Unternehmenskultur, in der Vielfalt gelebt und Unterschiedlichkeit als Chance verstanden wird.»

Verbände mit besten Aufstiegsmöglichkeiten
Verbände bieten nach Auffassung der Befragten die besten Aufstiegsmöglichkeiten: Fast die Hälfte der dort Beschäftigten (49 Prozent) sieht für sich Möglichkeiten, aufzusteigen. In der Privatwirtschaft und im öffentlichen Sektor ist der Anteil geringer (je 46 Prozent). Dafür ist die Verbundenheit mit dem Arbeitgeber bei Verbänden (25 Prozent) geringer als in der Privatwirtschaft (30 Prozent), am niedrigsten ist sie im öffentlichen Sektor (22 Prozent). Zum Wechsel animiert das jedoch kaum jemanden. Sowohl im öffentlichen Dienst (20 Prozent) als auch in Verbänden (15 Prozent) und in der Privatwirtschaft (18 Prozent) suchen nur wenige nach einem neuen Arbeitgeber.

Hohe Verbundenheit in Telekommunikation und IT
Am grössten ist die Identifizierung mit dem Arbeitgeber in der Telekommunikations- und der IT-Industrie. Fast jeder zweite Beschäftigte (47 Prozent) fühlt sich sehr eng mit dem Arbeitgeber verbunden. Dahinter folgen die Beschäftigten aus der Bauwirtschaft (44 Prozent) und der Unternehmensdienstleister (41 Prozent). Ein Grund dafür könnte sein, dass die gefühlte Sicherheit in der Telekommunikationsbranche sehr hoch ist: 53 Prozent schätzen ihren Arbeitsplatz als sehr sicher ein, nur in «Pharma, Biotech und Life Sciences» ist das Sicherheitsgefühl höher (68 Prozent). Es suchen in der Telekommunikations- und der IT-Industrie folgerichtig auch nur 13 Prozent einen neuen Arbeitgeber.

In der Konsumgüterindustrie ist der Anteil derer, die sich mit ihrem Arbeitgeber «sehr eng verbunden» fühlen, dagegen am niedrigsten: Lediglich 12 Prozent antworteten dementsprechend. Die Versicherungsbranche hat den höchsten Anteil an Beschäftigten, die auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber sind: Fast jeder Dritte (32 Prozent) schaut sich auf dem Arbeitsmarkt um.
Die Konsumgüterindustrie schneidet auch bei der gefühlten Jobsicherheit sehr schlecht ab. Nur einer von vier Arbeitnehmern (24 Prozent) schätzt seinen Arbeitsplatz als sehr sicher ein. In der Immobilienbranche ist der Anteil mit 18 Prozent noch niedriger. Im Branchendurschnitt halten 42 Prozent den Arbeitsplatz für sehr sicher.

«Der hohe Wettbewerb und der hohe Preisdruck in der Schweizer Konsumgüterindustrie hinterlassen auch bei den Arbeitnehmern ihre Spuren. Die Unternehmen, die gute Mitarbeiter halten wollen, müssen vor diesem Hintergrund das Gespräch mit ihnen suchen und ihnen klare Perspektiven für die Zukunft aufzeigen», rät Aeschlimann.


 

Über die globale EY-Organisation
Die globale EY-Organisation ist eine Marktführerin in der Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Transaktionsberatung und Rechtsberatung sowie in den Advisory Services. Wir fördern mit unserer Erfahrung, unserem Wissen und unseren Dienstleistungen weltweit die Zuversicht und die Vertrauensbildung in die Finanzmärkte und die Volkswirtschaften. Für diese Herausforderung sind wir dank gut ausgebildeter Mitarbeitender, starker Teams sowie ausgezeichneter Dienstleistungen und Kundenbeziehungen bestens gerüstet. Building a better working world: Unser globales Versprechen ist es, gewinnbringend den Fortschritt voranzutreiben – für unsere Mitarbeitenden, unsere Kunden und die Gesellschaft.
 
Die globale EY-Organisation besteht aus den Mitgliedsunternehmen von Ernst & Young Global Limited (EYG). Jedes EYG-Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen. Ernst & Young Global Limited ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht und erbringt keine Leistungen für Kunden. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website: www.ey.com.

Die EY-Organisation ist in der Schweiz durch die Ernst & Young AG, Basel, an zehn Standorten sowie in Liechtenstein durch die Ernst & Young AG, Vaduz, vertreten. «EY» und «wir» beziehen sich in dieser Publikation auf die Ernst & Young AG, Basel, ein Mitgliedsunternehmen von Ernst & Young Global Limited.