Digitalisierung übt wachsenden Einfluss auf Schweizer Immobilienwirtschaft aus

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  • 75 Prozent der Befragten sehen starken Einfluss der Digitalisierung innerhalb von fünf Jahren
  • 40 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen Verantwortung für dieses Thema auf Geschäftsführungsebene
  • Datenstrukturierung ist der wichtigste Trend der Digitalisierung
  • Immobilienwertsteigerung durch Algorithmen wird Schweizer künftig mehr beschäftigen

ZÜRICH, 4. APRIL 2019 – Die Digitalisierung übt einen spürbaren Einfluss auf die Schweizer Immobilienwirtschaft aus. Ein Trend, der sich in den kommenden Jahren noch deutlich verstärken wird – das zeigen die Ergebnisse der Digitalisierungsstudie Immobilienbranche von EY Real Estate in der Schweiz 2019. Während 28 Prozent der Studienteilnehmer bereits gegenwärtig einen starken Einfluss der Digitalisierung sehen, so wächst dieser Anteil in einem Jahr auf 36 Prozent und in fünf Jahren auf beachtliche 75 Prozent an. «Frei nach Bill Gates wird Veränderung überschätzt, die in den nächsten zwei Jahren passiert, während die der kommenden zehn Jahre systematisch unterschätzt wird», sagt Claudio Rudolf, Partner und Autor der Studie. «Diese Form der Blauäugigkeit konnte unsere Branche mittlerweile ablegen. Die Digitalisierung wurde als wesentlicher und nachhaltiger Trend erkannt, der unsere Branche schon heute, aber umso stärker noch langfristig umkrempeln wird.»

40 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen die Thematik innerhalb des Unternehmens daher auch auf Geschäftsleitungsebene richtig aufgehoben. Lediglich sechs Prozent der Befragten hingegen unterstreichen die Notwendigkeit eines für die Digitalisierung zuständigen Ressorts im Management. «Die Etablierung eines CDO – Chief Digital Officer – stellt wohl den Königsweg der Organisationsrestrukturierung in Hinblick auf die Digitalisierung dar. So erhält die Thematik höchsten Stellenwert und den notwendigen Fokus. Die reine Verantwortungsdelegation an das IT-Ressort ist eher eine Verlegenheitslösung», so Rudolf. «Digitalisierung als Informationstechnologie zu begreifen ist zu kurz gedacht – sie betrifft als Querschnittsthema vielmehr alle Unternehmensfunktionen: vom Vertrieb über das Personal bis hin zum Marketing», ergänzt Casper Studer, Senior Manager und ebenfalls Autor der Studie. Knapp jeder fünfte Befragte gab an, dass die Verantwortlichkeit für Digitalisierung in seinem Unternehmen dem IT-Funktionsbereich unterstellt sei.

Datenverfügbarkeit wesentliche Voraussetzung für Digitalisierungsprozess
Ein Drittel der Befragten gab an, den wesentlichen Teil der Investitionsausgaben für die Weiterentwicklung der IT-Systeme und Infrastruktur aufzuwenden. Eine wichtigere Rolle schrieben die Umfrageteilnehmer hingegen der Verfügbarmachung relevanter Daten in digitaler Form zu. 45 Prozent stimmten zu, dass diese Voraussetzung bei ihnen schon heute gegeben sei. Immerhin 80 Prozent planen diesen Schritt innerhalb der nächsten fünf Jahre. «Das Vorhandensein aller für die Unternehmensprozesse relevanter Daten in strukturierter Form ist neben der notwendigen Infrastruktur die absolute Voraussetzung für die Digitalisierung», sagt Studer.

Steigerung der Immobilienperformance per Algorithmus
Folgerichtig waren sich fast alle Umfrageteilnehmer (92 Prozent) einig, dass die Datenstrukturierung aktuell der wichtigste Digitalisierungstrend ist. Über die mit der Datenverfügbarkeit und -strukturierung einhergehenden Effizienzgewinne hinaus ermöglichen «Data Analytics» vielfältigen Nutzen. «Durch den Einsatz geeigneter Datenmodelle und moderner Algorithmen können schon heute auf Basis von Vergangenheitswerten konkrete Handlungsfelder erarbeitet werden», erklärt Studer. «Auf diese Art und Weise lassen sich Massnahmen zur Instandhaltung, Einspruchsrisiken bei Nebenkostenabrechnungen, Dienstleisterkontrollen oder etwa das Kündigungsverhalten von Mietern vorausschauend und faktenbasiert optimieren. Das sind nur einige Beispiele, deren Umsetzung sich direkt oder indirekt auf den Immobilienwert niederschlagen», ergänzt Studer.

Als weitere relevante Trends identifizierten die Befragten den Einsatz mobiler Arbeitsgeräte (92 Prozent), Cloud-Technologie (83 Prozent), und BIM – Building Information Modeling (82 Prozent). Eine bislang noch geringere Relevanz schreiben die Umfrageteilnehmer hingegen dem 3D-Druck und der Robotertechnologie zu; hier liegen die Zustimmungswerte bei je knapp über 40 Prozent. Smart-Contracts – also die digitale Weiterentwicklung von Verträgen – waren gar bei zwölf Prozent der Befragten gänzlich unbekannt.

Digitalisierungsfolgen: Fluch oder Segen?
58 Prozent der Teilnehmer stimmen der Aussage zu, dass die Digitalisierung Effizienzsteigerungen ermöglicht. Ganze 83 Prozent sehen dieses Potential in fünf Jahren. 36 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben zudem an, dass mit digitalen Technologien schnellere, datengestützte Entscheidungen gefällt werden können. Immerhin 63 Prozent erwarten dies in fünf Jahren. Zudem werden Optimierungen im Personalbereich (28 Prozent zu 56 Prozent in fünf Jahren) sowie Neugeschäft (23 Prozent zu 42 Prozent in fünf Jahren) der Digitalisierung zugeschrieben. Gleichzeitig wächst aber auch die Sorge von Einbussen im eigenen Kerngeschäft der befragten Unternehmen. Während heute lediglich sieben Prozent einen schädlichen Einfluss der Digitalisierung erkennen, befürchten bereits 18 Prozent diesen in fünf Jahren. «Sicherlich bedeuten neue Technologien neben Nutzen auch immer mögliche Risiken. Das gilt auch für die Digitalisierung. Ich bin aber erleichtert, dass unsere Branche denkbar positiv auf die Entwicklung schaut und überwiegend die Potentiale sieht, dabei aber realistisch bleibt und nicht in blinde Euphorie verfällt», so Rudolf. «Es ist an uns allen den digitalen Transformationsprozess in der Immobilienbranche möglichst gewinnbringend für alle Beteiligten zu gestalten.»

Immobilienbewirtschaftung von morgen – Analyse statt Bauchgefühl
«Wir bemerken nunmehr einen verstärkten Bedarf an Datenerhebung, -strukturierung und -automatisierung mittels Algorithmen. Zudem beobachten wir bei unseren Kunden eine steigende Notwendigkeit an fundierten Analyseinstrumenten für die Immobilienbewirtschaftung und das Management ihres Immobilienportfolios – ein Trend der sich künftig noch weiter verstärken dürfte», so Karl Frank Meinzer, Leiter Real Transformation bei EY.

Die digitale Transformation macht es notwendig, dass Real Estate Manager sich mit neuen Geschäftsmodellen vertraut machen und proaktiv Chancen nutzen, um dies in das Immobilienmanagement einzubringen. «Viele unserer Kunden betrachten mittlerweile ihre Transformationsprozesse gesamthaft und versuchen die Themenbereiche IT, HR und RE zu verbinden», so Meinzer weiter.

Fehlende personelle Ressourcen stellen grösste Herausforderung dar
Lediglich sechs Prozent der Studienteilnehmer sehen in der Mitarbeiterakzeptanz eine Herausforderung für die Digitalisierung. «Die technische Infrastruktur ist nicht das Problem. Vielmehr sorgen sich die Befragten um Fachkräfte für die Digitalisierung», sagt Studer. Dementsprechend sehen die Umfrageteilnehmer fehlende personelle Ressourcen mit 28 Prozent und den Fachkräftemangel mit 26 Prozent als grösste Herausforderungen. «Es geht aber immer auch um die Befähigung der Mitarbeitenden und darum, dass diese ebenfalls Teil der digitalen Transformation sind», ergänzt Studer. So stimmten 56 Prozent der Befragen (eher) zu, dass eine Unkenntnis über die Einsatzmöglichkeiten digitaler Technologien im aktuellen Geschäftsmodell besteht.

Informationen zur Studie
Für die Digitalisierungsstudie Immobilienbranche Schweiz von EY wurden rund 160 am Schweizer Immobilienmarkt aktive Unternehmen befragt. Die Befragung fand im Herbst 2018 statt. Die Teilnehmer der Umfrage bilden einen repräsentativen Querschnitt des Schweizer Immobilienmarktes. Darunter sind etwa Banken, Versicherungen, Immobilienfonds- und AGs, Pensionskassen, Stiftungen, Prop-Tech-Unternehmen, Planer- und Architekturbüros, Immobilienberatungsunternehmen, Generalunternehmer sowie Organisationen der öffentlichen Hand.


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Über die globale EY-Organisation

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