Frauen stossen nur langsam in Führungsetagen vor – Erfolgreiche Unternehmen haben ausgewogeneres Geschlechterverhältnis

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  • Ein Fünftel der Führungsebenen von mittelständischen Unternehmen ist weiblich besetzt
  • Erfolgreiche Unternehmen betreiben deutlich mehr Frauenförderung
  • Kleine Unternehmen setzen stärker auf Frauen an der Spitze
  • Weit über die Hälfte sieht keinen Zusammenhang zwischen Geschlechterdiversität und wirtschaftlichem Erfolg
  • EY empfiehlt Fünf-Punkte-Programm für Schweizer Unternehmen

ZÜRICH, 7. MÄRZ 2017 ‒ Der Frauenanteil in den Führungsebenen mittelständischer Schweizer Unternehmen steigt langsam an. Durchschnittlich knapp ein Fünftel (19 Prozent) der Mitglieder von Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten ist inzwischen weiblich, wie eine aktuelle Umfrage des Beratungsunternehmens EY zeigt. Vor zwei Jahren waren es noch 17 Prozent. Rückläufig ist die Zahl rein männlicher Führungsebenen: Dieser Anteil ist von 41 Prozent vor zwei Jahren auf heute 35 Prozent gesunken.

In dieser Frage zeigen sich gewisse regionalen Unterschiede: Während in der Westschweiz nur knapp ein Viertel (27 Prozent) der Unternehmensleitungen rein männlich sind, sind es in der Deutschschweiz mit 38 Prozent noch viel mehr. Auch die Branchen unterscheiden sich klar: Bei den Dienstleistern sitzen schon 28 Prozent Frauen an der Spitze, im Mittelfeld liegen Handel (18 Prozent), Life Sciences (15 Prozent) und Industrie (15 Prozent). Am wenigsten Frauen in der obersten Führungsetage finden sich mit 13 Prozent in Bau und Energie.

Kleinere Firmen mit mehr Frauen
Beim Frauenanteil im Topmanagement sind kleinere Unternehmen weiter als grosse: In der Umsatzklasse bis 30 Millionen Franken beschäftigen die Unternehmen im Durchschnitt 21 Prozent Frauen in der Führungsebene, bei grossen Organisationen mit mehr als 100 Millionen Franken Umsatz ist der Anteil mit 13 Prozent deutlich geringer. «Die Führungsebenen der Schweizer Unternehmen sind nach wie vor weitgehend männlich besetzt», stellt Marcel Stalder, CEO EY Schweiz, fest. «Immerhin: Der Anteil der Frauen hat leicht zugenommen. Doch noch immer sind die Unternehmen weit von einer paritätisch besetzten Geschäftsführung entfernt. Für EY ist vor dem Internationalen Frauentag klar: Die Schweizer Wirtschaft muss sich der Herausforderung stellen und die Führung diversifizieren.»

Grossunternehmen mit noch tieferer Quote
Eine von EY unterstützte Studie zum letztjährigen Internationalen Frauentag bei 207 Schweizer Grossunternehmen zeigte noch tiefere Werte: Von den Verwaltungsratsmitgliedern waren gemäss der Studie neun Prozent weiblich, in den Geschäftsleitungen gar nur acht Prozent Frauen. «Mittelständische Unternehmen liegen bei der Frauenvertretung in Führungsgremien vorne», sagt Robin Errico, Partnerin bei EY Schweiz und zuständig für Diversität und Inklusion. «Sie dürfen sich damit aber nicht zufriedengeben. Dass nur knapp jedes fünfte Mitglied der Geschäftsführung eine Frau ist, wird der heutigen Arbeitswelt nicht gerecht. Ziel muss es sein, genauso viele Frauen wie Männer in die erste Reihe zu befördern. Unsere Erfahrungen in der Beratung zeigen, dass Unternehmen mit mehr Frauen in Führungspositionen Vorteile auf dem Markt haben. Ihre Mitarbeitenden sind engagierter, ihre Unternehmenskultur wird offener, und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit steigt.»

Erfolgreiche Unternehmen fördern mehr
Die Befragung zeigt, dass erfolgreiche Unternehmen einen höheren Frauenanteil in der Führung aufweisen: Unternehmen, die ihre Geschäftslage als «gut» bewerten und mit einer weiteren Verbesserung der eigenen Geschäftslage rechnen, beschäftigen 20 Prozent Frauen in der Führungsetage, während Unternehmen, die ihre Geschäftslage als «eher schlecht» oder «schlecht» bewerten und nicht mit einer Verbesserung rechnen, nur 16 Prozent Frauen aufweisen. Die erfolgreichen Unternehmen fördern Frauen auch häufiger; 30 Prozent von ihnen geben das an, bei den wenig erfolgreichen Unternehmen sind es nur 15 Prozent. Im Schnitt betreiben 21 Prozent aller befragten Unternehmen eine aktive Frauenförderung.

Was genau aktive Frauenförderung bedeutet, variiert je nach Betrieb. Neun Prozent der befragten Firmen bieten Modelle zur flexiblen Arbeitszeit an, sieben Prozent bieten Frauen gezielt Trainings zur Förderung ihrer Karriere an, und fünf Prozent schulen ihre Führungskräfte im Hinblick auf Gleichstellung.

42 Prozent glauben an positiven Einfluss von hohem Frauenanteil
Dass ein höherer Anteil von Frauen in Führungspositionen den Erfolg des Unternehmens positiv beeinflusst, davon gehen 42 Prozent der Unternehmen aus. Das sind deutlich mehr, als tatsächlich die Karriere von Frauen aktiv fördern. «Gemischte Teams funktionieren besser und lassen Unternehmen erfolgreicher sein. Diese Erkenntnis ist bereits in vielen Firmen vorhan¬den. Doch der Prozess, mehr Frauen an die Spitze zu bringen, gelingt nicht von heute auf morgen. Viele Firmen handeln nicht konsequent genug. Sie müssen an einer offenen Unter¬nehmenskultur arbeiten und weibliche Nachwuchskräfte nachhaltig fördern», sagt Robin Errico.

An geeigneten Frauen sollten die Bemühungen nicht scheitern: 65 Prozent der Unternehmen haben nach eigenen Angaben keine Schwierigkeiten, genügend qualifizierte Frauen zu finden. Je grösser das Unternehmen allerdings ist, desto schwieriger wird die Rekrutierung. In der Industrie scheint dies am anspruchsvollsten.

Firmen müssen in eigenem Interesse handeln
EY berät auch Unternehmen in Fragen von Diversität und Inklusion und hat fünf Aktionsfelder herausgearbeitet, in denen Unternehmen selbst etwas bewegen können.

  • Den Weg an die Spitze ausleuchten: Erfolgreiche Unternehmen helfen Frauen aktiv bei der Navigation auf ihrem Karriereweg nach oben: Frauen sollen einen Rahmen erhalten, um ihre eigenen Stärken und Leistungen in den Vordergrund zu rücken. Interne und externe Leadership-Programme und Netzwerke helfen Frauen beim Vorwärtskommen. Die Einführung messbarer und realistischer Ziele für einen Frauenanteil im Topmanagement ist ein weiterer bedeutender Motivator.
  • Möglichkeiten für flexibles Arbeiten verbessern: Frauen widmen sich immer noch mehr der Hausarbeit und Erziehung und sind daher auf Flexibilität angewiesen. Auch flexibel arbeitende Männer sind wichtig, ermöglichen sie doch ihren karriereorientierten Partnerinnen ein Vorwärtskommen. Weiter können Berufs- und Privatleben immer weniger getrennt werden: Es braucht vielmehr eine Integration beider Welten. Das bedingt einen bewussten Umgang mit dem eigenen Arbeitseinsatz, Vertrauen vonseiten des Unternehmens und die nötigen technischen Arbeitsinstrumente.
  • Eine unterstützende Umgebung schaffen: Die Rolle der Unternehmensleitung für einen Kulturwandel kann kaum überschätzt werden. Frauen fühlen sich motiviert, wenn sie sichtbare Unterstützung erhalten. Unternehmen sollen zudem das Topmanagement dazu verpflichten, sich als Mentoren zur Verfügung zu stellen.
  • Vorurteile bewusst machen: Viele Mitarbeitende sind sich nicht bewusst, dass sie andere Mitarbeitende unterschiedlich bewerten und behandeln. Vor allem Frauen leiden unter diesen oftmals unbewussten Vorurteilen und unreflektierten Handlungsmustern. Unternehmen können dies in der Weiterbildung des Managements thematisieren. Dieses muss sich Vorurteilen bewusst werden und sein Handeln anpassen.
  • Zielgerichtetes und sorgfältiges Recruitment: Falls der Kulturwandel zu langsam vorangeht, müssen Unternehmen Frauen für Spitzenpositionen extern rekrutieren. Da der Pool in der Schweiz begrenzt ist und fähige Frauen begehrt sind, muss am Arbeitgeberimage gearbeitet und die Zusammenarbeit mit Headhuntern gesucht werden.

EY hat sich klare Ziele gesetzt
Auch EY selbst arbeitet darin, die Führung diverser zu gestalten. «Wir haben uns zum Ziel gesetzt, den Anteil weiblicher Partner bis 2020 auf 25 Prozent zu erhöhen. Zudem wollen wir bei den über 300 Universitätsabgängern, die wir jährlich anstellen, ein möglichst ausgeglichenes Geschlechterverhältnis erzielen. Um unsere Ziele zu erreichen, berücksichtigen wir den Geschlechteraspekt bei allen Personalentscheidungen, von Anstellung und Beförderung über Zielsetzung bis zur Entlohnung», erklärt CEO Marcel Stalder.


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Über die globale EY-Organisation

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