Im Süden wittern Studierende die besten Berufschancen – Berlin wird immer beliebter

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  • 61 Prozent sehen in Bayern die besten Perspektiven, 48 Prozent in Baden-Württemberg
  • Von den ostdeutschen Flächenländern taucht keines unter den ersten acht auf
  • Sechs von zehn Studierenden in Bremen und im Saarland wollen in eine andere Region umziehen
  • Generell hohe Zuversicht – in Baden-Württemberg rechnet sogar so gut wie jeder Studierende damit, zügig eine adäquate Stelle zu bekommen

Stuttgart, 2. Januar 2017. Zum Berufseinstieg zieht es deutsche Studierende vor allem nach Bayern: 61 Prozent und damit etwa genauso viele wie bei der vorherigen Befragung im Jahr 2014 sehen im Freistaat die besten Perspektiven für ihren Berufseinstieg. Knapp die Hälfte (48 Prozent) wittert die besten Chancen in Baden-Württemberg, das entspricht einer leichten Steigerung um vier Prozentpunkte. Etwa ein Drittel erwartet wie schon 2014 einen guten Berufsstart in Nordrhein-Westfalen. Den größten Sprung nach vorn macht Berlin, wo nach 19 Prozent im Jahr 2014 inzwischen 29 Prozent aller Studierenden hervorragende Bedingungen für den Berufseinstieg sehen.

Berlin wird gerade bei angehenden Absolventen im Westen Deutschlands immer beliebter. Während 2014 nur 15 Prozent der Studierenden in den westdeutschen Bundesländern hervorragende Perspektiven in der Hauptstadt sahen, glauben jetzt 27 Prozent an einen guten Berufsstart in Berlin. Auch bei Studierenden im Osten steigt die ohnehin schon hohe Beliebtheit noch leicht von 30 auf 34 Prozent an. Bayern und Baden-Württemberg stehen in der Gunst sowohl von westdeutschen als auch von ostdeutschen Studierenden auf den Plätzen eins und zwei.

Die ersten acht Plätze in der Gunst aller Studierenden werden – mit Ausnahme von Berlin – von westdeutschen Bundesländern belegt. Am schlechtesten schneidet mit einem Prozent der Stimmen Sachsen-Anhalt ab. Das bestplatzierte ostdeutsche Flächenland ist Sachsen mit vier Prozent der Nennungen.

Angesichts der guten Perspektiven in Baden-Württemberg wollen vor allem die dortigen Studierenden das Bundesland nicht verlassen. Nur zwei Prozent derjenigen, die dort studieren, halten es für sehr wahrscheinlich, dass sie innerhalb Deutschlands in eine andere Region ziehen, und nur ein Prozent geht fest von einem Umzug ins Ausland aus. Ganz anders ist die Situation in Bremen und im Saarland, wo jeweils etwa sechs von zehn Studierenden für ihren Berufseinstieg eine andere Region in Deutschland vorziehen. Ins Ausland zieht es vor allem Studierende in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern – hier hat jeweils ein Viertel einen Umzug ins Ausland für den ersten Job fest ins Auge gefasst.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Für die Studie wurden rund 3.500 Studierende in 27 deutschen Universitätsstädten befragt.

„Die südlichen Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg stehen in der Gunst der Studierenden eindeutig an erster Stelle“, kommentiert Ana-Cristina Grohnert, Managing Partner bei EY, die Ergebnisse. „Sie profitieren von der starken Entwicklung ihrer Industrie in den vergangenen Jahren, die in einigen Regionen zu einer faktischen Vollbeschäftigung geführt hat. Die Betriebe suchen händeringend nach Fachkräften und Berufseinsteiger rechnen sich entsprechend hervorragende Chancen aus.“

Bayern für Natur- und Wirtschaftswissenschaftler sowie für Ingenieure besonders attraktiv, NRW für Geisteswissenschaftler

72 Prozent der Naturwissenschaftler, 67 Prozent der Ingenieurwissenschaftler und 65 Prozent der Wirtschaftswissenschaftler sehen für sich in Bayern die besten Perspektiven für den Berufseinstieg, jeweils gefolgt von Baden-Württemberg. Lediglich unter den Geisteswissenschaftlern landet Bayern mit 41 Prozent auf dem zweiten Platz, hinter Nordrhein-Westfalen (45 Prozent) und vor Berlin (35 Prozent).

Die guten Perspektiven in Bayern und Baden-Württemberg drücken sich auch in der Zuversicht der Studierenden aus: Nahezu jeder Studierende in Baden-Württemberg erwartet, im Anschluss an das Studium zügig einen passenden Job zu finden. Auch in Rheinland-Pfalz (97 Prozent) und in Bayern (96 Prozent) ist die Zuversicht überdurchschnittlich groß. Dies sind auch die Länder, in denen die wenigsten Studierenden in eine andere Region Deutschlands umziehen wollen. „Offenbar finden sie passende Jobs in der nahen Umgebung und sind mit der Lebensqualität vor Ort sehr zufrieden“, beobachtet Grohnert.

Deutschlandweit rechnen 84 Prozent damit, nach dem Studium schnell eine adäquate Stelle zu erhalten. Die geringste Zuversicht besteht in Berlin, wo nur 70 Prozent nach dem Studium sofort einen passenden Job erwarten.

Umso erstaunlicher sei, dass die Perspektiven in Berlin in diesem Jahr von der Gesamtheit der Studierenden deutlich besser bewertet werden. „Außerhalb Berlins wird die Hauptstadt vor allem als Ort der Chancen wahrgenommen. Dort hat sich eine dynamische Gründerszene etabliert, die deutschland- und europaweit an der Spitze steht“, sagt Grohnert. Hinzu komme, dass junge Berufseinsteiger offenbar nicht mehr unbedingt die schnelle Karriere erwarten. „In Berlin finden sie andere Standortfaktoren, die ihnen eine gute Lebensqualität und langfristige Chancen bieten: internationale wie nationale Netzwerke, eine digitale Boheme, attraktive Freizeitangebot oder starke Cluster etwa im Bereich der Technologie- und Biotechnologieunternehmen zählen dazu.“

Studenten aus dem Osten halten Umzug für wahrscheinlicher

Die Entwicklung der ehemaligen ostdeutschen Bundesländer beobachtet Grohnert dagegen mit Sorge. So ist die Attraktivität des Ostens nicht nur für Studierende aus anderen Bundesländern sehr gering; auch angehende Absolventen, die derzeit im Osten studieren, halten einen Umzug für wahrscheinlicher als Studierende im Westen. 36 Prozent der ostdeutschen Studierenden geben an, „sehr wahrscheinlich“ nach dem Studium innerhalb Deutschlands umzuziehen, während dies nur 30 Prozent der westdeutschen Studierenden von sich sagen. 19 Prozent der Studierenden aus dem Osten wollen sogar „sehr wahrscheinlich“ ins Ausland. Im Westen rechnen nur neun Prozent fest mit einem solchen Schritt.

„Vor allem westdeutsche Studierende sehen keine Perspektiven für sich im Osten. Aber auch Studierende aus dem Osten zieht es verstärkt in andere Regionen oder gar ins Ausland“, sagt Grohnert. „Während die ökonomisch erfolgreichen Bundesländer mit ihren beliebten Metropolen weiter junge Menschen anziehen, drohen einige Regionen Deutschlands den Anschluss zu verlieren. Für sie wird es immer schwerer, für junge Arbeitskräfte attraktiv zu sein.“