Zahl der Chefinnen im Mittelstand steigt nur langsam – Anteil ist aber höher als bei börsennotierten Konzernen

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  • 16,3 Prozent der Geschäftsführer im deutschen Mittelstand sind weiblich
  • Bei mehr als jedem dritten Mittelständler besteht die Führungsebene nur aus Männern
  • 35 Prozent der Unternehmen fällt die Suche nach geeigneten Frauen schwer
  • Kleinere Mittelständler mit größerem Frauenanteil

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Frauen im Top-Management im deutschen Mittelstand

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Stuttgart, 7. März 2018. Der Mittelstand baut den Frauenanteil in den Geschäftsführungen aus und geht damit innerhalb der deutschen Wirtschaft voran: 16,3 Prozent der Mitglieder in den Führungsebenen des deutschen Mittelstandes sind Frauen. Damit haben zwar immer noch mehrheitlich Männer das Sagen. Allerdings steigt der Frauenanteil langsam: 2016 betrug er noch 15 Prozent.

Und im Vergleich zu börsennotierten Unternehmen setzt der Mittelstand deutlich stärker auf weibliche Führungskräfte: In den 160 DAX-, MDAX-, SDAX-, und TecDAX-Unternehmen sind gerade einmal 7,3 Prozent der Vorstandsmitglieder weiblich. Nur die DAX-Unternehmen können einen annähernd vergleichbaren Frauenanteil vorweisen: 13 Prozent der Vorstände dort sind weiblich.

Allerdings besteht immer noch bei mehr als jedem dritten Mittelständler (36 Prozent) die Geschäftsführungsebene nur aus Männern. Und hat es eine Frau bis in die Führungsetage geschafft, ist sie meist allein auf weiter Flur: Gerade einmal bei 13 Prozent der Mittelständler ist die Geschäftsführung zu mehr als 40 Prozent von Frauen besetzt.

Dabei erwarten sich zahlreiche Mittelständler einen wirtschaftlichen Vorteil von mehr Frauen in Führungspositionen: 45 Prozent gehen davon aus, dass mehr Frauen in Verantwortung auch den Erfolg ihres Unternehmens positiv beeinflussen.

Das sind Ergebnisse des Mittelstandsbarometers der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Für die Studie wurden deutschlandweit 2.000 mittelständische Unternehmen mit mindestens 20 Millionen Euro und höchstens 1 Milliarde Euro Umsatz befragt.

„Im deutschen Mittelstand haben nach wie vor mehrheitlich Männer das Sagen. Frauen schaffen es nur mühsam in die Entscheidungsgremien“, kommentiert EY-Partnerin Elfriede Eckl. „Immerhin hat sich der Anteil der Frauen in Vorständen und Geschäftsführungen leicht erhöht. Und die Mittelständler setzen stärker auf weibliche Führungskräfte als die an der Börse gelistete Konkurrenz.“

35 Prozent haben Schwierigkeiten bei Suche nach geeigneten Frauen
Der Anteil weiblicher Führungskräfte im Mittelstand dürfte jedoch eher langsam steigen. Denn immer mehr Mittelständler sagen, ihnen falle die Suche nach geeigneten Frauen schwer: 35 Prozent geben an, dass sie Schwierigkeiten haben, Frauen für ihr Unternehmen zu gewinnen – vor einem Jahr sagten das nur 28 Prozent der Mittelständler.

Eckl sieht dafür verschiedene Ursachen. „Zum einen haben viele Unternehmen die Förderung von Frauen lange Zeit nicht ernst genug genommen und gar nicht oder erst spät damit angefangen. Zum anderen ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oft nach wie vor schwierig – wovon häufig insbesondere Frauen betroffen sind. Denn vor allem bei kleineren Kindern, die noch nicht zur Schule gehen, ist das Betreuungsangebot deutlich eingeschränkt. Viele Firmen ermöglichen ihren Mitarbeitern zudem nach wie vor keine flexiblen Arbeitszeiten – was dazu führt, dass ein Elternteil die Kinderbetreuung übernehmen muss, statt Vollzeit arbeiten zu können. Meistens fällt diese Rolle dann der Frau zu – denn tradierte Rollenbilder sind in der Gesellschaft nach wie vor nicht überwunden: Immer noch kümmern sich häufiger die Frauen um die Familie, während die Männer die Hauptverdiener sind. Genau diese Rollenbilder ersticken Frauenkarrieren schon früh im Keim.“

Trotz der Schwierigkeiten bei der Suche und der Einsicht, dass Frauen in Führungspositionen den Unternehmenserfolg positiv beeinflussen, betreibt nur eine Minderheit von 20 Prozent der Mittelständler aktive Frauenförderung – wobei das Verständnis davon, was das genau ist, stark variiert. Zehn Prozent bieten Modelle zur flexiblen Arbeitszeit an, neun Prozent fördern über Trainings gezielt die Karriere von Frauen und sechs Prozent sensibilisieren ihre Führungskräfte zum Thema Gleichstellung.

Kleinere Mittelständler mit höherem Frauenanteil
Am höchsten ist der Frauenanteil bei den kleineren Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 30 Millionen Euro. Dort sitzen durchschnittlich 18 Prozent Frauen in der Geschäftsführung, bei den großen Mittelständlern mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz liegt der Anteil mit 15 Prozent dagegen unter dem Durchschnitt. „Das könnte daran liegen, dass die kleineren im Werben um Fachkräfte kreativer und flexibler sein müssen als die meist bekannteren, großen Unternehmen. In dieser Größenordnung werden viele Unternehmen außerdem von Familien geführt – Frauen, Töchter und Enkelinnen werden hier schon von Hause aus an die Verantwortung herangeführt und übernehmen schnell wichtige Rollen im Betrieb“, so Eckl.

Dabei sind es gerade die großen Mittelständler, die von sich behaupten, aktiv Frauenförderung zu betreiben: 28 Prozent fördern nach eigenen Angaben die Karriere von Frauen, das sind doppelt so viele wie bei den kleineren.

Gerade in den klassischen Industriebranchen sind Frauen seltener in den Führungsetagen anzutreffen. Im Maschinenbau beträgt der Frauenanteil in der obersten Führungsebene gerade einmal 12 Prozent, in der Metallerzeugung und -bearbeitung 13 Prozent und im Bausektor 14 Prozent. Handels- und Logistikunternehmen erreichen dagegen einen Anteil von immerhin 20 Prozent. „Frauen studieren nach wie vor deutlich seltener Fächer wie Ingenieurwissenschaften oder Maschinenbau und sind im naturwissenschaftlichen Bereich häufig unterrepräsentiert. Hier könnten und sollten die Schulen mit einer frühzeitigen und gezielten Förderung von Schülerinnen ansetzen“, fordert Eckl.