Gehaltsrückgang für deutsche CEOs: Vorstandsvorsitzende verdienten 2017 zwei Prozent weniger

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  • Trotz guter Konjunktur: Vorstandschefs deutscher börsennotierter Unternehmen verdienten 2017 weniger als 2016
  • DAX-30-CEOs gegen den Trend mit fünf Prozent mehr Gehalt als im Vorjahr
  • Vorstände im SDAX verdienen am wenigsten
  • Transparenz der Vergütungsberichte nimmt zu

Frankfurt am Main, 08. Juli 2018. Die Vorstandsvorsitzenden deutscher börsennotierter Unternehmen mussten im Jahr 2017 Gehaltseinbußen hinnehmen. Im Durchschnitt haben sie zwei Prozent weniger verdient als im Vorjahr. Lediglich im DAX-30 sind die Gehälter der obersten Unternehmenslenker gegen den Trend gestiegen: um fünf Prozent. Im MDAX sind sie nahezu gleich geblieben, im SDAX um 13 Prozent gesunken. TecDAX-Vorstandsvorsitzende mussten sich sogar mit 20 Prozent weniger zufrieden geben als im Vorjahr.

Was den Gesamtvorstand betrifft, stieg die Vergütung in den DAX-30-Unternehmen um fünf Prozent. Im MDAX ging sie um drei Prozent zurück, im SDAX um sieben Prozent. TecDAX-Vorstände bekamen sogar 13 Prozent weniger Gehalt. Ihre Durchschnittsvergütung sank damit auf ein Fünfjahrestief. Das sind Ergebnisse einer EY-Analyse der Gesamtdirektvergütungen der Vorstandsmitglieder der im DAX, MDAX, SDAX und TecDAX gelisteten Unternehmen.

Die Zahlen zeigen: Der in der Mehrzahl der deutschen Unternehmen positive Geschäftsverlauf in den vergangenen Jahren hat nicht automatisch zu kräftigen Gehaltssteigerungen bei den Top-Managern geführt. Offenbar hatten sich die Unternehmen ambitionierte Ziele gesetzt, die von der Firmenspitze nicht immer erreicht werden konnten. „Diese Entwicklung spricht für die Qualität der Vergütungs- und Anreizsysteme in den Unternehmen“, erklärt Dr. Jens Massmann, Partner und Experte für Vorstandsvergütung bei der Unternehmensberatung EY.

DAX Gehälter auf Rekordniveau – Unternehmen stehen im Wettbewerb um Top Manager
Während die Gesamtvergütung der Vorstände im MDAX, SDAX und TecDAX zuletzt rückläufig war, erreichten die Durchschnittsgehälter der DAX 30 Vorstände im Jahr 2017 neue Rekordwerte. Das unterstreicht die besondere Stellung dieser Unternehmen, die deutlich stärker im internationalen Wettbewerb stehen als die Firmen, die im MDAX-, SDAX- oder TecDAX notiert sind. Massmann: „Aufgrund des globalen Wettbewerbs müssen sich DAX-Firmen bei den Gehältern stärker an internationalen Standards orientieren.“ Insbesondere im Vergleich mit Unternehmen aus den USA und Großbritannien oder der Schweiz falle die Vorstandsvergütung in Deutschland niedriger aus. Eine weitere Begründung für das starke Plus für DAX-Vorstände: Für die DAX-Konzerne war 2017 insgesamt ein sehr erfolgreiches Jahr, sie konnten ihren Gesamtumsatz um fünf Prozent und den Gewinn sogar um 17 Prozent steigern.

Auch was die absolute Höhe des Gehalts angeht, verdienen DAX-Vorstände mit Abstand am meisten: Im Durchschnitt liegt ihre Gesamtdirektvergütung bei 3,4 Millionen Euro – das ist mehr als dreimal so viel wie ein SDAX-Vorstand im Durchschnitt verdient (knapp eine Millionen Euro). MDAX- und TecDAX-Vorstände liegen mit ihren Durchschnittsgehältern (1,8 Millionen Euro bzw. 1,3 Millionen Euro) dazwischen. Der Verdienstunterschied zwischen CEOs und einfachen Vorständen ist im SDAX am geringsten und im MDAX am höchsten. In DAX-Unternehmen verdient der CEO fast 90 Prozent mehr als ein einfaches Vorstandsmitglied.

Angleichung der Gehälter im DAX
Das Maximum der DAX-30-Vorstandschefgehälter hat sich im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr jedoch nicht erhöht, sondern ist im Gegenteil um 1,2 Millionen Euro auf elf Millionen Euro gesunken. Gleichzeitig sind das Minimum (2,3 Millionen Euro) und der Durchschnittswert (5,6 Millionen Euro) gestiegen. Das zeigt: Die Gehälter haben sich – auch über die verschiedenen Branchen hinweg – stark angeglichen. Massmann: „Die Vergütung von DAX-Vorständen orientiert sich zunehmend an der Vergütung anderer DAX-Vorstände – es wird inzwischen sehr genau hingeschaut und verglichen.“

Einen wichtigen Grund für die Gehaltsanpassungen unter den CEOs sieht Massmann in der gestiegenen Transparenz der Vergütungsberichte und der damit erhöhten Vergleichbarkeit der Gehälter. „Kein Unternehmen möchte den schlechtestbezahlten Vorstandsvorsitzenden haben“, so Massmann. Ein Großteil der Unternehmen veröffentlicht Kennzahlen, die über die gesetzlichen Vorschriften ebenso wie den Deutschen Corporate Governance Index hinausgehen. Auch die bisher vergleichsweise große Lücke bei der Transparenz der Vergütungsberichte zwischen DAX und MDAX wird mehr und mehr geschlossen. Beispielsweise veröffentlichen mittlerweile sehr viele MDAX-Unternehmen die im DAX bereits seit Jahren marktüblichen DCGK-Mustertabellen für die Vorstandsvergütung.

Eine Ursache für die erhöhte Transparenz: Investoren und Stimmrechtsberater legen ihren Fokus auf die stärkere Offenlegung, um die Vergütungssysteme und -höhen analysieren und beurteilen zu können. Ihren Anforderungen wurde von Seiten der Unternehmen entsprochen. Zu erwarten ist, dass die Vorstandsvergütung der DAX-30-Unternehmen im Zuge der EU-Aktionärsrechterichtlinie, die im Jahr 2019 EU-weit eingeführt wird, sich stärker an der internationalen Marktpraxis der jeweiligen Branche als am DAX30-Konsens orientiert.