Das deutsche Beschäftigungswunder geht auch 2019 weiter – aber der Aufwärtstrend verlangsamt sich

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  • Seit 2007 wurden 4,5 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen, allein 2018 entstanden fast 580.000 neue Stellen
  • Prognose für 2019: 440.000 zusätzliche Arbeitsplätze in Deutschland
  • Eurozone: Beschäftigung steigt 2019 zwar auf Rekordniveau, Arbeitslosigkeit bleibt aber hoch

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Beschäftigungsentwicklung in Deutschland und der Eurozone

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Berlin, 24. Dezember 2018. Trotz der wirtschaftlichen Abkühlung zum Jahresende und eingetrübter Konjunkturaussichten für das Jahr 2019: Der Beschäftigungsaufbau in Deutschland wird auch 2019 weitergehen, die Arbeitslosigkeit wird weiter sinken. Nachdem seit 2007 in Deutschland insgesamt 4,5 Millionen zusätzliche Stellen geschaffen wurden und allein 2018 fast 580.000 Arbeitsplätze dazukamen, dürften nach einer Prognose von EY im kommenden Jahr weitere 440.000 neue Stellen in Deutschland entstehen.

Auch in der Eurozone geht es 2019 weiter aufwärts, wenngleich auch hier der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt etwas an Schwung verliert: Nachdem die Beschäftigung 2018 um fast 2,2 Millionen stieg, soll die Zahl der Beschäftigten 2019 um 1,5 Millionen steigen und eurozonenweit – wie auch in Deutschland – einen neuen Rekordwert erreichen.

Trotz der zuletzt fast flächendeckend positiven Entwicklung auf den regionalen Arbeitsmärkten ist die Arbeitslosigkeit in den meisten Eurozonenländern nach wie vor größer als vor Ausbruch der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Nur sechs Eurozonen-Länder – darunter vor allem Deutschland, die Slowakei, Portugal und Belgien – weisen heute eine niedrigere Erwerbslosenquote auf als im Vorkrisenjahr 2007. In zwölf Ländern liegt die Quote zum Teil erheblich über dem Niveau von 2007 – vor allem in Griechenland, Spanien, Zypern und Italien.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die auf offiziellen Zahlen zur Beschäftigungsentwicklung und EY-Prognosen beruht.

„Die gute Wirtschaftsentwicklung der vergangenen Jahre hat zwar europaweit Millionen Menschen in Lohn und Brot gebracht – allerdings fiel der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt regional sehr unterschiedlich aus“, beobachtet Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY Deutschland. „Während der deutsche Arbeitsmarkt einen beispiellosen Boom erlebt und Spanien große Erfolge beim Abbau der – allerdings nach wie vor hohen – Arbeitslosigkeit vorweisen kann, geht es in Italien und Frankreich nur in kleinen Schritten voran. Heute sind die Unterschiede zwischen den Eurozonenländern deutlich größer als vor der weltweiten Finanzkrise und der anschließenden europäischen Schuldenkrise, was erheblichen sozialen und politischen Sprengstoff birgt.“

Noch im Jahr 2007 lag die Erwerbslosenquote in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien zwischen 6,1 und 8,5 Prozent und damit relativ nah beieinander, wobei Italien mit 6,1 Prozent die niedrigste Quote der vier Länder aufwies. Im Jahresdurchschnitt 2018 reichte die Spanne hingegen von 3,4 Prozent in Deutschland bis 15,3 Prozent in Spanien. „Die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen dem prosperierenden Norden und den südeuropäischen Ländern mit einer immer noch teils sehr hohen Arbeitslosigkeit ist enorm. Soziale Spannungen wie zuletzt in Frankreich, der Aufstieg populistischer und europafeindlicher Parteien in vielen Ländern und auch politische Auseinandersetzungen zwischen nationalen Regierungen sind Folgen dieser sehr unterschiedlichen Entwicklung“, warnt Bernhard Lorentz, Leiter des Bereichs Government & Public Sector für Deutschland, die Schweiz und Österreich.

Fachkräftemangel in Deutschland wird sich weiter verschärfen
Deutschland konnte dank seiner im internationalen Vergleich sehr wettbewerbsfähigen Industrie ein starkes Wachstum vorlegen, das auch auf andere Länder ausstrahlte. Im Jahr 2019 wird die Beschäftigung in Deutschland nach EY Prognose um 1 Prozent auf 45,3 Millionen steigen. „Der nun fast ein Jahrzehnt anhaltende Aufschwung geht also weiter“, stellt Lorentz fest. „Zwar lahmt die Konjunktur nicht zuletzt wegen der weltweiten handelspolitischen Spannungen derzeit etwas. Aber grundsätzlich stehen die Zeichen weiter auf Wachstum“.

„Viele Unternehmen investieren derzeit massiv in die Digitalisierung ihrer Produktion, ihrer Prozesse und ihrer Geschäftsmodelle“, beobachtet Lorentz. „Gleichzeitig arbeiten sie aber zumeist noch auf traditionelle Art und Weise“. Entsprechend hoch sei derzeit der Bedarf an Mitarbeitern. Allerdings wird der deutsche Beschäftigungsboom nach Lorentz‘ Einschätzung nicht dauerhaft anhalten: „Die echten Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt werden erst im Lauf des kommenden Jahrzehnts sichtbar werden. Ein Teil der Aufgaben, die heute von Menschen erledigt werden, übernehmen neue Technologien und Prozesse. Gleichzeitig wird die Zahl der hochqualifizierten Stellen steigen; dies erfordert neue Ausbildungswege und erhebliche Investitionen in eine bessere Bildung.“

Zudem werde auch der demografische Wandel erhebliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben, auf die die Gesellschaft sich vorbereiten müsse, so Lorentz. „Derzeit sind wir in Deutschland in der komfortablen Lage, dank sprudelnder Steuereinnahmen über die finanziellen Spielräume zu verfügen, wichtige Zukunftsaufgaben anzugehen – etwa im Bereich Bildung und Infrastruktur. Diese Spielräume sollten wir allerdings auch nutzen, und zwar so, dass sowohl unsere Wettbewerbsfähigkeit als auch der soziale Zusammenhalt gestärkt werden.“

Lage außerhalb Deutschlands bleibt angespannt
Während der deutsche Arbeitsmarkt eine positive 10-Jahres-Bilanz vorweisen kann, hat sich die Situation außerhalb Deutschlands deutlich weniger positiv entwickelt: In dem Zeitraum, in dem die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland um gut 2 Millionen gesunken ist, ist sie in den übrigen Eurozonen-Ländern um 3,7 Millionen gestiegen. „Von einer Entwicklung wie auf dem deutschen Arbeitsmarkt können die Menschen in vielen südeuropäischen Ländern nur träumen – das erklärt auch die Verbitterung, die in einigen Ländern heute in Teilen der Bevölkerung herrscht: Der wirtschaftliche Aufschwung kommt nur langsam bei den Menschen an, viele haben das Gefühl, sich immer weniger leisten zu können und kaum berufliche Perspektiven zu haben.“

Immerhin: Die Erwerbslosenquote in der Eurozone sank 2018 kräftig von 9,1 auf 8,2 Prozent – und für das kommende Jahr geht die EY-Prognose von einem Rückgang auf 7,8 Prozent aus. Lorentz betont: „Der Trend bleibt positiv: Die Beschäftigung steigt auch in den ehemaligen Krisenländern, und die Arbeitslosigkeit sinkt fast flächendeckend.“