Rekordumsätze verschaffen dem Maschinenbau Spielraum für Investitionen in die Digitalisierung

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  • Deutsche Maschinenbauer steigerten 2018 Umsätze um vier Prozent auf über 249 Milliarden Euro
  • Exporte in die Eurozone wachsen überdurchschnittlich
  • Branche investiert 4,4 Prozent des Gesamtumsatzes in Digitalisierung – nur in der Elektrotechnik und im Kraftfahrzeugbau ist Anteil höher
  • Fachkräftemangel und IT-Sicherheit sind die größten Risiken für die Geschäftsentwicklung

Stuttgart, 1. April 2019. Im vergangenen Jahr verzeichnete der deutsche Maschinenbau erneut Rekordumsätze und Rekordexporte – und nach Erwartung der meisten Maschinenbauer zeigt der Trend weiter nach oben: 60 Prozent gehen davon aus, dass sich ihre Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten weiter verbessern wird.

2018 steigerten die deutschen Maschinenbauer ihre Umsätze um vier Prozent auf mehr als 249 Milliarden Euro. Parallel dazu stieg auch die Beschäftigung um vier Prozent an – auf 989.000 Beschäftigte. An dem Umsatzzuwachs hatten sowohl die inländische Nachfrage mit einem Plus von 4,4 Prozent auf 92,7 Milliarden Euro als auch der Export mit einem Plus von 3,5 Prozent auf 156,3 Milliarden Euro ihren Anteil.

Vor allem die Ausfuhren in die Eurozone legten zu – die Exporte in Eurozonenländer stiegen um sechs Prozent, während die Ausfuhren ins übrige Ausland nur um zwei Prozent zulegten. Daneben konnten sich die deutschen Maschinenbauer auch auf ihre beiden mit Abstand wichtigsten Exportmärkte – die USA und China – verlassen. Die Ausfuhren in die USA stiegen um sieben Prozent, die nach China um zehn Prozent.

Die guten Geschäfte kommen dem Maschinenbau gerade recht, denn digitale Technologien werden für das Geschäftsmodell der Unternehmen immer wichtiger – und dafür müssen sie investieren. So spielen digitale Technologien mittlerweile für 39 Prozent der Maschinenbauer eine sehr große Rolle. Vor einem Jahr war der Anteil noch deutlich geringer: Nur 22 Prozent sprachen der Digitalisierung eine sehr große Rolle zu.

Damit setzt der Maschinenbau auch stärker auf die Digitalisierung als der restliche Mittelstand: Im Durchschnitt spielen digitale Technologien nur für 28 Prozent der deutschen Mittelständler eine große Rolle.

Die Umstellung auf digitale Technologien lässt sich der Maschinenbau im Durchschnitt 4,4 Prozent des Gesamtumsatzes kosten – das entspricht einem Anteil von 15 Prozent an den Gesamtinvestitionen. Kaum eine Branche investiert so konsequent in neue Technologien – lediglich in der Elektrotechnik und im Kraftfahrzeugbau ist der Anteil der Investitionen in digitale Technologien höher.

Das sind Ergebnisse des Maschinenbaubarometers der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), für das 205 mittelständische Maschinenbauunternehmen befragt wurden.

EY-Partner Stefan Bley sieht den Maschinenbau auf dem richtigen Weg: „Die Branche ist in den vergangenen Jahren von Rekord zu Rekord geeilt. Da die Vorlaufzeiten im Maschinenbau sehr lang sind, werden sich Ereignisse wie der Brexit oder neue Handelsbarrieren erst mit Verzögerung auf die Zahlen auswirken. Die deutschen Maschinenbauer warten aber nicht ab und ruhen sich auf den Erfolgen der Vergangenheit aus – sie schauen nach vorne und investieren kräftig. Insbesondere die Digitalisierung begreifen sie als Chance und integrieren neue Technologien in ihre Anlagen und Maschinen. Maschinen aus Deutschland waren weltweit schon immer wegen ihrer Qualität gefragt. Kunden wünschen inzwischen aber immer mehr digitale Lösungen. Die deutschen Hersteller haben das verstanden und entwickeln entsprechende Angebote.“

Fast neun von zehn Maschinenbauern sehen Digitalisierung als Chance
So bezeichnen inzwischen 88 Prozent der Maschinenbauer die Digitalisierung als Chance. Im gesamten deutschen Mittelstand liegt der Anteil mit 74 Prozent deutlich niedriger. Die Branche setzt digitale Technologien vor allem dazu ein, die Produktion stärker zu automatisieren – Stichwort Industrie 4.0. Drei von vier Maschinenbauern rüsten ihre Fabriken entsprechend um. 62 Prozent nutzen die Digitalisierung bei der Kundenbeziehung und 54 Prozent stimmen mit Hilfe digitaler Technologien ihre Lieferketten besser ab.

„Die moderne Fabrik steuert sich in großen Teilen selbst“, so Bley. „Die Maschinen bestellen eigenständig fehlende Teile nach, sie können aus der Ferne gewartet werden und viel einfacher auf Auftragsspitzen reagieren. Das macht die Produktion flexibler und kostengünstiger. Und die die Maschinenbauer können das sowohl für ihre eigene Produktion einsetzen, als auch in die Maschinen integrieren, die sie auf dem Weltmarkt anbieten.“

Größte Gefahren: Fachkräftemangel und Hackerangriffe
Die konsequente Ausrichtung auf die Digitalisierung bringt für den Maschinenbau aber auch Probleme mit sich: So bezeichnen mittlerweile 66 Prozent der Unternehmen den Fachkräftemangel als größte Gefahr für die weitere geschäftliche Entwicklung und 47 Prozent Attacken auf die IT wie Hackerangriffe.

„Durch die digitalen Technologien werden in den Unternehmen neue Fähigkeiten gefragt“, beobachtet Bley. „Plötzlich konkurrieren die Maschinenbauer mit IT-Unternehmen und anderen Branchen um Talente. Gut ausgebildete Fachkräfte sind heiß begehrt und auf dem Arbeitsmarkt kaum noch vorhanden. Gerade beim Schutz vor Hackerangriffen ist viel Know-how gefragt. Je vernetzter die Maschinen werden, desto anfälliger werden sie auch für Attacken. Wirksame Abwehrmechanismen sind deshalb inzwischen existenziell wichtig für die Branche geworden.“