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US-Präsident Donald Trump scheint die Wirtschaftsordnung auf den Kopf stellen zu wollen. Doch was bedeuten seine Pläne für den Mittelstand? ARD-Korrespondentin Sabrina Fritz über Steuersenkungen, hohe Importzölle und das große Stück Trump, das in jedem Amerikaner steckt.


Seit Trumps Amtsantritt gilt die Parole „America first“. Was bedeutet das für den deutschen Mittelstand?

Sabrina Fritz: Zuallererst eine große Verunsicherung. Donald Trumps neue Wirtschaftspolitik will alles oder zumindest vieles auf den Kopf stellen, was bislang als ausgemacht galt: Die Auflagen für die Banken sollen gelockert, die Steuern gesenkt, die Importzölle erhöht, die Klimaschutzvorgaben gelockert und die alten Energien wiederbelebt werden. Für einen Mittelständler, der sich beispielsweise auf CO2-Filter für Industrieanlagen oder Komponenten für E-Autos spezialisiert hat, könnte das spürbare Folgen haben.

Der Mittelstand lebt vom freien Handel. Mit welchen Hemmnissen muss er rechnen?

Fritz: Es wird viel davon abhängen, wie die Diskussion um die „Border Adjustment Tax“ ausgehen wird. Wenn der Präsident seine Steuerpläne durchsetzt, könnten die Produkte – insbesondere aus Ländern wie Mexiko, China, Großbritannien und Deutschland – teurer werden. Das würde viel Geld in die amerikanische Haushaltskasse spülen. Aber der deutsche Mittelstand müsste dafür bezahlen.

Welche Bereiche des deutschen Außenhandels wären am stärksten von den US-Zöllen betroffen?

Fritz: Trump hat klipp und klar gesagt, dass er mehr amerikanische Autos auf Amerikas Straßen sehen will. Neben der Autoindustrie würden die Beschränkungen darüber hinaus wohl am ehesten den Maschinenbau und die chemische Industrie treffen. Im Gegensatz zu den Großunternehmen haben viele deutsche Mittelständler noch keine eigenen Produktionsstätten in den USA, weswegen sie die Handelsbeschränkungen besonders stark treffen würden.

Welche Taktik empfehlen Sie den mittelständischen Unternehmen jetzt?

Fritz: Sie könnten zum einen versuchen, eigene Produktionsstätten in den USA aufzubauen. Das ist aber sehr teuer. Darüber hinaus weiß momentan keiner genau, was von Trumps Plänen wirklich umgesetzt wird.

Zum anderen könnten sie darangehen, ihre qualitativ hochwertigen Produkte zu vereinfachen und zu einem geringeren Preis anzubieten. Auch wenn sich viele Unternehmen damit schwer tun: Hier sehe ich eine echte Lösungsmöglichkeit, um dem Druck konstruktiv entgegenzuwirken. Denn viele Amerikaner stöhnen unter hohen Preisen und müssen sich entscheiden, ob sie gut oder günstig kaufen wollen. Hier könnten die deutschen Unternehmen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: gut und günstig.

Könnte der Mittelstand die vermeintliche Abschreckung auch als Chance sehen, um seine eigene Innovationskraft und Unabhängigkeit zu stärken?

Fritz: Auf alle Fälle. Zunächst sollte der Mittelständler einmal ganz objektiv analysieren, wie groß seine Abhängigkeit von den USA wirklich ist und ob es nicht alternative Länder gibt, die als Handelspartner für ihn in Frage kommen. Dann muss er den Blick auf den Verbraucher lenken und sich fragen: Was will er?

Trump ist nicht Amerika, obwohl Amerika sehr viel vom Konservatismus Trumps besitzt. Und die Technologieschmieden im Silicon Valley werden trotz Trump so weitermachen wie bisher.

Wie stark schätzen Sie die Position der deutschen Unternehmen in den USA ein?

Fritz: Die Deutschen und die deutschen Produkte sind in den USA hoch geschätzt. Und amerikanische Unternehmen arbeiten gerne mit deutschen zusammen.

Deutsche Unternehmen schaffen rund 700.000 Arbeitsplätze in den USA. Das zeigt sich auch an den vielen deutschen Produkten, die in Amerika auf dem Markt sind − und die Trump ärgern.

Die Deutschen haben eine starke Position. Aber die muss jetzt gefestigt werden – und zwar durch intensive Kontaktpflege in die Wirtschaft und Politik. Jetzt ist die große Stunde der Lobbyisten!

Wie viel Trump steckt eigentlich in der amerikanischen Wirtschaft?

Fritz: Mehr als wir denken. Trump ist in gewissem Sinne ein Spiegelbild des traditionellen Amerika, das uns überall im Land begegnet.

Wenn wir an Amerika denken, denken wir zuerst an das hippe New York. Aber Amerika hat auch seine große konservative Seite. Das hat uns der Wahlsieg der Republikaner gezeigt. Und mit diesem konservativen Amerika und seiner Wirtschaft muss der deutsche Mittelstand jetzt rechnen.

Die Meinungen in diesem Interview spiegeln die Meinung der interviewten Person und nicht unbedingt die von EY Global oder einer ihrer Mitgliedsgesellschaften wider.

 

Sabrina Fritz ist USA-Korrespondentin des ARD-Studios in Washington und eine exzellente Kennerin der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in den Vereinigten Staaten. Die Redakteurin hat in Hamburg Betriebswirtschaft studiert und viele Jahre in der Wirtschaftsredaktion des Südwestrundfunks in Stuttgart gearbeitet. Seit 2011 lebt sie in den USA.