3 Minuten Lesezeit 22 Jänner 2020
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NaDiVeG – was bisher geschah

Von Georg Rogl

Leiter Climate Change and Sustainablity Services, Wirtschaftsprüfung | Österreich

Unterstützt Unternehmen dabei, verantwortungsvolles Handeln gegenüber der Umwelt, den Mitarbeitern und der Gesellschaft noch stärker in die eigene Unternehmens-DNA einzubinden.

3 Minuten Lesezeit 22 Jänner 2020

Wie haben Österreichs Unternehmen die nichtfinanzielle Berichterstattung gemäß dem NaDiVeG umgesetzt?

In der „Finance & Performance“-Ausgabe vom März 2017 wurden bereits ausführlich die Anforderungen durch das neue Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG; BGBl I 2017/20, veröffentlicht am 17.01.2017) dargestellt. In diesem Beitrag stellen wir die Ergebnisse einer Analyse der Nachhaltigkeitsberichterstattung großer österreichischer Unternehmen, die dem NaDiVeG unterliegen, vor.

Vom NaDiVeG betroffen sind Unternehmen

  • von öffentlichem Interesse, sogenannte Public Interest Entities (PIEs), sowie Finanzdienstleistungsunternehmen
  • mit mehr als 20 Mio. Euro Bilanzsumme oder 40 Mio. Euro Umsatz und
  • mit mehr als 500 Mitarbeitern.

Die Unternehmen, die diese drei Kriterien kumulativ erfüllen, müssen nichtfinanzielle Informationen (NFI) gemäß den Vorgaben veröffentlichen.

Die Analyse

Die Auswertung erfolgte auf Basis öffentlich verfügbarer Informationen. Unternehmen, die sich durch eine Muttergesellschaft im Inland befreien lassen, wurden in der Auswertung nicht berücksichtigt. Auch Muttergesellschaften, die im Konzernlagebericht die NaDiVeG-Anforderungen erfüllen, wurden nicht separat angeführt. Auf Basis unserer Erhebungen sind 83 Konzerne bzw. Unternehmen in Österreich für das Berichtsjahr 2017 vom NaDiVeG betroffen.

Die Analyse wurde mit Stand 21.07.2018 vorgenommen. Obwohl die Auswertung mit Sorgfalt erstellt wurde, besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

66 der 83 erhobenen österreichischen Unternehmen (rund 80 Prozent) haben bereits nichtfinanzielle Informationen veröffentlicht. Weitere 5 Prozent (vorwiegend Finanzdienstleistungsunternehmen) lassen sich durch eine ausländische Muttergesellschaft befreien und 7 Prozent haben ein abweichendes Wirtschaftsjahr und daher noch keinen (Konzern-)Lagebericht veröffentlicht. Für 8 Prozent der Unternehmen liegen derzeit keine entsprechenden Informationen vor.

Form der Veröffentlichung der nichtfinanziellen Informationen

Für die Veröffentlichung der nichtfinanziellen Informationen bestehen mehrere Möglichkeiten. Sie können als nichtfinanzielle Erklärung innerhalb des (Konzern-)Lageberichts – entweder in einem gesonderten Abschnitt oder in verschiedenen Abschnitten – oder aber als gesonderter nichtfinanzieller Bericht außerhalb des (Konzern-)Lageberichts entweder als Teil des Geschäftsberichts oder getrennt davon veröffentlicht werden. Fast die Hälfte der 66 Berichte wurde als eigenständiger Bericht außerhalb des Lageberichts veröffentlicht.

Rahmenwerke zur Umsetzung des NaDiVeG

Unternehmen können sich bei der Bereitstellung der gesetzlich zu veröffentlichenden Informationen auf nationale oder internationale Rahmenwerke wie etwa die Global Reporting Initiative (GRI), EMAS, den UN Global Compact, ISO 26000 u. a. stützen. In den Erläuterungen zum NaDiVeG wird insbesondere GRI als geeigneter Standard für die Berichterstattung hervorgehoben. Die GRI-Standards stellen dadurch für viele Unternehmen das wesentliche Rahmenwerk in der Umsetzung dar. Von 66 Berichten wurden bei 36 die GRI-Standards als Rahmenwerk herangezogen. Sonstige Rahmenwerke wurden nicht angewandt.

Anwendung GRI-Standards

55 %

der untersuchten Unternehmen wenden aktuell die GRI-Standards an.

Externe Prüfung der nichtfinanziellen Informationen

Der Vorstand und der Aufsichtsrat haben durch das NaDiVeG auch klare Aufgaben bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Der Vorstand muss die nichtfinanzielle Erklärung bzw. den Bericht freigeben und legt dem Aufsichtsrat die Erklärung bzw. den Bericht vor. Dieser hat die Erklärung bzw. den Bericht zu prüfen. Es gibt keine Prüfungspflicht seitens des Wirtschaftsprüfers, allerdings hat dieser darüber zu berichten, dass die nichtfinanzielle Erklärung bzw. der entsprechende Bericht aufgestellt wurde.

Um mehr Transparenz zu schaffen, ist es empfehlenswert, eine externe Prüfung der nichtfinanziellen Berichterstattung durchführen zu lassen. Lediglich 17 Unternehmen (26 Prozent) haben sich freiwillig einer externen Prüfung unterzogen. Von den Berichten dieser 17 Unternehmen wurden 65 Prozent vollständig geprüft, bei 35 Prozent wurden lediglich gewisse Teile des Berichts geprüft. Alle geprüften Berichte wurden einem „Limited Review“ unterzogen.

Fazit

Das NaDiVeG hat den Fokus auf die nichtfinanzielle Berichterstattung verschärft. Besonders das Rahmenwerk der Global Reporting Initiative (GRI) wird als geeigneter Standard angesehen, jedoch nur von einem Teil der Unternehmen bereits angewandt. Wir unterstützen Sie gerne bei entsprechenden Implementierungsvorhaben und freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Über diesen Artikel

Von Georg Rogl

Leiter Climate Change and Sustainablity Services, Wirtschaftsprüfung | Österreich

Unterstützt Unternehmen dabei, verantwortungsvolles Handeln gegenüber der Umwelt, den Mitarbeitern und der Gesellschaft noch stärker in die eigene Unternehmens-DNA einzubinden.