3 Minuten Lesezeit 27 Juli 2020
Paketbote beim Ausliefern von Ware

Von der “Zettelwirtschaft” zur digitalen Plattform

Autoren

Stephan Taborsky

Technology Transformation Lead, Consulting l Österreich

Ist Spezialist für Programm- und Projektmanagement in komplexen Systemintegrations- und Kernbankmigrationsprojekten. Lebt mit seiner Familie in Wien. Ist begeisterter Fußballfan und Hobbyläufer.

Michael Schramm

Leiter EY Blockchain-Kompetenzzentrum | Deutschland, Schweiz, Österreich

Leitet die Blockchain-Aktivitäten in der Region und berät Firmen dabei, Fallbeispiele zu finden, neue Geschäftsmodelle zu entdecken und Pilotprojekte zu implementieren.

Ferdinand Regner

Senior Consultant, EY Blockchain-Kompetenzzentrum, Ernst & Young Management Consulting GmbH | Österreich

In seiner Freizeit ist Ferdinand bei Rotaract und in mehreren Alumni Vereinen als Board Member aktiv. Wenn noch Zeit bleibt, besucht er Tech meetups, liest oder schraubt an IoT devices.

3 Minuten Lesezeit 27 Juli 2020

Studierende der TU Wien haben ein Open-Source-Tool zur Validierung von e-Frachtbriefen entwickelt. 

Frachtdokumente sind noch immer papierbasiert und deren Handhabung und Übergabe passiert oft ohne ausreichende Kontrolle. Die Verfügbarkeit von Daten und Unterschriften für die Validierung durch Spediteure, Verlader, Frächter und Versicherungen ist oft nicht rechtzeitig gewährleistet. Irrtümern und Betrug sind Tür und Tor geöffnet. Trotz manchmal unprofessioneller Handhabung ist ein Frachtbrief (CMR) ein sehr wichtiges Dokument für Steuer, Zoll und Rechnungslegung. Die Vorteile der Digitalisierung von Frachtbriefen liegen auf der Hand: Prozesskostensenkung, exakte Protokollierung von Änderungen und zeitnahe Verfügbarkeit von Status und Unterschriften.

Die Arbeitsgemeinschaft „Blockchain Initiative Logistik“

Frachtpapiere zu digitalisieren bietet für einzelne Firmen großen Nutzen, sowohl für Spediteure als auch für Verlader. Besonderes Potenzial ergibt sich, wenn sich mehrere Marktteilnehmer auf einen Standard verständigen. Aus diesem Grund haben sich die Marktgrößen DB Schenker und LKW Walter zusammengefunden, um gemeinsam eine Lösung für dieses Branchenproblem zu finden. GS1/editel ist ebenfalls an Bord und sorgt für internationale Standardisierung. Das Beratungsunternehmen EY moderiert die Arbeitsgemeinschaft und übernimmt dabei die Pilotimplementierung.

Die Blockchain als Basis

Die Blockchain als Enterprise-Technologie, also abseits von Kryptowährungen, steht seit einigen Jahren im Fokus vieler Pilotprojekte. Gerade im Bereich Transport, Logistik, und Supply Chain sehen viele Branchengrößen enormes Potenzial für neue Geschäftsmodelle. Die Blockchain Initiative Logistik (BIL) basiert auf der Blockchain-Technologie und einem verteilten System, in dem Sicherheit, Unverfälschbarkeit und Nachvollziehbarkeit der Daten rund um den Frachtbrief an erster Stelle steht. Die Blockchain-Architektur von BIL gewährleistet sowohl die Integrität innerhalb der Plattform als auch „Data Privacy“ für jeden Teilnehmer.

Das Logistik Blockchain Validator Tool als “Missing Link”

Im Rahmen der laufenden Kooperation mit Univ.-Prof. Dr. Stefan Biffl vom Institut für Information Systems Engineering an der Technischen Universität Wien hat EY als Case-Geber eine Gruppe von Studenten im Projekt „Logistik Blockchain Validator Tools für e-Frachtbriefe“ fachlich begleitet. Dadurch wurde es dem eigens für die Übung formierten Studierendenteam ermöglicht, im Zuge der Lehrveranstaltung ein neuartiges Open-Source-Softwareprodukt bis hin zur praktischen Einsatzreife zu entwickeln.

Die Blockchain ist als Prüf- und Sicherungsmechanismus von Dokumenten anerkannt. Doch was, wenn einer der Teilnehmer der Prozesskette an der Richtigkeit von Daten zweifelt? Die Darstellung von sogenannten Hashcodes (Prüfsummen) auf einer öffentlichen Blockchain ist zwar für alle einsichtig, aber nicht gut lesbar und interpretierbar für Menschen. Um diese Lücke zu schließen wurde das unabhängige Validator Tool entwickelt. Dabei handelt es sich um ein Open-Source-Tool, welches allen Teilnehmern ermöglicht, auf sehr einfache und effiziente Art PDF-Dokumente, die von der Blockchain Initiative Logistik erzeugt wurden, auf Echtheit und Unverfälschtheit zu überprüfen. PDF-Dokumente können in einem einfach verwendbaren User Interface hochgeladen werden. Die Prüfsummen werden mit den Inhalten der Blockchain verglichen, und der Benutzer bekommt schnell und einfach Feedback, ob die Dokumente unversehrt sind.

Für das Projektteam war es sehr wichtig, dass dieses Tool von unabhängiger Seite implementiert wird und der Source Code öffentlich gemacht wird, um die Glaubwürdigkeit dieser Prüfung außer Zweifel zu stellen – schließlich sind die Dokumente wichtig für steuerliche und rechtliche Prüfungen von Transporten.

Professionelle Umsetzung dank agiler Vorgehensweise

Um das Validator Tool zu implementieren, war eine Reihe von Herausforderungen zu bewältigen. So birgt der historisch um den Frachtbrief gewachsene eCMR-Prozess eine hohe fachliche Komplexität, da viele Prozesspfade abgebildet werden müssen. Die Nutzung des Ethereum Blockchain Protokolls bringt zudem eine technische Komplexität mit sich, da es neue Paradigmen in den Vordergrund stellt. Gleichzeitig muss die Applikation von Laien bedienbar sein, ohne technisches Hintergrundwissen über Blockchain vorauszusetzen. 

Fazit

Im Zuge der nächsten Phase des Projekts Blockchain Initiative Logistik, die im August 2020 starten soll, wird das Validator Tool von verschiedenen Stakeholdern wie Frächtern, LKW-Fahrern und Buchhaltern entlang des eCMR-Prozesses eingesetzt werden. Mit dem Valdierungs-Tool ist aufgrund der professionalen Arbeit des Teams aus Informatikstudenten der TU Wien sichergestellt, dass Frachtbriefe als eCMR-Dokumente von jedem Stakeholder und zu jeder Zeit auf benutzerfreundliche Art und Weise effizient validiert werden können.

Über diesen Artikel

Autoren

Stephan Taborsky

Technology Transformation Lead, Consulting l Österreich

Ist Spezialist für Programm- und Projektmanagement in komplexen Systemintegrations- und Kernbankmigrationsprojekten. Lebt mit seiner Familie in Wien. Ist begeisterter Fußballfan und Hobbyläufer.

Michael Schramm

Leiter EY Blockchain-Kompetenzzentrum | Deutschland, Schweiz, Österreich

Leitet die Blockchain-Aktivitäten in der Region und berät Firmen dabei, Fallbeispiele zu finden, neue Geschäftsmodelle zu entdecken und Pilotprojekte zu implementieren.

Ferdinand Regner

Senior Consultant, EY Blockchain-Kompetenzzentrum, Ernst & Young Management Consulting GmbH | Österreich

In seiner Freizeit ist Ferdinand bei Rotaract und in mehreren Alumni Vereinen als Board Member aktiv. Wenn noch Zeit bleibt, besucht er Tech meetups, liest oder schraubt an IoT devices.