3 Minuten Lesezeit 19 Jänner 2022
finanzielles Wachstum

Nachhaltige Förderungen

Von Sebastian Koch

Manager, Steuerberatung | Österreich

Berät Unternehmen in den Bereichen Konzernsteuerrecht, Steuerplanung, Restrukturierungen, M&A und Forschungsförderung. Ist EYCarbon-Verantwortlicher für das Thema Förderungen für Nachhaltigkeit.

3 Minuten Lesezeit 19 Jänner 2022

Das Thema Nachhaltigkeit hat in den letzten Jahren eine Dynamik entwickelt wie kaum ein anderes.

Wurde Nachhaltigkeit vor ein paar Jahren oftmals noch als Nischenthema angesehen, beschäftigt sich mittlerweile ein Großteil der Unternehmen auf höchster Ebene damit. Nicht nur Unternehmen legen einen verstärkten Fokus auf das Thema Nachhaltigkeit, auch die Förderlandschaft zeigt eine klare Entwicklung hin zu Nachhaltigkeitsthemen.

Die Wichtigkeit des Klimawandels und die Ressourcenknappheit führten vor allem in den letzten Jahren zu einem Anstieg des Förderangebots für nachhaltige Maßnahmen. Nochmals verstärkt wurde dies zuletzt durch die auf EU-Ebene im Dezember 2020 erzielte Einigung, den Ausstoß an Treibhausgasen bis 2030 um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Außerdem legte die EU-Kommission im Juli 2021 ein Gesetzespaket („Fit for 55 package“) vor, das Europas Wirtschaft mit konkreten Vorschlägen hin zu mehr Klimaschutz führen soll. 

Ausstoß an Treibhausgasen bis 2030 um

55 %

im Vergleich zu 1990 zu senken.

Nationale Förderungen

Dass die Wichtigkeit des Klimawandels trotz einer globalen Krise wie COVID-19 oberste Priorität hat, zeigt sich vermehrt auch in Förderprogrammen auf nationaler Ebene. Hierbei hat insbesondere das Investitionsprämiengesetz (InvPrG 2020) einen Anreiz für Unternehmen geschaffen, während der COVID-19-Pandemie Investitionen zu tätigen. Der Bedeutung des Klimaschutzes wurde mit einer erhöhten Prämie für Investitionen in ökologische Maßnahmen von 14 Prozent (statt der allgemeinen Prämie von 7 Prozent) Rechnung getragen. Des Weiteren waren umweltschädliche Investitionen zur Gänze von der Förderung ausgenommen.

Die Wichtigkeit des Klimawandels und die Ressourcenknappheit führten vor allem in den letzten Jahren zu einem Anstieg des Förderangebots für nachhaltige Maßnahmen.
Sebastian Koch

Doch auch hinsichtlich anderer Fördermaßnahmen stehen auf nationaler Ebene in Österreich im Bereich der Nachhaltigkeit verschiedenste Programme zur Verfügung. Insbesondere die Kommunalkredit Public Consulting GmbH (KPC) bietet sehr umfangreich Umweltförderungen an, unter anderem Programme in den Bereichen Gebäudesanierung, Energiesparen, Altlasten, Mobilitätsmanagement und Elektromobilität. Aber auch wenn es um die Einsparung umweltschädlicher Emissionen oder Klimaforschung geht, können dazu passende Programme gefunden werden.

Abgesehen von der KPC fließen auch bei anderen Förderstellen vermehrt Umwelt- bzw. Nachhaltigkeitsaspekte mit ein. Die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) hat in ihre Ausschreibungsziele des Basisprogramms beispielsweise aufgenommen, dass die Transformation in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft und Vorhaben, die positive Klima- und Umweltauswirkungen generieren, besonders berücksichtigt werden. Auch im Programm „Produktion der Zukunft“ wurde die Ausschreibung dahingehend adaptiert, dass jedes eingereichte Projekt eines der drei folgenden operativen Ziele erfüllen muss:

  • Effiziente Ressourcen- und Rohstoffnutzung sowie effiziente Produktionstechnologien leisten wesentliche Beiträge zu einer CO2-reduzierten und klimaschonenden Produktion.
  • Eine flexible Produktion berücksichtigt Umwelt- und Klimaziele.
  • Bei der Herstellung hochwertiger Produkte werden Umwelt- und Klimaziele berücksichtigt.

Des Weiteren ist beispielsweise das Programm „Artificial Intelligence (AI) for Green“ ausgeschrieben, bei dem AI-Technologien neu oder weiterentwickelt werden sollen, die die Erreichung der Klimaneutralität 2040  unterstützen und/oder der Lösung der ökologischen Herausforderungen in Verbindung mit einer umwelt-, klima- und naturgerechten Technologieentwicklung dienen.

Auch das Programm „Frontrunner“, bei dem die Etablierung neuer Frontrunner-Unternehmen bzw. die Absicherung von Frontrunner-Unternehmen bzw. Frontrunner-Strategien im Fokus stehen, wurde 2021 als „Green Frontrunner“-Programm neu ausgeschrieben (in Kooperation mit der aws). Dabei wird auf zwei besonders relevante Strategiedimensionen verwiesen: Technologie- und Innovationsführerschaft sowie Klima- und Umweltstrategie. Hinsichtlich der Klima- und Umweltstrategie wird darauf abgestellt, ob eine Ausrichtung der Geschäftsfeldstrategie am europäischen „Green Deal“ bzw. an die Herausforderungen in Bezug auf den Umwelt- und Klimaschutz erfolgt.

Auch die Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft mbH (aws) fördert Unternehmen im Nachhaltigkeits- bzw. Umweltbereich. So werden beispielsweise durch das Programm „aws Energie und Klima“ Zuschüsse für den Aufbau eines Energie-Management-Systems vergeben. Auch bei nicht umwelt-/nachhaltigkeitsspezifischen Förderprogrammen wird von der aws abgefragt, ob das Vorhaben positive Auswirkungen auf die Umwelt hat, konkret: ob das Projekt zu umweltfreundlichen Produkten oder Verfahren wie zum Beispiel Energiegewinnung aus erneuerbaren Ressourcen, nachhaltiger Mobilität oder effizientem Ressourceneinsatz führt.

Förderungen auf EU-Ebene

Auch auf EU-Ebene hat sich mit dem europäischen Green Deal und dem Ziel, bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent zu sein, vieles getan. Hierbei will die EU für den Klimaschutz und zur Umsetzung von Maßnahmen Investitionen in Höhe von mindestens 1 Billion Euro für die nächsten zehn Jahre mobilisieren. Dabei sollen rund 500 Milliarden Euro aus dem EU-Budget kommen. Diese Mittel werden über verschiedene Programme abrufbar sein. Beispielhaft sind hier unter anderem der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums, der Europäische Garantiefonds für die Landwirtschaft, der Europäische Fonds für regionale Entwicklung, der Kohäsionsfonds, Horizont Europa und das LIFE-Programm anzuführen.

Die EU will für den Klimaschutz und zur Umsetzung von Maßnahmen Investitionen in Höhe von mindestens 1 Billion Euro für die nächsten zehn Jahre mobilisieren.

Ebenfalls hervorzuheben ist der EU-Innovationsfonds. Dieser soll von 2020 bis 2030 Demonstrationsvorhaben im Bereich innovativer Technologien und industrieller Innovationen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes fördern. Dabei wird zwischen Projekten mit einem Investitionsvolumen von mehr als 7,5 Millionen Euro und solchen von weniger als 7,5 Millionen Euro unterschieden. Der nächste Call betreffend Großprojekte soll Ende Oktober 2021 gestartet werden. Für Kleinprojekte kann im März 2022 mit dem Start des nächsten Calls gerechnet werden.

Nicht zu vergessen sind in diesem Kontext die sog. IPCEIs („Important Projects of Common European Interest“), bei denen es sich um von mehreren EU-Mitgliedstaaten durchgeführte wichtige Vorhaben von gemeinsamem europäischen Interesse handelt, die positive Spill-Over-Effekte in der gesamten EU bewirken sollen und ehrgeizige Ziele in Bezug auf Forschung und Innovation verfolgen. Nach Notifizierung durch die Europäische Kommission können an IPCEIs teilnehmende Unternehmen mit Einzelprojekten durch die Republik Österreich mit staatlichen Beihilfen außerhalb der allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung gefördert werden.

Österreich ist derzeit an zwei IPCEIs beteiligt. Mit drei Unternehmen erfolgt eine Beteiligung am IPCEI Mikroelektronik und mit sechs Unternehmen eine Beteiligung am IPCEI Batteries. Zudem wird die Teilnahme an den IPCEIs Mikroelektronik II, Wasserstoff und Life Sciences angestrebt.

Ausblick

Im Ergebnis ist festzuhalten, dass sowohl das Angebot als auch der Bedarf an Förderungen für „grüne“ bzw. „nachhaltige“ Projekte sowohl in Österreich als auch in der EU von Tag zu Tag steigen. Das liegt unter anderem an den ambitionierten Klimaplänen, aber nicht zuletzt auch am gesellschaftlichen Umdenken im Hinblick auf eine nachhaltige Zukunft. Der Trend geht somit klar in Richtung grüner und nachhaltiger Förderprogramme.

Selbst Förderprogramme, die auf den ersten Blick nicht unbedingt dem Bereich der Umwelt oder Nachhaltigkeit zuzuordnen sind, lassen mittlerweile oftmals den Umwelt- bzw. Nachhaltigkeitsaspekt in die Ziele und Bewertungskriterien mit einfließen. Das Konzept, dass nachhaltige, grüne Projekte besonders gefördert werden sollen und dass im Gegenzug umweltschädliche Projekte keine Förderung erhalten, zeigte sich zuletzt insbesondere bei der Investitionsprämie.

Fazit

Unter Berücksichtigung der dynamischen Entwicklungen in den letzten zwei bis drei Jahren ist es jedenfalls zu empfehlen, sich laufend über Neuerungen im Bereich der Förderungen zu informieren, um keine Chancen zu verpassen.

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Von Sebastian Koch

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