2 Minuten Lesezeit 9 April 2020
People walking on bridge

COVID-19 und der Immobilienmarkt

Autoren
Alexander Wlasto

Partner Real Estate Assurance | Österreich

Wird durch die Freude an den Aufgaben täglich aufs Neue motiviert. Ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Findet Ausgleich beim Segeln und im Weingarten in Begleitung seines Hundes.

Alina Nichiforeanu

Senior Managerin, Real Estate, Strategy and Transactions | Österreich

Ist auf die Bereiche Due Diligence, Immobilienbewertung, Transaktionsmanagement, Portfoliostrategie sowie Corporate Real Estate und Facility Management spezialisiert.

Gernot Ressler

Director im Bereich Real Estate Tax | Österreich

Gernot Ressler ist seit 2018 bei EY und hat über langjährige Erfahrung in der Steuerberatung mit Schwerpunkt M&A-Transaktionen im Immobiliensektor.

2 Minuten Lesezeit 9 April 2020

Durch die Corona-Krise hat sich die Stimmung am österreichischen Immobilienmarkt spürbar abgekühlt. Zwei Marktsegmente dürften die Krise gut überstehen.

Noch vor wenigen Monaten war die Welt eine ganz andere. Als wir im Dezember 2019 unsere jährliche Umfrage zum Immobilieninvestmentmarkt in Österreich unter am heimischen Markt aktiven Investoren durchführten, war man sich einer positiven Entwicklung sicher. Fast alle befragten Anleger schätzten den lokalen Immobilienmarkt 2020 als attraktiv bis sehr attraktiv ein. Doch dann kam die Corona-Krise. Und damit wurden die Karten neu gemischt.

Aktuell erwarten 61 Prozent der heimischen Immobilienwirtschaft für 2020 ein sinkendes Transaktionsvolumen. Nur acht Prozent glauben an eine Steigerung – Ende 2019 wurde das noch von über einem Drittel erwartet. Innerhalb weniger Wochen hat sich die Stimmung am österreichischen Immobilienmarkt eingetrübt. Auch wenn die Langzeiteffekte bisher kaum absehbar sind, stehen vor allem jene Nutzungsarten vor einer großen Herausforderung, die von den Schließungen unmittelbar betroffen sind. Das betrifft insbesondere Einzelhandels- und Hotel-, aber auch Büroimmobilien.

Für Wohnimmobilien erwartet immerhin knapp ein Drittel der Befragten steigende Preise, was allerdings einem Rückgang von einem Drittel im Vergleich zum Jahresende 2019 entspricht. Bei Logistikimmobilien hingegen erwartet knapp die Hälfte steigende Preise, ähnlich wie Ende 2019. Diese profitieren vom sprunghaften Anstieg der Belieferungen und dem Ausbau der Lagerkapazitäten.

Pessimistischer fallen die Prognosen für die weiteren Gewerbeimmobiliensegmente aus. 86 Prozent der Befragten erwarten für den Einzelhandel sinkende Immobilienpreise, was Ende 2019 nur rund ein Drittel vermutet hatte. Der deutliche Rückgang lässt sich vor allem durch die weitestgehende Schließung vieler Handelssparten erklären.

Der überwiegend positiven Einschätzung für Büroimmobilien von zuvor – fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer hatte steigende Preise erwartet – folgt nun die Ernüchterung: 67 Prozent befürchten fallende Preise, während nur noch vier Prozent der Teilnehmer steigende Preise für wahrscheinlich halten.

Am stärksten sind allerdings Hotelimmobilien von den Pandemie-Auswirkungen betroffen: Hier hatte zuvor mehr als die Hälfte der Befragten eine Preissteigerung erwartet. Deren Anteil ist nun auf zwei Prozent gesunken, während 92 Prozent sinkende Preise erwarten. Hotelimmobilien haben wohl vor allem aufgrund abgesagter Messen, der weiträumigen Reisebeschränkungen und vorübergehenden Hotelschließungen kurzfristig an Attraktivität verloren. Durch die letzte Bekanntgabe der Regierung, dass erste kleine Geschäfte ab Mitte April und Hotels voraussichtlich ab Mitte Mai wieder öffnen dürfen, könnte der Optimismus jedoch wieder leicht zurückkehren.

Dass das Niedrigzinsumfeld durch die Auswirkungen der Pandemie länger erhalten bleiben wird, glauben 86 Prozent der Befragten. Durch die möglichen Folgen könnten sogar laufende Finanzierungen in Gefahr geraten, befürchten 59 Prozent der Umfrageteilnehmer. Neue Finanzierungen werden aus Sicht von 64 Prozent der Befragten künftig restriktiver vergeben. Auch das Investitionsverhalten wird von der Krise beeinflusst: So erwarten 55 Prozent der Teilnehmer verminderte Investitionen in Bestandsimmobilien – im Neubausektor prognostizieren das sogar 78 Prozent der Befragten.

Fazit

Insgesamt hat sich die Stimmung am österreichischen Immobilienmarkt in den letzten Wochen vor dem Hintergrund der Corona-Krise eingetrübt. Trotzdem sind Immobilien nach wie vor eine gefragte Geldanlage, speziell das Wohnsegment hat kaum an Attraktivität eingebüßt - auch schafft das neue Preisumfeld Platz für Opportunitäten. Immobilieninvestoren sind gut beraten, wenn sie die Entwicklungen in den nächsten Wochen genau beobachten und keine voreiligen Schlüsse ziehen. 

Über diesen Artikel

Autoren
Alexander Wlasto

Partner Real Estate Assurance | Österreich

Wird durch die Freude an den Aufgaben täglich aufs Neue motiviert. Ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Findet Ausgleich beim Segeln und im Weingarten in Begleitung seines Hundes.

Alina Nichiforeanu

Senior Managerin, Real Estate, Strategy and Transactions | Österreich

Ist auf die Bereiche Due Diligence, Immobilienbewertung, Transaktionsmanagement, Portfoliostrategie sowie Corporate Real Estate und Facility Management spezialisiert.

Gernot Ressler

Director im Bereich Real Estate Tax | Österreich

Gernot Ressler ist seit 2018 bei EY und hat über langjährige Erfahrung in der Steuerberatung mit Schwerpunkt M&A-Transaktionen im Immobiliensektor.