5 Minuten Lesezeit 24 März 2020
*Please add

Im Kampf gegen den unsichtbaren Feind

Von Erich Lehner

Managing Partner Markets, Programm Partner EY Entrepreneur Of The Year I Österreich

Erich Lehner verantwortet die serviceübergreifende Zusammenarbeit. Seine unternehmerisch geprägten Wurzeln zusammen mit seiner Berufserfahrung bilden die Basis seines ganzheitlichen Beratungsansatzes.

5 Minuten Lesezeit 24 März 2020
Verwandte Themen Gesundheitswesen COVID-19

Der Gesundheitssektor ist durch COVID-19 massiv gefordert – vor allem menschlich. Was können Unternehmen in der aktuell gefragtesten Branche jetzt tun?

Pharmaunternehmen, Medizinproduktehersteller, Klinikbetreiber – Unternehmen im Gesundheitsbereich sind gerade jetzt in Zeiten des Coronavirus essenziell für eine funktionierende Versorgung der Öffentlichkeit. Dementsprechend haben die Sicherheit und der Schutz des Personals die oberste Priorität. Doch der Bereich ist traditionell ein sehr forschungsintensiver und stark regulierter Wirtschaftszweig – gerade medizinische und pharmazeutische Forschung und Entwicklung müssen weiter vorangetrieben, gleichzeitig Erkrankte betreut und notwendige Medikamente und Medizinprodukte ausgeliefert werden. Dieses Spannungsfeld ist eine große Herausforderung für die Akteure, weltweit und auch in Österreich.

Unsichere Produktionsmärkte & Preisdruck

In den nächsten Monaten könnten Produktionsstätten und Zulieferer in mehreren betroffenen Märkten zumindest vorübergehend schließen – es gilt daher gerade für Pharmaunternehmen und produzierende Betriebe in erster Linie Lieferketten sicher zu stellen und rechtzeitig alternative Partner zu identifizieren. Zeitgleich werden Laborkapazitäten deutlich verengt und Laborkosten werden explodieren. Inventurmanagement und eine genaue Bestandsführung speziell bei auslaufenden Produkten werden Erfolgsfaktoren sein, um Abschreibungen zu vermeiden.

Auch mittel- bis langfristig kommen weitere Herausforderungen auf den Gesundheitssektor zu: Die angestaute Nachfrage, insbesondere nach Medizingeräten und Verbrauchsmaterialien, wird zurückgehen. Eine vorausschauende Kalibrierung von Angebot und Nachfrage ist dringend anzuraten. Der Druck auf Nettomarktpreise wird sich besonders bei notwendigen Medikamenten und Medizinprodukten verstärken, was wiederum in Druck auf die Margen resultiert. Gleichzeitig wird die öffentliche Gesundheitsversorgung aufgrund der starken Belastung weniger Mittel zur Verfügung haben.

Schlüsselfaktor Lieferkette

Im Fokus steht aktuell auch die Lieferkette – und diese wird wohl auch nachhaltig verändert werden: Hier gilt es, zu investieren und sie agiler zu gestalten. Eine umfassende Lieferkettenstrategie ist zu COVID-19-Zeiten das Herzstück für einen erfolgreichen Fortbestand der Gesundheitsunternehmen. Es gilt, die kritischen Komponenten in den Lieferketten zu identifizieren und laufend ein umfassendes Bestandsmanagement durchzuführen.

Sinnvoll ist eine detaillierte Analyse der Quellen zugekaufter Materialien – mit dem Ziel, gleichwertige Lieferanten zu finden, die regional näher an den Absatzmärkten agieren. Bestehende SLAs (Dienstleistungs-Güte-Vereinbarungen) sollten in Hinblick auf Reaktionszeiten in Notfallsituationen und das Leistungsvermögen bei einer hohen Anzahl an Nachbestellungen überprüft werden.

Langfristig empfehlen wir die folgenden organisatorischen und strukturellen Maßnahmen:

  • Aufsetzen eines zentralen Fokusteams für verbesserte Entscheidungsfähigkeit und Kommunikation rund um den Corona-Ausbruch
  • Anpassung des Risikomanagements, der internen Prozesse und Richtlinien an die derzeitige Situation und klare Kommunikation an die Mitarbeitenden
  • Start von Gesprächen des Government Affairs Teams mit Regierungsbehörden
  • Verstärkung der Team-Kapazitäten in den Bereichen Unternehmensplanung, Verkaufs- und Vertriebsplanung und Supply Chain Management – Bereitstellen zusätzlicher hochqualifizierte Analysten für alle Szenarien
  • Auch wenn der Gesundheitssektor nicht akut von Umsatzeinbrüchen betroffen ist, sind auch in dieser Branche langfristig liquiditätssichernde Maßnahmen zu treffen.

Fazit

Die Krisenstäbe von Gesundheitsunternehmen sind gefragt, die potenziellen Auswirkungen der COVID-19-Krise in allen Fristigkeiten laufend zu analysieren und die Gegenmaßnahmen anzupassen. Schwachstellen in Lieferketten sollten vorausschauend ausgemerzt und alternative Lieferanten identifiziert werden, insbesondere bei Herstellern lebensnotwendiger bzw. “lebensrettender” Medikamente. In erster Linie gilt es aber, die Schutz- und Gesundheitsmaßnahmen für Mitarbeitende laufend zu evaluieren und weiter zu verbessern. Denn sie sind die Basis dafür, die Welt aus der aktuellen Krise zu führen.

Über diesen Artikel

Von Erich Lehner

Managing Partner Markets, Programm Partner EY Entrepreneur Of The Year I Österreich

Erich Lehner verantwortet die serviceübergreifende Zusammenarbeit. Seine unternehmerisch geprägten Wurzeln zusammen mit seiner Berufserfahrung bilden die Basis seines ganzheitlichen Beratungsansatzes.

Verwandte Themen Gesundheitswesen COVID-19