4 Minuten Lesezeit 14 Februar 2022
Ein Junge hält eine Taschenlampe in einem dunklen Raum

Strom-Blackout – wenn alles ausfällt

Autoren
Gottfried Tonweber

Leiter Cyber Security und Data Privacy, Managementberatung | Österreich

Hat den Bereich Advisory am Standort Linz aufgebaut, ist dort seit 2013 für die Managementberatung verantwortlich und leitet den Bereich Cyber Security und Data Privacy.

Bernhard Zacherl

Director, Cybersecurity | EY Österreich

Mein Anliegen ist es, das Risiko der zunehmenden Gefährdungen durch Cyberangriffe auf Unternehmen zu minimieren und daher mit technischen und organisatorischen Maßnahmen unsere Kunden zu unterstützen.

4 Minuten Lesezeit 14 Februar 2022
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Es passiert schnell und ohne Vorwarnung. Die Stromversorgung fällt aus und die Ausfallsgebiete erstrecken sich dabei über große Flächen und Gebiete. Ein Blackout.

Die Auswirkungen gehen tief und betreffen alle Einrichtungen, die für ihre Funktion Strom brauchen. Jede:r ist betroffen und keine:r weiß, wie lange dieser Zustand anhalten wird.
Die Versorgung durch Kommunikationsprovider ist begrenzt. Generell kann gesagt werden, dass die Versorgung dort, wo sie durch Notstromaggregate möglich ist, nach spätestens 72 Stunden zum Erliegen kommt, nämlich dann, wenn der Treibstoff ausgeht und die Nachversorgung nicht möglich ist. Versorgt wird kritische Infrastruktur wie Wasserwerke, Krankenhäuser und auch die Sender des ORF. Die Last Miles von Mobilfunkbetreibern („Handymasten“) sind nicht umfassend mit Notstrom versorgt. Ein sofortiger Ausfall aller Netze im Versorgungsbereich ist die Folge. Selbiges gilt für das Internet. Die Verteilertechnologien der Internetprovider schalten ab, das Internet ist unerreichbar.

Die Entwicklung von Notfallszenarien und der Aufbau einer Notfallorganisation sind essentiell, um das Schadenvolumen so gering wie möglich zu halten.
Gottfried Tonweber
Leiter Cyber Security und Data Privacy, Managementberatung | Österreich

Wie wahrscheinlich ist ein Blackout?

Die Stabilität der Netzfrequenz ist das entscheidende Kriterium. Der europäische Verbund der Stromnetze ist gefordert, die Netzfrequenz in einem Korridor von +/– 20 mHz zu halten.

Die Grafik zeigt, dass sich die Netzfrequenz äußerst volatil verhält. Bei einer Abweichung von mehr als 200 mHz sind massive Einspeisungen nötig, was durch Zuschaltung weiterer Kraftwerkskapazitäten geschieht. Dabei geht es um Sekunden, in denen die nötige Zusatzenergie eingespeist werden muss. Der „Beinahe-Blackout“ am 8. Jänner 2021 hatte seinen Ursprung in Südeuropa, nachdem dort Leitungswege unterbrochen wurden und zu viel Strom zu einem Anstieg um 600 mHz führte. Der instabile Zustand dauerte eine Stunde. Es war der schwerste Zwischenfall seit 2006.

Generell gilt bei einem großflächigen Blackout eine gewisse infrastrukturelle Ausfallkaskade. Diese kann – je nach Region und Versorgungsunterstützung – geringfügig variieren.

Wieso ist eine Notfallplanung nötig?

Die Aufgabe einer verantwortungsvollen Notfallplanung für einen Blackout besteht darin, eine realistische Einschätzung der auftretenden Schäden im eigenen Wirkungsbereich vorzunehmen und dabei die gegenseitigen Abhängigkeiten von externen Versorgern mit ins Kalkül zu ziehen. Denn ein solcher Ausfall kommt ohne Vorwarnung und wirkt großflächig und umfassend.

Es gilt daher, treffsichere Szenarien zu entwerfen, sie zu durchdenken und dabei zwei besondere Aspekte zu betrachten:

  1. Wie kann der unmittelbare Schaden gering gehalten werden?
  2. Wie kann, nach einer unbekannten Dauer des Ausfalls, die normale Betriebsleistung wieder erreicht werden?

Die klassischen Risikoanalysen müssen um die zu erwartenden Zeiträume des Blackouts erweitert werden. Man rechnet in Stunden und – schlimmstenfalls – Tagen und berücksichtigt alle Elemente, die durch einen unkontrollierten Energieverlust dauerhaft geschädigt werden: Produktionsanlagen, Informationsverarbeitung, Lagergut, Güter im Transit. Daten und Prozesse werden unvermittelt gestoppt. Hinzu kommt, dass die Kommunikation nicht mehr funktioniert und externe Hilfe keine Option ist.

Fazit

Wir bei EY unterstützen unsere Kunden bei der Entwicklung solcher Notfallszenarien, beim Aufbau der Notfallorganisation und der nötigen Elemente. Wir gestalten die Prozesse, um einen geordneten Shutdown erfolgreich durchzuführen, das Schadenvolumen für ihr Business gering zu halten und das Undenkbare planbar zu machen.

Über diesen Artikel

Autoren
Gottfried Tonweber

Leiter Cyber Security und Data Privacy, Managementberatung | Österreich

Hat den Bereich Advisory am Standort Linz aufgebaut, ist dort seit 2013 für die Managementberatung verantwortlich und leitet den Bereich Cyber Security und Data Privacy.

Bernhard Zacherl

Director, Cybersecurity | EY Österreich

Mein Anliegen ist es, das Risiko der zunehmenden Gefährdungen durch Cyberangriffe auf Unternehmen zu minimieren und daher mit technischen und organisatorischen Maßnahmen unsere Kunden zu unterstützen.

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