3 Minuten Lesezeit 19 November 2021
Wind turbine toy

Eine Beichte. Und ein Neuanfang.

Von Martin Unger

Leiter Strategieberatung | Leiter EYCarbon in Österreich | Leiter des Sektors Konsumgüter und Handel | Österreich

Ist der festen Überzeugung, dass erfolgreiche und nachhaltige Strategien am besten gemeinsam zwischen Unternehmen und Berater entwickelt werden können. Setzt diese Überzeugung in jedem Projekt um.

3 Minuten Lesezeit 19 November 2021

Nicht jedes Unternehmen ist schon aufgrund seines Geschäftsmodells nachhaltig – und muss es trotzdem werden.

Ich möchte hier gleich zu Beginn eine Beichte ablegen: Nein, ich bin nicht schon seit jeher ein nachhaltig lebender Mensch. Inmitten der Zeit von Flower-Power und Hippie-Bewegungen in den blühenden 60er-Jahren geboren, war ich im Jahrzehnt des Wirtschaftswunders von Beginn an im Strömungskanal des Kapitalismus gefangen. Meine Kindheit war von der Mondlandung genauso geprägt wie vom Bau der Berliner Mauer. Ein Konvolut der Widersprüche und Gegensätze, die zumindest genauso viel zum eigenständigen, unabhängigen Denken anregten, wie sie einschränkten und polarisierten. Fast mein gesamtes berufliches Leben habe ich dem Thema Strategie gewidmet. Schon an der Universität fand ich es unglaublich spannend, auf Metaebene Einfluss zu üben und Unternehmen ganzheitlich zu transformieren. Die Strategie ist über die letzten Jahrzehnte hinweg auch deshalb ein interessantes und abwechslungsreiches Tätigkeitsfeld geblieben, weil sie sich immer neuen Trends, Werten und Einflüssen aus dem Umfeld anpassen muss. Seit den 90ern hat sie sich im Spannungsfeld des Analogen und des Digitalen bewegt. Und seit etwa vier Jahren steht sie zunehmend im Bann von Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

Gerade bei Nachhaltigkeit und Klimaschutz stehen wir als Gesellschaft und Unternehmer:innen noch am Anfang einer langen, transformativen Reise.
Martin Unger
Leiter Strategieberatung | Leiter EYCarbon in Österreich | Leiter des Sektors Konsumgüter und Handel | Österreich

Gerade bei letzterem Thema stehen wir als Gesellschaft und Unternehmer:innen noch am Anfang einer langen, transformativen Reise. Erst im letzten Frühjahr haben wir mehr als 200 Entscheidungsträger:innen von Österreichs Top-1000-Unternehmen befragt. Für uns überraschend war vor allem, dass nur etwa die Hälfte der Betriebe klare Ziele in punkto Klimaneutralität formuliert hat. Das lässt noch viel Luft nach oben — schließlich ist die Definition des Status quo und von messbaren Zielen die Basis für die Entwicklung einer nachhaltigen Unternehmensstrategie. Nur wer weiß, wo er oder sie hinmöchte, kann den Weg dorthin planen und ihn schließlich auch gehen.

Erfreulich ist hingegen, dass es Nachhaltigkeit bei den Unternehmen von der Besenkammer oder zumindest den unteren Etagen ins Vorstandszimmer geschafft hat. Für vier von fünf heimischen Betrieben ist Klimaschutz Sache der Geschäftsführung/des Vorstands — ein eindeutiges Commitment und aus unserer Sicht die einzig richtige Herangehens- weise. Und obwohl es in zwei Dritteln der Unternehmen auch schon klare Zielvereinbarungen in Bezug auf Nachhaltigkeit gibt, hat deren Erfüllung noch bei den wenigsten Konsequenzen für Prämien- und Bonuszahlungen. Genau diese Stellhebel gilt es allerdings zu nutzen, denn Anreizsysteme haben eine starke Lenkungswirkung.

Dass es eine Sekunde vor zwölf ist, bestreitet mittlerweile wohl kaum mehr jemand. Unaufhaltsame Waldbrände in Europa, wochenlange Unwetter mit tennisballgroßen Hagelkörnern in Oberösterreich und Tornados im Weinviertel haben auch die letzten Zweifelnden überzeugt. Und doch fehlt es oft an der notwendigen Konsequenz, über mögliche Maßnahmen nicht nur zu sprechen, sondern sie auch wirklich umzusetzen. Das gilt für Privatpersonen genauso wie für Führungskräfte in Unternehmen. Der Schlüssel zum „Nachhaltigkeits-Erfolg“ und zur Bewältigung der Klimakrise wird primär in Innovationen und neuen Technologien zu finden sein. Unternehmen sind angehalten, ihre Strategien und Geschäftsmodelle nachhaltiger zu machen, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken, ihre Wertkette nachhaltig zu gestalten und den Umgang mit Ressourcen- Stichwort Kreislaufwirtschaft — zu überdenken und rasch zu ändern. In dieser aktuellen Übergangsphase hin zu einem nachhaltigen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem werden wir in manchen Bereichen wohl auch Verzicht üben und liebgewonnene, bequeme Gewohnheiten ändern müssen, Verbote und Verzicht sollten aber die Ausnahme und nicht die Regel sein. In nicht allzu ferner Zukunft aber werden wir mithilfe neuer Technologien und Produkte, die es erst noch zu erfinden und entwickeln gilt, in ein neues, nachhaltiges und besseres Zeitalter eintreten.

Einige der besten Beispiele dafür finden sich auch beim diesjährigen „EY Entrepreneur Of The Year“-Wettbewerb vertreten. HERMANN produziert mit einer eigenen Bio-Pilzzucht eine Alternative zu Fleisch, ohne Zusatzstoffe. Das Unternehmen trägt mit seinen immer beliebter werdenden Produkten zur Reduktion des Fleischkonsums bei, der immerhin für 14,5 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Oder das Familienunternehmen Variotherm, das ökologische Flächenheiz- und Kühlsysteme erzeugt, die biologische und gesunde Strahlungswärme abgeben. Die österreichische Energiewirtschaft war sich bei unserer EY Stadtwerkestudie 2021 einig, dass die Wärmewende der vielversprechendste Hebel zur Umsetzung der Klimaneutralität ist. Hervorstechend in punkto Nachhaltigkeit ist auch waterdrop®, das mit seinen wasserlöslichen Drops nicht nur den Wasserkonsum erhöht, sondern auch beachtliche Mengen an Kunststoff spart. Allein in Wien werden jährlich über 5.000 Tonnen Plastikflaschen gesammelt — das entspricht dem Gewicht von 833 Elefanten oder dem 11-fachen Gewicht der internationalen Raumstation ISS. Mutige Unternehmer:innen mit innovativen Ideen wie diese sind es, die nicht nur mit gutem Beispiel vorangehen, sondern als wahre Pionier:innen neue Wege bestreiten. Von solchen Menschen werden wir in Zukunft noch viel mehr brauchen.

Mutige Unternehmer:innen mit innovativen Ideen wie diese sind es, die nicht nur mit gutem Beispiel vorangehen, sondern als wahre Pionier:innen neue Wege bestreiten.
Martin Unger
Leiter Strategieberatung | Leiter EYCarbon in Österreich | Leiter des Sektors Konsumgüter und Handel | Österreich

Doch nicht bei jedem Unternehmen ist Nachhaltigkeit - schon aufgrund des Geschäftsmodells - in der DNA verankert. Die allermeisten Marktteilnehmer sind durch Konsument:innen, Kund:innen, Geschäftspartner:innen und regulatorische Instanzen gefordert, innerhalb sehr kurzer Zeit nachhaltig zu werden. Sie sehen sich unter Zugzwang und sind im Schatten ihrer Vergangenheit dazu verleitet, sich dem Greenwashing hinzugeben — ein schneller, aber nachweislich falscher Weg. Es ist wichtig, dass wir zu unserer Geschichte stehen und genau deshalb ab jetzt nicht den leichten, sondern den nachhaltigen und verantwortungsvollen Weg gehen. Dabei kann der Dschungel an gesetzlichen Vorschriften, Trends, verfügbaren Technologien, strategischen Optionen und innovativen Lösungen für viele unüberblickbar sein. 

Fazit

Wir wollen den Weg hinaus aus dem Dickicht gemeinsam mit Ihnen gehen. Und haben dafür EYCarbon gegründet, unsere Initiative für Nachhaltigkeit. Wenn Sie wissen wollen, wie Sie Ihr Unternehmen auf die neue Ära vorbereiten können, kontaktieren Sie uns bitte. Denn genau heute ist der richtige Zeitpunkt für Ihren Neuanfang.

Über diesen Artikel

Von Martin Unger

Leiter Strategieberatung | Leiter EYCarbon in Österreich | Leiter des Sektors Konsumgüter und Handel | Österreich

Ist der festen Überzeugung, dass erfolgreiche und nachhaltige Strategien am besten gemeinsam zwischen Unternehmen und Berater entwickelt werden können. Setzt diese Überzeugung in jedem Projekt um.