4 Minuten Lesezeit 20 Oktober 2022
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Nachhaltige Entwicklung in der öffentlichen Verwaltung und im Gesundheitswesen

Autoren
Martin Bodenstorfer

Geschäftsführer, Strategy and Transactions, Contrast EY-Parthenon | Österreich

Managementberater für Organisationen, die kein Gewinnziel verfolgen. Lebt mit seiner Familie in Wien.

Christina Gobin-Reider

Senior Consultant, EY-Parthenon, Österreich

Nachhaltigkeit ist im Trend. Um Ressourcen jedoch effizient einzusetzen und langfristig Wirkung zu erzielen, muss Nachhaltigkeit weitergedacht und in die Organisationsstrategie eingebettet werden.

4 Minuten Lesezeit 20 Oktober 2022

Eine EY-Parthenon-Studie zeigt: Der Wille ist da, die zielgerichtete Steuerung fehlt. Ein Beitrag von Martin Bodenstorfer, Christina Gobin und Johannes Zitterl.

Überblick
  • Nachhaltigkeit ist medial sehr präsent und es stellt sich die Frage, wie nachhaltig dieses Thema in Strategien und der täglichen Arbeit bereits Einzug gehalten hat.
  • Große Konzerne kommunizieren Nachhaltigkeitsstrategien und positionieren sich durchaus neu.
  • In der öffentlichen Verwaltung und im Gesundheitswesen sind solche öffentlich kommunizierten Strategien tendenziell von einer untergeordneten Rolle, da es der Hauptzweck der Organisationen ist, ihre gesellschaftlichen Aufgaben bestmöglich zu erfüllen und Wirkungen zu erzielen.
  • Um hier den aktuellen Status in Österreich genauer zu betrachten, haben wir eine Umfrage durchgeführt und dabei 137 Führungskräfte aus der öffentlichen Verwaltung und Gesundheitswesen befragt.

90% der befragten Personen gaben dabei an, dass Nachhaltigkeit für sie eine hohe bzw. eher hohe Bedeutung hat. Für einen langfristigen Erfolg auf diesem Gebiet bedarf es jedoch einer sogenannten starken Nachhaltigkeit. Die Literatur spricht von starker Nachhaltigkeit, wenn allen drei Dimensionen – der ökologischen, der sozialen, und der ökonomischen – gleichermaßen Wert beigemessen wird. Dies scheint auch bereits in den Organisationen angekommen zu sein, da in den Umfrageergebnissen alle drei Dimensionen als gleichwertig verstanden werden.

Teilnehmenden gaben auch an, dass sie Nachhaltigkeit bereits zumindest teilweise in ihrer organisationalen Strategie verankert haben. Doch hier zeigen sich bereits wesentliche Unterschiede, denn: Knapp 17% haben das Thema vollständig integriert, während die restlichen 60% dies nur teilweise getan haben. Aber in welchen Bereichen sehen die Organisationen ihre Aufgabe im Hinblick auf nachhaltige Entwicklung? 46% der Personen gaben an, dass ihre Hauptaufgabe in der Bewusstseinsbildung liegt, weitere 45% sehen ihre Aufgabe in der Umsetzungsverantwortung und rund 9% in der gesetzgebenden und hoheitlichen Funktion.

Die Top-Themen, die die Führungskräfte bewegen und anhand der SDGs (SDGs: Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen) abgefragt wurden, sind dabei Maßnahmen zu

  • Klimaschutz,
  • nachhaltigem Konsum und Produktion,
  • Gesundheit und Wohlergehen sowie
  • hochwertiger Bildung und Betreuung.

Die Umfrage zeigt dabei auch, dass die Organisationen die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung konkret thematisieren. Jene Organisationen, die den SDGs eine hohe Bedeutung beimessen, fühlen sich – mit Ausnahme von knapp 10% – relativ gut informiert, wie sie diese organisational integrieren können. Für die meisten der befragten Personen (42%) ist eine Integration der SDGs eher wichtig, bzw. ist eine Umsetzung dieser in den nächsten 1-2 Jahren geplant. Von diesen gaben jedoch nur noch 9% an, dass sie sich ausreichend informiert fühlen, wie sie diese integrieren können.

Die thematische Umsetzung von Nachhaltigkeit im öffentlichen Sektor konzentrierte sich in der Vergangenheit offensichtlich stark auf die soziale Nachhaltigkeit, was vermutlich ein Sektorspezifikum ist. Weitere Maßnahmen auf sozialer Ebene sind daher weniger geplant, da die sozialen Ziele weitgehend bereits in Umsetzung sind. Einzig das Thema der bezahlbaren und sauberen Energie birgt laut Angaben der Teilnehmenden künftig Potenzial.

Aus ökologischer Sicht war, ist und bleibt der Klimaschutz das zentrale Thema, welches Organisationen der öffentlichen Verwaltung und im Gesundheitswesen interessiert. Zukünftig soll aber auch ein stärkerer Fokus auf sauberes Wasser und Sanitäranlagen sowie Partnerschaften zur Zielerreichung gelegt werden.

Letzteres ist ebenfalls aus ökonomischer Sicht zukunftsträchtig. Des Weiteren werden Themen wie nachhaltige Produktion und Konsum, aber auch Industrie, Innovation und Infrastruktur weiterhin eine Rolle spielen. Was die Befragten jedenfalls erkannt haben: Digitalisierung kann zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen, ist jedoch für sich allein nicht die Lösung der Probleme im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit.

Die befragten Personen sind davon überzeugt, dass die Organisationen sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung als auch wirtschaftlich von Nachhaltigkeitsaktivitäten profitieren können. Um den Aktivitäten allerdings einen tatsächlichen Wert beizumessen, bedarf es klar formulierter Ziele und Indikatoren in allen Bereichen. Für die Umsetzung von Nachhaltigkeit werden Kosten und Liquidität als größte Schwierigkeit genannt. Unterstützend müssen aber auch weitere Maßnahmen für eine solide Nachhaltigkeits-Governance integriert werden, um Erfolge zu erzielen:

  • Verankerung der Nachhaltigkeitsdimension in der Organisationsstrategie
  • Nachhaltigkeits-Reporting
  • Nachhaltigkeitsrisikobewertung
  • Nachhaltigkeits-Management-Plan und Programmmanagement
  • Transparente Informationsoffenlegung zu Diversität in Führungspositionen
  • Public Governance Bericht
  • aktiver Einbezug von Stakeholdern
  • Monitoringsystem in Bezug auf Nachhaltigkeit

Bei der aktuellen Umsetzung von Maßnahmen haben sich ebenfalls interessante Punkte gezeigt, u.a. die Tatsache, dass vorrangig kleinere Organisationen die Maßnahmen bereits umgesetzt haben. Insbesondere Organisationen mit einer Größen von 101-300 Mitarbeiter:innen sind in der Umsetzung obiger Maßnahmen am stärksten vertreten. Auch jene mit bis zu 50 bzw. 100 Mitarbeitenden bemühen sich bereits um Governance Maßnahmen, wobei hier der Schwerpunkt tendenziell auf den „Soft-Themen“ wie transparenter Informationsoffenlegung und aktivem Einbezug von Stakeholdern liegt. Die großen Organisationen (mehr als 1000 Mitarbeiter:innen) haben dafür die komplexesten Pläne, was eine Umsetzung der Maßnahmen in den nächsten 1-2 Jahren betrifft. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diesen Governance-Maßnahmen tendenziell zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, denn der Einsatz dieser ist noch limitiert.

Neben Kosten und Liquidität verursachen aber auch politische Vorgaben und Wünsche sowie die (Komplexität der) gesetzlichen Regularien den Organisationen Schwierigkeiten.

EY-Parthenon-Studie: Nachhaltigkeit im öffentlichen Sektor

Sie können die vollständige Studie kostenlos downloaden:

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Fazit

Das Thema nachhaltige Entwicklung hat die öffentliche Verwaltung und das Gesundheitswesen definitiv erreicht. Vor allem Themen der sozialen Nachhaltigkeit sind bereits weitgehend umgesetzt. Der künftige Fokus wird weiter auf ökologischen Themen – und bis zu einem gewissen Grad ökonomischen Themen – liegen. Um Investitionen in diesen Bereichen zielgerichtet einzusetzen und zu steuern, müssen sich die Organisationen der öffentlichen Verwaltung und des Gesundheitswesens jedoch intensiver mit der Formulierung klarer Ziele und Indikatoren auseinandersetzen, welche es von der integrierten Nachhaltigkeitsstrategie abzuleiten gilt.

Über diesen Artikel

Autoren
Martin Bodenstorfer

Geschäftsführer, Strategy and Transactions, Contrast EY-Parthenon | Österreich

Managementberater für Organisationen, die kein Gewinnziel verfolgen. Lebt mit seiner Familie in Wien.

Christina Gobin-Reider

Senior Consultant, EY-Parthenon, Österreich

Nachhaltigkeit ist im Trend. Um Ressourcen jedoch effizient einzusetzen und langfristig Wirkung zu erzielen, muss Nachhaltigkeit weitergedacht und in die Organisationsstrategie eingebettet werden.