13 Minuten Lesezeit 22 Jänner 2020
Skyline

Wie „smart“ ist Ihre Stadt?

Von

Christoph Harreither

Partner, Wirtschaftsprüfer und Leiter Government & Public Sektor | Österreich

Hat sich beruflich dem öffentlichen Sektor verschrieben. Stellt sich privat anderen Herausforderungen: Ultramarathons durch die entlegensten Gebiete der Erde – von der Wüste Gobi bis zur Antarktis.

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13 Minuten Lesezeit 22 Jänner 2020

Wie stehen die Bürgerinnen und Bürger österreichischer Städte und Gemeinden dem Thema Smart Cities gegenüber?

Smart City steht für ganzheitliche Entwicklungskonzepte im urbanen Raum. Ziel ist es, Städte effizienter, nachhaltiger und fortschrittlicher zu gestalten. Die Konzepte beziehen verschiedene Dimensionen wie Wirtschaft, Mobilität, Umwelt, Gesellschaft, Lebensraum und Politik mit ein und können sich daher auf unterschiedlichen Ebenen auswirken. Smart City ist damit zum Sammelbegriff für zukunftsorientierte Stadtentwicklung geworden. Doch wie sind die Österreicherinnen und Österreicher diesen Angeboten gegenüber eingestellt? Welche Leistungen würden sie gerne in Anspruch nehmen? Kurz: Was können österreichische Städte und Gemeinden tun, um ihre Angebote an die Erwartungen der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler anzupassen?

Wissenstand zum Begriff „Smart City“ gering

Der Sammelbegriff Smart City ist mehr als der Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher (52%) noch nicht geläufig – 15 Prozent der Befragten haben sich mit diesem Thema noch nicht beschäftigt, 37 Prozent hörten den Begriff im Zuge der Umfrage zum ersten Mal.

Auch die spontanen Assoziationen zu den Angeboten von Smart City sind sehr unterschiedlich: Je zwölf Prozent denken spontan insbesondere an öffentlichen Verkehr, Verkehrskonzepte, -leitsysteme oder -apps. Andere Nennungen umfassen die Vereinfachung der Behördenwege (9%), Elektrotankstellen (7%) oder Vernetzung/Digitalisierung, z. B. im Gesundheitssystem (6%). Weitere Assoziationen – von Abfallvermeidung bis hin zur Stadtentwicklung – fallen nur jeweils unter fünf Prozent der Befragten spontan zu Smart City ein.

In Österreich herrscht demnach hoher Informationsbedarf unter den Bürgerinnen und Bürgern betreffend die Möglichkeiten, die mit Smart-City-Konzepten verbunden sind. Gezielte Informationskampagnen zu den Angeboten könnten dazu beitragen, den Wissensstand zu erweitern.

Hohe Befürwortung von Smart-City-Angeboten

Trotz des geringen Wissenstandes zum Sammelbegriff „Smart City“ ist die Gruppe der Befürworter von Smart-City-Angeboten groß: 56 Prozent der Befragten sind dezidiert für Angebote, ein Viertel ist unschlüssig oder neutral, nur acht Prozent sind eher ablehnend eingestellt – aus Desinteresse, wegen der gefühlten Störungsanfälligkeit oder auch aus Angst vor Überwachung. Die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen beinhaltet die meisten Befürworter – 64 Prozent sind pro Smart City eingestellt.

Smart Cities in Oesterreich

Kostenloser Zugang zu Internet an öffentlichen Plätzen und in gesamten Städten (77%) sowie Car Sharing (70%) sind die bekanntesten Smart City-Leistungen in Österreich. Ebenfalls bekannt sind Smart Metering (45%), Urban Gardening (44%), Online-Zugang zu Bibliotheken (42%) sowie Routenoptimierungen bei Staus (ebenfalls 42%). Am wenigsten im Bewusstsein der Österreicherinnen und Österreicher verankert sind die Angebote zu nachhaltigem Ressourcenmanagement und Bildung durch Online-Lernplattformen (je 23%).

Fazit: Bekanntheit von Smart-City-Angeboten heißt nicht gleich Nutzung. Es gilt deshalb, die Angebote nicht nur bekannter zu machen, sondern die Bürgerinnen und Bürger auch dazu zu bewegen, diese aktiv zu nutzen.

Beliebteste Angebote: WLAN, Mobilität und Bibliotheks-Online-Zugänge

Das beliebteste Smart City-Angebot ist laut Aussage der Befragten freies WLAN – 61 Prozent würden diese Leistung sofort in Anspruch nehmen. Jeweils etwa ein Drittel würde Routenoptimierung (33%), Car- oder Bike-Sharing (31%) oder Online-Zugang zu Bibliotheken (32%) nutzen. Wenig interessant sind dagegen Bildungsangebote über Online-Lernkurse sowie autonomes Fahren in Form von Taxis oder öffentlichen Verkehrsmitteln – diese Angebote zu nutzen können sich derzeit nur jeweils 15 Prozent vorstellen, Urban Gardening ist nur für 16 Prozent interessant.

Damit ergeben sich klare Handlungsempfehlungen für Stadtentwickler und -gestalter. Vor allem der Ausbau der Verfügbarkeit von WLAN an öffentlichen Plätzen wird von Bürgerinnen und Bürgern gewünscht. Aber auch Investitionen im Bereich Mobilität in Form von Car- und Bikesharing-Angeboten oder Routenoptimierungen für die Verkehrsauslastung würden auf großes Interesse stoßen. Auffällig ist auch, dass seitens der Bürgerinnen und Bürger hohes Interesse an Online-Zugängen zu Bibliotheken besteht. 

Smart Cities in Oesterreich

Smart Country? Status-Quo zur digitalen Verwaltung in Österreich

Der digitale Wandel wirkt sich nicht nur auf Städte und Gemeinden, sondern im gesamten öffentlichen Sektor aus. Österreich gehört dabei zu Europas Vorreitern und belegt im aktuellen E-Government-Benchmark der Europäischen Kommission den sechsten Platz von 34 untersuchten Ländern. Besonders gut schneidet Österreich in den Bereichen grenzüberschreitende Mobilität und benutzerorientierte Regierung ab. Darunter fallen die Online-Verfügbarkeit von Dienstleistungen, Online-Support und Help Services. Rund zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher sind mit den Online-Behördenangeboten zufrieden. Aufholbedarf gibt es jedoch auch hier beim Wissenstand und der Nutzung von Angeboten durch die Bürgerinnen und Bürger, wie die EY-Studie zeigt.

Fazit

Knapp ein Viertel (23%) der Bevölkerung fühlt sich aktuell gut über die bestehenden Online-Angebote der Verwaltung informiert, viele wickeln ihre Behördenwege nach wie vor vorrangig persönlich ab. Das Potenzial ist aber groß: Zwei Drittel (66%) können sich vorstellen, Behördengänge in Zukunft ausschließlich online abzuwickeln. Österreich nimmt vor allem in Mitteleuropa nach wie vor eine Vorreiterstellung bei digitalen Verwaltungsangeboten ein. Jetzt gilt es, diesen Vorsprung entsprechend zu halten und die damit verbundenen Chancen zu nutzen, die Bürger verstärkt zu informieren und zur Nutzung zu motivieren. 

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Christoph Harreither

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