Pressemitteilung

17 Dezember 2019 Wien, AT

EY Automotive Analyse Dezember 2019

WIEN, 17. Dezember 2019. Im November verzeichnete der EU-Neuwagenmarkt ein Wachstum von knapp fünf Prozent. Der Elektro-Boom geht zum Jahresende die Luft aus.

  • Pkw-Absatz in der EU steigt im November um 4,9 Prozent, in Österreich Rückgang um 1,4 Prozent
  • Gewerbliche Neuzulassungen steigen stark, Privatkäufe rückläufig
  • Neue Emissionsregeln ab 2020 prägen Marktentwicklung
  • Starkes Wachstum bei Elektroautos erst ab Mitte 2020 erwartet

Im November verzeichnete der EU-Neuwagenmarkt ein Wachstum von knapp fünf Prozent – das allerdings teilweise erneut auf das WLTP-bedingt niedrige Vorjahresniveau zurückzuführen ist. Im November 2018 hatte die vorangegangene Umstellung auf den neuen Prüfstandard WLTP EU-weit zu einem Absatzrückgang um acht Prozent geführt. Mit dem aktuellen Anstieg um vier Prozent wurde also nicht einmal der Rückgang des Vorjahres ausgeglichen. Tatsächlich lag das Marktvolumen um drei Prozent unter dem Niveau von November 2017. Im bisherigen Jahresverlauf pendelte sich das Niveau der Neuzulassungen um 0,3 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum ein.

In Österreich gingen die Neuzulassungen im November um 1,4 Prozent zurück. Sie lagen damit zudem um 21 Prozent unter dem Niveau von November 2017. Im bisherigen Jahresverlauf ergibt sich für den österreichischen Absatzmarkt ein Rückgang der Neuzulassungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,7 Prozent.

Während Deutschland mit einem Plus von zehn Prozent EU-weit als Wachstumsmotor fungierte, entwickelten sich die Neuzulassungen in vielen anderen großen Märkten deutlich weniger positiv. In Frankreich stiegen sie nur um knapp ein Prozent, in Spanien und Italien um gut zwei Prozent, in Großbritannien schrumpfte der Markt um 1,3 Prozent.

„Der deutsche Neuwagenmarkt scheint zurzeit extrem stark zu sein, gerade im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern einschließlich Österreich. Allerdings dürfte das hohe Absatzniveau gerade bei den SUVs und Geländewagen viel mit den ab 2020 geltenden neuen EU-Vorgaben zum CO2-Ausstoß zu tun haben“, sagt Gerhard Schwartz, Partner und Sector Leader Industrial Products bei EY Österreich. Ab kommendem Januar muss die jeweilige Neuwagenflotte einen herstellerspezifischen Grenzwert einhalten – sonst drohen den Herstellern hohe Strafen. Es spricht einiges dafür, dass der derzeitige Boom bei SUVs und Geländewagen in Deutschland – zusammen stiegen die Neuzulassungen im November um fast ein Drittel – zu einem erheblichen Teil auf verkaufsfördernde Maßnahmen der Autobranche (Eigenzulassungen, hohe Rabatte) zurückzuführen ist.

Auch in Österreich entzogen sich stark motorisierte Fahrzeuge dem negativen Markttrend: Während die Zahl der Neuzulassungen von Fahrzeugen mit höchstens 170 PS um neun Prozent sank, kletterten die Zulassungen von stärker motorisierten Neuwagen um 49 Prozent.

„Die Unternehmen haben eine starke Motivation, Fahrzeuge mit hohem CO2-Ausstoß noch im laufenden Jahr in den Markt zu drücken, damit sie ab Januar nicht ihre CO2-Bilanz belasten“, sagt Schwartz. Umgekehrt dürften die bemerkenswert niedrigen Neuzulassungen von Elektroautos im November ebenfalls zumindest teilweise den ab Januar geltenden neuen Regeln geschuldet sein, so Schwartz: „Niedrige Elektro-Neuzulassungen sind aus Sicht der Unternehmen derzeit kein Problem, sondern sogar beabsichtigt – je mehr E-Autos erst ab Januar zugelassen werden, desto besser für die Einhaltung der neuen Grenzwerte.“

Im November waren die Neuzulassungen reiner Elektroautos in Österreich um 24 Prozent gesunken. In den Top-5-Märkten (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien) waren sie um 39 Prozent gestiegen und damit halb so stark wie im bisherigen Jahresverlauf (plus 79 %).

Prognose 2020: E-Mobilität boomt

„Was wir beim Thema Elektromobilität zurzeit sehen, ist die Ruhe vor dem Sturm. Ab dem kommenden Jahr haben die Hersteller ein massives Interesse, die Zahl der neu zugelassenen E-Autos stark zu erhöhen. Den richtigen E-Boom werden wir aber erst ab Sommer 2020 sehen, wenn die Fahrzeuge in ausreichender Zahl tatsächlich verfügbar sein werden“, so Schwartz.

Noch ist der Marktanteil – vor allem in den südeuropäischen Ländern – sehr niedrig. Aber bereits für das kommende Jahr sei in den großen Märkten mit einer Verdopplung des Marktanteils zu rechnen, so Schwartz: „Zahlreiche neue innovative Modelle auch in niedrigeren Preisregionen sowie attraktive Finanzierungspakete werden Elektromobilität für ganz neue Käufergruppen interessant machen.“

Auch Plug-in-Hybride dürften im kommenden Jahr deutlich zulegen. Zum einen, weil sie den Herstellern helfen, ihre CO2-Ziele zu erreichen, zum anderen, weil zahlreiche neue Modelle auf den Markt kommen und auf großes Kundeninteresse stoßen. Ein Problem waren bislang – wie auch bei Elektroautos – die mangelnde Verfügbarkeit von Fahrzeugen und die entsprechend langen Lieferzeiten. Gerade einmal um ein Prozent stiegen die Neuzulassun-gen von Plug-in-Hybriden im laufenden Jahr in den Top-5-Märkten gegenüber dem Vorjahreszeitraum, in Österreich sanken sie sogar um elf Prozent.

Absatzrückgänge im neuen Jahr erwartet

Das derzeitige Wachstum auf dem EU-Neuwagenmarkt ist ein Ergebnis stark steigender gewerblicher Neuzulassungen – private Neuwagenkäufe werden hingegen immer seltener. So gingen die Neuzulassungen auf Privatpersonen etwa in Italien, Spanien und Großbritannien im November bereits deutlich zurück. In Deutschland stiegen die privaten Neuzulassungen um gerade einmal 0,2 Prozent, während gewerbliche Neuzulassungen um knapp 15 Prozent zulegten. Für Österreich liegen keine entsprechenden Angaben vor.

„Privatpersonen halten sich schon jetzt beim Neuwagenkauf zurück, nicht zuletzt aufgrund der eingetrübten Konjunkturaussichten. Dieser Trend wird sich im kommenden Jahr voraussichtlich noch verstärken, zumal Tageszulassungen in großer Zahl auf Käufer warten. Und wer sich für ein Elektroauto interessiert, wird vermutlich erst einmal abwarten und diesen noch jungen Markt sondieren, bevor eine Kaufentscheidung getroffen wird“, erwartet Schwartz. Im ersten Halbjahr rechnet Schwartz daher mit sinkenden Neuzulassungen; eine neue Dynamik dürfte, wenn überhaupt, erst im zweiten Halbjahr entstehen.

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