Pressemitteilung

27 Februar 2020 Wien, AT

Zwei Drittel von Österreichs Unternehmen sehen Nachhaltigkeit als Wachstumshebel – aber fast jedes zweite hat keine Strategie

WIEN, 27. Februar 2020. Nachhaltigkeit im österreichischen Mittelstand

Pressekontakte

Nina Eggenberger

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Österreich

Sarah Mauracher

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Österreich

  • Zwei Drittel der heimischen Unternehmen sehen Nachhaltigkeit als Chance für das eigene Geschäft
  • Fast jedes zweite Unternehmen verzichtet auch in Zukunft auf eine Nachhaltigkeits- und Klimastrategie
  • Uneinigkeit über die Auswirkungen des Klimawandels: Ungefähr gleich viele Unternehmen sehen diesen als Chance bzw. Risiko
  • Nicht-finanzielle Berichterstattung gewinnt an Bedeutung
  • Viele Unternehmen sehen Bewusstseinsbildung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (66 %), nachhaltige Investitionsentscheidungen (63 %) und Erhöhung des Anteils von Energie aus erneuerbaren Quellen (60 %) als die wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel

Wien, 27. Februar 2020. Österreichs mittelständische Unternehmen sind sich ihrer Verantwortung im Hinblick auf den Klimawandel bewusst und sehen Nachhaltigkeit als Chance für das eigene Geschäft. Zwei Drittel (69 %) sind der Meinung, dass ihr Betrieb durch verstärkte Nachhaltigkeitsinitiativen geschäftlich profitieren kann. Die Auswirkungen auf das Geschäftsmodell sind hingegen noch nicht absehbar, hier herrscht große Uneinigkeit im österreichischen Mittelstand: Ungefähr gleich viele Unternehmen sehen den Klimawandel als Chance (26 %) bzw. Risiko (21 %). Nur jedes dritte Unternehmen (35 %) setzt bereits auf eine Nachhaltigkeits- und Klimastrategie, fast ein Fünftel (19 %) will eine solche Strategie in den nächsten zwei Jahren entwickeln.  

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die 900 mittelständische, nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitern in Österreich befragt wurden.

„Zwar gewinnt das Thema Nachhaltigkeit immer mehr an Zuspruch, allerdings sind die Unternehmen noch unschlüssig, wie sie das Potenzial am besten nutzen können. Wichtig ist, dass Klimaschutz nicht nur eine Modeerscheinung bleibt, sondern Teil der Wirtschafts- und Standortpolitik jedes Staates, Teil der Strategie jedes Unternehmens und Teil des Lebens jedes Menschen wird. Das neue Regierungsprogramm legt einen sehr starken Fokus auf Klimaschutz. Unternehmen müssen ihre Strategie ebenso wie ihr Risikomanagement unter Ökologisierungsaspekten weiterentwickeln und umgestalten. Bereits jetzt sehen sich Österreichs Unternehmen in der Verantwortung und treffen in vielen Fällen bereits erste Maßnahmen, um ihren Teil beizutragen“, so Gunther Reimoser, Country Managing Partner bei EY Österreich.

Österreichs Unternehmen sehen Nachhaltigkeit als Chance

Nachhaltigkeit ist für die heimischen Betriebe nicht nur eine gesellschaftliche Verantwortung, sondern wird auch als Chance für das eigene Geschäft wahrgenommen. Mehr als zwei von drei Unternehmen (69 %) gehen davon aus, dass sie von verstärkten Aktivitäten im Nachhaltigkeitsbereich geschäftlich profitieren können, ein knappes Drittel (31 %) ist sich dabei sogar sicher. „Der gesellschaftliche Druck im Zuge der zahlreichen Klimainitiativen und die damit einhergehende steigende Nachfrage nach nachhaltigen Produkten seitens der Konsumenten bietet für Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten. Wer jetzt auf ein nachhaltiges Portfolio setzt, ist am Puls der Zeit und wird so auch langfristig Kunden gewinnen und binden können“, erklärt Reimoser.

Besonders hoch werden die Chancen durch Nachhaltigkeit in den Branchen Tourismus und Industrie (jeweils 74 %) eingeschätzt. Nur sechs Prozent der an der Umfrage teilgenommenen Unternehmen gaben an, dass sich eine Steigerung der Nachhaltigkeitsinitiativen sicher nicht auf das Geschäft auswirken würde.

Fast jedes zweite Unternehmen verzichtet auf Nachhaltigkeits- und Klimastrategie

Immerhin 35 Prozent der Mittelstandsunternehmen in Österreich verfügen bereits über eine eigene Nachhaltigkeits- oder Klimastrategie. Weitere 19 Prozent der Unternehmen planen, diese innerhalb der nächsten zwei Jahre zu entwickeln. Vorreiter in diesem Bereich sind die Sektoren Industrie sowie Transport und Verkehr, in denen 66 Prozent bzw. 62 Prozent bereits über eine entsprechende Strategie verfügen oder in den nächsten zwei Jahren die Einführung einer solchen planen. Allerdings gibt beinahe jedes zweite Unternehmen (46 %) an, keine Nachhaltigkeits- oder Klimastrategie zu haben und auch in Zukunft keine Entwicklung einer solchen zu planen.

„Die Frage, ob Unternehmen Nachhaltigkeitsthemen in ihrer Strategie berücksichtigen sollten, stellt sich mittlerweile nicht mehr. Anleger, Stakeholder und Kunden erwarten zu Recht, dass sich Betriebe ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind und diese auch wahrnehmen. Bei der Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie ist es wichtig, dass diese nicht losgelöst von der Unternehmensstrategie initiiert wird, sondern von Beginn an als integrativer Teil dieser fungiert. Die Zeiten, in denen Nachhaltigkeit ein Nischenthema war, sind definitiv vorbei“, so Reimoser.

Uneinigkeit über Auswirkungen des Klimawandels auf Geschäftsmodelle

Hinsichtlich der Auswirkungen des Klimawandels auf das eigene Geschäftsmodell herrscht in Österreich noch ein eher unklares Bild vor. Gut jedes vierte Unternehmen (26 %) sieht in den Auswirkungen des Klimawandels eine Chance für das eigene Geschäftsmodell, beinahe genauso viele (21 %) erkennen darin aber ein Risiko. Zudem ist jedes zweite befragte Unternehmen (53 %) der Ansicht, dass sich der Klimawandel nicht auf das eigene Geschäftsmodell auswirken wird. Auch der Mittelstand in Deutschland ist sich uneins: Zwar gibt hier fast ein Drittel (30 %) an, durch den Klimawandel eine Chance für das Geschäftsmodell zu erkennen, allerdings sehen auch bei unserem Nachbarn 21 Prozent darin ein Risiko.

„Österreichs Unternehmen können die tatsächlichen Konsequenzen des Klimawandels für das eigene Unternehmen zurzeit nur schwer abschätzen. Für viele Betriebe bedeutet der Klimawandel allerdings eine fundamentale Transformation der Wertekultur und der Strategie. Im nächsten Schritt werden Unternehmen ihre Geschäftsmodelle unter nachhaltigen Aspekten weiterentwickeln und nicht vollkommen umkrempeln“, betont Reimoser.

Nicht-finanzielle Berichterstattung gewinnt an Bedeutung

Zwar berichtet aktuell nur ein knappes Drittel (29 %) der Mittelstandsunternehmen umfassend über nicht-finanzielle Informationen oder Nachhaltigkeitsagenden, allerdings planen weitere 16 Prozent die Implementierung solcher Kommunikationsmaßnahmen in den nächsten zwei Jahren. In Deutschland liegt der Anteil jener Mittelstandsunternehmen, die bereits auch nicht-finanzielle Informationen umfassend offenlegen oder über ihre Nachhaltigkeitsagenda berichten, mit 51 Prozent deutlich höher. Die Hälfte der österreichischen Unternehmen (55 %) zieht aktuell auch nicht in Erwägung, diese Informationen in naher Zukunft zu veröffentlichen.

„Zwar ist der Anteil jener, die aktuell oder in naher Zukunft in Österreich über Nachhaltigkeitsagenden und nicht-finanzielle Informationen berichten wollen, erfreulich, allerdings sieht sich eine relativ große Gruppe noch immer nicht unter Zugzwang“, so Stefan Uher, verantwortlicher Partner für den Bereich Climate Change and Sustainability Services bei EY Österreich, und weiter: „Die Stakeholder von Unternehmen, besonders natürlich deren Kunden, informieren sich heute intensiver über die Produkte, die sie kaufen. Je transparenter ich als Unternehmen diesbezüglich kommuniziere, desto mehr komme ich diesem Informationsbedürfnis entgegen“.

Österreichs Unternehmen treffen bereits erste Maßnahmen gegen den Klimawandel

Österreichs mittelständische Unternehmen sind sich ihrer Verantwortung im Hinblick auf den Klimawandel bewusst und treffen bereits Maßnahmen, um zur Problemlösung beizutragen. Auf Rang eins der wichtigsten Maßnahmen steht die Bewusstseinsbildung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (66 %), gefolgt von nachhaltigen Investitionsentscheidungen (63 %) sowie einer Erhöhung des Anteils von Energie aus erneuerbaren Quellen (60 %). Auch beim deutschen Mittelstand rangieren diese drei Maßnahmen unter den Top-3. Hingegen spielen in Österreich Maßnahmen in Bezug auf den Verkehr wie die Ökologisierung des Fuhrparks (42 %) oder die Reduktion von Reise- und Transporttätigkeiten (23 %) aktuell eine eher untergeordnete Rolle.

„Österreichs Betriebe nehmen ihre gesellschaftliche Funktion wahr und wollen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dabei helfen, die aktuelle Informationsflut einzuordnen und selbst aktiv zu werden. In den nächsten Jahren wird es aber noch weitere Maßnahmen benötigen. Die Regierung hat es sich zum Ziel gesetzt, Österreich bis 2040 klimaneutral zu gestalten. Auch die Wirtschaft wird ihren Teil dazu beitragen. Erste Maßnahmen im Regierungsprogramm sehen beispielsweise ein Anreizsystem für nachhaltigere Fuhrparks oder auch steigende Kosten für Flugreisen vor. Das wird sich stark auf die Maßnahmen auswirken, die Unternehmen zum Klimaschutz treffen“, schließt Reimoser.

 

- Ende -

EY im Überblick

EY* ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsorganisationen in Österreich. Das Unternehmen beschäftigt über 1.000 Mitarbeiter an vier Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2018/2019 einen Umsatz von 160 Millionen Euro. Gemeinsam mit den insgesamt mehr als 280.000 Mitarbeitern der internationalen EY-Organisation betreut EY Kunden überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung sowie Strategy and Transactions und Managementberatung.

*Der Name EY bezieht sich in diesem Profil auf alle österreichischen Mitgliedsunternehmen von Ernst &Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.