Pressemitteilung

7 April 2020 Wien, AT

EY Start-up-Barometer Europa 2019

WIEN, 7. April 2020. Europäisches Start-up-Ökosystem nach Rekordjahr vor existenzieller Herausforderung

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Sarah Mauracher

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Österreich

Nina Eggenberger

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Verwandte Themen Start-ups
  • Finanzierung europäischer Start-ups 2019 auf Rekordniveau: Investitionen kletterten 2019 um 46 Prozent auf 31,1 Milliarden Euro
  • Zahl der Finanzierungsrunden erhöhte sich allerdings nur um ein Prozent – Rückgang bereits im zweiten Halbjahr
  • COVID-19 bedeutet größte Bewährungsprobe der Geschichte für heimische Start-up-Szene
  • Finanzierungsrunden für österreichische Start-ups stiegen 2019 von 71 auf 88, Volumen wuchs um 10 Millionen Euro auf 183 Millionen Euro 
  • Biotech-Start-ups bekommen in Österreich am meisten Geld – größte Finanzierung für Themis Bioscience
  • Städteranking: London mit den meisten Deals vor Paris, Berlin und Stockholm – Wien schafft es auf Platz 14
  • EY unterstützt österreichische Start-ups: kostenloses Finanzplanungs-Tool

Nach einem Finanzierungsrekord im vergangenen Jahr ist aufgrund der aktuellen Corona-Krise für das Jahr 2020 nun ein massiver Einbruch bei Start-up-Finanzierungen zu erwarten. 2019 stieg der Gesamtwert der Start-up-Finanzierungen in Europa im Vergleich zum Vorjahr um 46 Prozent auf 31,1 Milliarden Euro. Die Zahl der Finanzierungsrunden legte allerdings nur um ein Prozent auf 4.246 zu. 

Das sind Ergebnisse des Start-up-Barometers der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY. Die Studie basiert auf einer Analyse der Investitionen in europäische Start-ups. Als Start-ups werden dabei Unternehmen gewertet, die nicht älter als zehn Jahre sind.

„2019 dürfte vorerst das letzte Rekordjahr für das europäische Start-up-Ökosystem gewesen sein“, beobachtet Thomas Gabriel, Partner und Leiter Start-up bei EY Österreich. „Die Coronavirus-Pandemie wird zu deutlich sinkenden Investitionen führen. Außerdem sind bei vielen Unternehmen massive Umsatzausfälle zu erwarten. Damit ist diese Krise eine existenzielle Herausforderung für das europäische und auch das österreichische Start-up-Ökosystem.“

Großbritannien baute 2019 Vorsprung aus

Trotz des bevorstehenden Brexits konnte Großbritannien seine Spitzenposition innerhalb der europäischen Start-up-Szene auch 2019 behaupten und sogar ausbauen: An britische Start-ups flossen insgesamt 11,1 Milliarden Euro, das sind 54 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Finanzierungsrunden war allerdings rückläufig: Sie sank um acht Prozent auf 971.

Deutsche Jungunternehmen erhielten mit 6,1 Milliarden Euro 32 Prozent mehr als 2018. In Frankreich stiegen die Start-up-Investitionen sogar um 50 Prozent auf 5,0 Milliarden Euro. Sowohl in Deutschland als auch in Frankreich erhöhte sich die Zahl der Finanzierungen: in Deutschland um 13 Prozent, in Frankreich um 14 Prozent. Im europäischen Städteranking lag London mit 9,1 Milliarden Euro und einem Zuwachs von 82 Prozent gegenüber 2018 unangefochten auf dem ersten Platz vor Berlin (3,54 Milliarden Euro) und Paris (3,52 Milliarden Euro). 

Bereits im zweiten Halbjahr 2019 war ein Rückgang der Finanzierungsaktivitäten in Europa zu beobachten: Das Investitionsvolumen schrumpfte im Vergleich zur ersten Jahreshälfte um 15 Prozent auf 14,2 Milliarden Euro, die Zahl der Finanzierungsrunden sank ebenfalls um 15 Prozent auf 1.944. 

Finanzierungsrunden und Volumen 2019 auch in Österreich gestiegen

In Österreich ist der Gesamtwert des Investitionsvolumens von 173 Millionen Euro auf 183 Millionen Euro gestiegen. Damit belegt Österreich Rang 15 im europäischen Vergleich. Gleichzeitig ist auch die Zahl der Finanzierungsrunden österreichweit nach oben gegangen: Sie stieg von 71 auf 88 – hier rückt Österreich unter die Top-10 in Europa und belegt den neunten Platz. In Wien stieg das Investitionsvolumen von 104 Millionen Euro auf rund 140 Millionen Euro – die österreichische Hauptstadt ist aber trotzdem nicht in den europäischen Top-20 vertreten und landet auf Platz 23. Die Anzahl der Finanzierungsrunden ist in Wien von 43 auf 46 gestiegen – das bedeutet Platz 14 im europäischen Ranking. 

Insbesondere Start-ups aus dem Gesundheitsbereich bekamen 2019 in Österreich hohe Finanzierungen. Die beiden größten Finanzierungen des Jahres flossen in Biotech- bzw. Medtech-Unternehmen: Insgesamt rund 40 Millionen Euro wurden in Themis Bioscience investiert, das in Wien und New York ansässige Start-up Hookipa erhielt rund 33 Millionen Euro. Komplettiert werden die Top-3 vom Marketing-Analytics-Unternehmen Adverity, das rund rund elf Millionen Euro erhielt.

Ausblick und erforderliche Maßnahmen

Im Jahr 2020 dürften sowohl die Zahl der Deals als auch die investierten Summen deutlich sinken, erwartet Gabriel. Wie stark, hänge von der Intensität und Dauer der aktuellen Krise ab: „Niemand kann derzeit prognostizieren, wie lange die aktuelle Vollbremsung der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens andauert. Fest steht aber, dass das heimische Start-up-Ökosystem vor der größten Bewährungsprobe seiner Geschichte steht. Es braucht rasch Unterstützungsmaßnahmen und flexible Kapitalzugänge, sonst wird es zu einer starken Rückentwicklung der heimischen Start-up-Szene kommen“.

Entscheidend sei in dieser schwierigen Situation, dass die sich in der Vergangenheit entwickelten kleinen Früchte des österreichischen Start-up-Ökosystems zumindest grundsätzlich erhalten bleiben, warnt Gabriel: „Der Finanzierungsmarkt darf nicht vollständig austrocknen. Hier sind dringend politische Hilfsmaßnahmen und Lösungen notwendig. Ein Lichtblick ist, dass es diese Woche erste positive Signale seitens der Regierung gegeben hat, zum Beispiel durch die Stundung von Förderungsrückzahlungen, die Aufstockung des aws-Seed-Financing-Programms und die Ankündigung eines Venture-Capital-Fonds“. 

Gerade jetzt zeige sich nämlich, wie unverzichtbar eine noch deutlich stärkere Digitalisierung der Wirtschaft sei, so Gabriel: „Jetzt erweist sich, wie wichtig z. B. Plattformen sind, auf denen Lehrer ihre Schüler per Livestream unterrichten und wie sehr Unternehmen im Vorteil sind, die bereits funktionierende Homeoffice-Lösungen und Web-Konferenz-Tools sowie umfassend digitalisierte Prozesse etabliert haben. Ebenso sind Unternehmen mit digitalen Vertriebsplattformen nun klar im Vorteil.“ 

„Die anhaltend niedrigen Finanzierungsvolumina und die zu erwartenden Finanzierungsprobleme in der aktuellen Krisensituation unterstreichen wieder, wie wichtig eine Gesamtstrategie für die Start-up-Szene in Österreich ist. Es wäre sinnvoll, sich strategisch auf bestimmte Schwerpunkte zu fokussieren und Cluster einzurichten, welche die Herausforderungen der österreichischen Industrieunternehmen abbilden. Ein Schulterschluss zwischen Öffentlicher Hand, Unternehmen, Kapitalgeber und Start-ups ist unbedingt erforderlich“, betont Gabriel.

Finanzierungsengpässe bedrohen Start-up-Szene

Im vergangenen Jahr ist zwar enorm viel Geld an europäische Jungunternehmen geflossen – allerdings ging das Gros der Summe an einige große und bereits mit viel Kapital ausgestattete Unternehmen. „Für den Start-up-Standort Österreich war das Jahr 2019 grundsätzlich erfolgreich – das Volumen der Investitionen stieg sogar auf Rekordniveau. Allerdings ist es nach wie vor so, dass es in Österreich viele kleine Finanzierungen gibt: Die Top-10-Deals in Österreich hatten 2019 ein Durchschnittsvolumen von 14 Millionen Euro – die Schweiz liegt bei 78 Millionen Euro, Deutschland bei 258 Millionen Euro“, so EY-Partner Gabriel.

„An Expansion ist bei vielen Unternehmen derzeit nicht zu denken – nun geht es darum, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten, den Kapitalabfluss zu minimieren und möglichst viel Geld im Unternehmen zu halten“, sagt Gabriel. „Die Mehrzahl der Start-ups ist nur für einige Monate durchfinanziert, danach benötigen sie frisches Geld.“ 

Eine besondere Herausforderung sei die derzeitige Situation auch für die Kapitalgeber, so Gabriel: „Ein Exit ist jetzt sehr viel schwieriger als vor der Krise – die Bewertungen werden nach unten angepasst. Für die Investoren geht es daher nun vorrangig darum, ihre Portfoliounternehmen durch die Krise zu bekommen. Und sie haben im Zweifelsfall zu entscheiden, welche Geschäftsmodelle tatsächlich noch eine Zukunft haben. Für vielversprechende Unternehmen wird es durchaus noch Zwischenfinanzierungen geben – große Neuinvestitionen werden wir aber deutlich seltener sehen als 2019.“

Es werde auch Unternehmen und Segmente geben, die gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden, so Gabriel: „Digital Health im weitesten Sinne wird boomen – einige dieser Lösungen waren schon in den vergangenen Jahren in Gang gebracht worden. Hier wird sich jetzt die Entwicklung eindeutig beschleunigen. Biotech- und Medtech-Unternehmen erzielten schon 2019 die höchsten Finanzierungssummen in Österreich und werden natürlich weiter gewinnen. Die Bereiche Logistik, Food, Online-Handel, Online-Learning, Online-Kommunikation und Saas-Modelle könnten mittelfristig ebenfalls einen Aufschwung erleben. Schwieriger wird es hingegen für Start-ups insbesondere aus den Bereichen Travel, Mobility und Events.“ 

Britisches Start-up erhielt 2019 das meiste Geld

Von den fünf größten Finanzierungsrunden des vergangenen Jahres gingen vier an britische Jungunternehmen: Das inzwischen insolvente Internet-Satelliten-Startup One Web erhielt 1,1 Milliarden Euro, an das schwedische Batterie-Start-up Northvolt flossen 885 Millionen Euro, das britische FinTech Greensill Capital bekam bei zwei Finanzierungsrunden insgesamt knapp 1,3 Milliarden Euro. Die 500-Millionen-Euro-Finanzierung für FlixBus war im europäischen Vergleich die sechstgrößte Investition, die Finanzspritze von 428 Millionen Euro für GetYourGuide war die achtgrößte Finanzierungsrunde in Europa.

EY unterstützt österreichische Start-ups: kostenloses Finanzplanungs-Tool 

Um gerade heimische Jungunternehmen und kleine Betriebe in der aktuellen Situation zu unterstützen, stellt EY sein Tool „EY Finance Navigator“ für drei Monate kostenlos zur Verfügung. Der „EY Finance Navigator“ unterstützt speziell Start-ups dabei, die finanziellen Auswirkungen von COVID-19 auf ihr Business zu beurteilen. Das Online-Tool erleichtert die Erstellung eines professionellen Finanzplans und detaillierter Cashflow-Prognosen. Mit Hilfe dieser Finanzmodellierungssoftware sind schnell wachsende Unternehmen in der Lage, finanziell getriebene strategische Entscheidungen zu treffen und können besser vorhersehen, wann Liquiditätsprobleme auftreten. Außerdem können für Investoren interessante Kennzahlen übersichtlich aufbereitet werden. Start-ups können sich einfach unter https://thefinancenavigator.ey.com/register mit dem Code COVID19FN registrieren.

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EY im Überblick

EY* ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsorganisationen in Österreich. Das Unternehmen beschäftigt über 1.000 Mitarbeiter an vier Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2018/2019 einen Umsatz von 160 Millionen Euro. Gemeinsam mit den insgesamt mehr als 280.000 Mitarbeitern der internationalen EY-Organisation betreut EY Kunden überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung sowie Strategy and Transactions und Managementberatung.

*Der Name EY bezieht sich in diesem Profil auf alle österreichischen Mitgliedsunternehmen von Ernst &Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.