Pressemitteilung

15 Juni 2020 Wien, AT

EY-Bilanzanalyse Pharma 2020

WIEN, 15. Juni 2020. Pharmaunternehmen wachsen 2019 deutlich - Coronakrise bringt Lerneffekte für die Zukunft

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Nina Eggenberger

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Österreich

Sarah Mauracher

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Österreich

Verwandte Themen COVID-19 Gesundheitswesen
  • Umsatz, operativer Gewinn und Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen bei den 21 größten Konzernen 2019 zweistellig
  • Bis Anfang Juni 242 Therapeutika und 161 Impfstoffe gegen Corona in der Pipeline
  • COVID-19 wird die Pipeline der großen Unternehmen kaum ändern – allerdings große Auswirkungen auf M&A sowie Prozesse haben

Wien. 15. Juni 2020. Die größten Pharmaunternehmen der Welt haben nach einer Wachstumspause im Vorjahr wieder Fahrt aufgenommen und im Jahr 2019 insbesondere ihre Innovationsanstrengungen verstärkt. So steigerten die 21 untersuchten Konzerne ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Durchschnitt um 14,2 Prozent – nach einem Minus von 1,9 Prozent im Vorjahr. An dem Zuwachs hatten fast alle Unternehmen ihren Anteil – 16 der 21 Konzerne erhöhten ihre F&E-Ausgaben.

Auch beim operativen Ergebnis (EBIT) gelang es den Unternehmen, den Wachstumsrückgang von 3,2 Prozent aus dem Vorjahr wieder ins Positive zu drehen: Sie steigerten das E-BIT um 11,9 Prozent.

Mit einem Plus von 12,3 Prozent erzielten die Unternehmen auch beim Umsatz einen zweistelligen Zuwachs. Insbesondere Takeda steigerte die Erlöse nach der Übernahme von Shire von 15,6 Milliarden Euro auf 25,8 Milliarden Euro. Doch auch ohne die Shire-Übernahme fiel das Umsatzwachstum der Top-Pharma-Unternehmen dank der Markteinführung neuer Wirkstoffe mit 10,1 Prozent zweistellig aus.

Besonders auch die deutschen Top-Pharma-Konzerne entwickelten sich positiv: Das EBIT stieg bei Bayer (plus 53 Prozent), Boehringer Ingelheim (plus 31,7 Prozent) sowie Merck KGaA (plus 28 Prozent) jeweils deutlich im zweistelligen Bereich. Beim Umsatz konnte sich lediglich Boehringer Ingelheim überdurchschnittlich entwickeln (plus 11,2 Prozent). Bayer und Merck blieben mit einem Umsatzwachstum von 7,3 Prozent beziehungsweise 7,5 Prozent unter dem Branchenschnitt.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 21 größten Pharmaunternehmen der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY erstellt hat.

“Im Jahr vor Corona hat sich die Pharmaindustrie weltweit positiv entwickelt“, kommentiert Erich Lehner, Managing Partner Markets und Leiter Life Sciences bei EY Österreich. „Einige große Übernahmen haben die Zahlen ein Stück weit beeinflusst – allen voran die Shire-Übernahme durch Takeda. Insgesamt hat die Branche ihren Fokus darauf gerichtet, Forschung und Entwicklung zu stärken. Ihre Innovationskraft und Flexibilität beweisen die Unternehmen derzeit in der Corona-Krise. Big Pharma stand im Vergleich zu den ohnehin forschungsstarken Big-Biotech-Unternehmen unter einem hohen Innovationsdruck. 2019 sind die Top-Pharma-Unternehmen dem in allen Bereichen nachgekommen: Sie haben ihre internen Anstrengungen weiter vorangetrieben, Zukäufe getätigt und sind Allianzen eingegangen. Dieser Trend setzt sich jetzt auch 2020 fort – vor allem auch am österreichischen Markt. Das zeigt beispielsweise die Übernahme des Wiener Biotech-Unternehmen Themis durch MSD. Gemeinsam wird nun an einem COVID-19-Impfstoff geforscht.“

Bis Anfang Juni 242 Therapeutika und 161 Impfstoffe gegen COVID-19 in der Pipeline

Die Life-Science-Branche hat sich so als Innovator in Stellung gebracht. Eine Eigenschaft, die ihr derzeit in der Corona-Krise zugutekommt. Innerhalb kürzester Zeit hat die Gesamtbranche bis Anfang Juni laut einer EY-Recherche 161 Impfstoff-Kandidaten und 242 therapeutische Wirkstoffkandidaten hervorgebracht sowie über 700 Tests entwickelt oder bereits auf den Markt gebracht. Die Zahlen ändern sich aber fast täglich.

Lehner ist sich sicher: „Für das Unternehmen, das als erstes einen Impfstoff auf den Markt bringt, wird es ein Gamechanger.“ Bis dahin sei es aber noch ein weiter Weg: „Es gibt keine Garantie für einen sicheren und wirksamen Impf- beziehungsweise Wirkstoff. Bei der Suche wird viel Entwicklungsgeld umsonst investiert: Nach unserer Einschätzung wird der überwiegende Anteil der derzeit erprobten Impfstoffe nicht das Licht der Welt erblicken. Unter den Therapeutika bleiben am Ende drei bis vier Präparate übrig, die angewendet werden.“

Schwerpunkte weiter auf der Onkologie – Verschiebung durch COVID-19?

Im Jahr 2019 haben die Top-Pharmaunternehmen ihren Schwerpunkt wie auch schon in der Vergangenheit auf Krebswirkstoffe gelegt. 2.586 Wirkstoffe befanden sich dazu in der klinischen Entwicklung. Zum Vergleich: Gleichzeitig befanden sich 605 Wirkstoffe gegen Infektionskrankheiten in klinischen Studien.

In der Onkologie erzielen die Unternehmen auch die größten Umsätze. Im vergangenen Jahr steigerten sie die Erlöse in dem Bereich um ein Fünftel auf 174 Milliarden Euro – auch getrieben durch große Blockbuster-Medikamente mit einem Umsatz von mindestens einer Milliarde US-Dollar. Mit Infektionskrankheiten erzielten sie dagegen „nur“ 46 Milliarden Euro Umsatz – eine Steigerung von 5,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

„Es ist zu erwarten, dass die Themen Infektionen und Antibiotika-Resistenzen vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Krise stärker in den Fokus rücken“, sagt Lehner. „Allerdings werden die großen Firmen nicht ihre langfristigen Programme stoppen und ihre Hauptaktivität auf COVID-19 verschieben.“ Pandemien seien als Businessfaktor nicht planbar – eben weil man nicht weiß, wann und in welcher Form sie auftreten.

Corona-Krise bremst M&A-Aktivitäten

Einen Effekt hat COVID-19 schon jetzt: Viele Fusionen und Übernahmen werden ausgesetzt. „Die Konzerne warten derzeit eher ab, wie es nach der Sommerpause aussieht. Im Moment gibt es zu viel Unsicherheit und dadurch auch viel Uneinigkeit über den Preis sowohl auf Käufer- als auch auf Verkäuferseite“, so Lehner.

Langfristig könne die Pharmaindustrie aber von Lerneffekten aus der aktuellen Krise profitieren, erwartet Lehner: „Die Unternehmen lernen derzeit viel über ihre Prozesse. Das wird einen nachhaltigen Effekt haben." Ebenso erwartet er, dass sich der Umgang mit Daten ändert: „Wir haben gesehen, dass wir keine Bedarfsplanung hatten, die schnell verfügbar war. Die Zukunft liegt darin, genügend Daten zu erfassen. Zum einen lassen sich so Prozesse besser abstimmen. Zum anderen kann man Patientinnen und Patienten dadurch aber auch zielgerichteter und wirksamer helfen.“

 

 

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