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Pressemitteilung

16 Juli 2020 Wien, AT

EU-Neuwagenmarkt erholt sich langsam – stärkerer Juli erwartet

WIEN, 16. Juli 2020. EY Automotive ACEA Analyse

Pressekontakte

Nina Eggenberger

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Österreich

Sarah Mauracher

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Österreich

  • Neuwagenabsatz sinkt EU-weit im Juni nur noch um 22 Prozent – nach einem Minus von 52 Prozent im Mai
  • Plug-in-Hybride boomen
  • Abwrackprämie treibt Frankreichs Automarkt ins Plus

Wien, 16.07.2020. Die Situation auf dem EU-Neuwagenmarkt hat sich im Juni weiter leicht entspannt, wobei große Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern zu beobachten sind. Insgesamt schrumpfte der Neuwagenabsatz im Vergleich zum Vorjahresmonat nur noch um 22 Prozent – im Mai hatte das Minus noch bei 52 Prozent gelegen. Während allerdings in Frankreich die Neuzulassungen dank einer staatlichen Abwrackprämie sogar stiegen (um ein Prozent), wies beispielsweise Portugal einen Rückgang um 56 Prozent auf. Die meisten größeren Märkte schrumpften um 20 bis 30 Prozent. Österreich verzeichnete einen Rückgang um 18 Prozent.

Bemerkenswert sei im Juni vor allem die gute Entwicklung in Frankreich gewesen, sagt Gerhard Schwartz, Leiter des Bereichs Industrial Products bei EY Österreich: „Wir sehen derzeit am Beispiel Frankreichs, dass gezielte staatliche Unterstützungsmaßnahmen durchaus eine starke Wirkung entfalten können.“

Für den weiteren Jahresverlauf ist Schwartz vorsichtig optimistisch: „In den meisten Ländern Europas hat sich das öffentliche Leben im Juni weiter normalisiert, die Wirtschaft kommt langsam wieder in Gang. Je nachdem, wie groß der Absatzeinbruch in den Monaten des Lockdowns war, gibt es einen mehr oder weniger großen Stau an Neuwagenkäufen, der sich jetzt langsam auflöst.“

Ausblick: 2020 EU-weiter Absatzrückgang um ein Viertel erwartet

Im bisherigen Jahresverlauf liegt der österreichische Neuwagenmarkt um 36 Prozent unter dem Vorjahresniveau, EU-weit ist bislang ein Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 38 Prozent zu verzeichnen.

Sollte es weiterhin gelingen, die Ausbreitung des Virus erfolgreich einzudämmen und die gefürchtete große zweite Welle zu verhindern, rechnet Schwartz für Österreich im Gesamtjahr mit einem Rückgang der Neuzulassungen um bestenfalls 20 Prozent. EU-weit sei ein Rückgang um ein Viertel realistisch. Schwartz betont aber: „Alle Prognosen sind derzeit mit großer Unsicherheit behaftet. Entscheidend wird – neben der Virusausbreitung und der konjunkturellen Lage – sein, ob es in weiteren Ländern staatliche Unterstützungen für Neuwagenkäufer geben wird.“

Schwartz warnt vor zu großem Optimismus in Bezug auf die Lage der Autobranche: „In jedem Fall haben wir derzeit in Europa erhebliche Überkapazitäten. Viele Hersteller werden nicht umhinkommen, schmerzhafte Einschnitte vorzunehmen, denn die aktuellen Überkapazitäten drücken massiv auf die Marge. Und auch im kommenden Jahr wird die europäische Wirtschaft noch mit den konjunkturellen Nachwehen dieser Krise kämpfen – selbst wenn die Pandemie dann vorüber sein sollte. Eine hohe Arbeitslosigkeit, Insolvenzen und sinkende Unternehmensgewinne werden sich noch lange auf den Neuwagenmarkt auswirken. Die Krise ist also noch lange nicht vorbei – auch nicht für die Automobilbranche.“

Elektrifizierte Antriebe boomen – vor allem Plug-in-Hybride

Deutschland und Frankreich haben zuletzt den staatlichen Zuschuss beim Kauf von Elektroautos weiter erhöht. Derartige Maßnahmen werden europaweit den Trend in Richtung Elektromobilität weiter verstärken, ist sich Schwartz sicher. „Die Preisnachlässe beim Kauf von Elektroautos und Plug-in-Hybriden sind auf einigen Märkten inzwischen enorm – die Lieferzeiten zum Teil allerdings auch.“ Denn das Angebot an tatsächlich verfügbaren E-Fahrzeugen sei begrenzt: „Die große Nachfrage führt zu Lieferengpässen – auch bei Plug-in-Hybriden, die derzeit besonders hoch in der Gunst der Käufer stehen.“

In Österreich hat sich die Zahl der neu zugelassenen Plug-in-Hybride im Vergleich zum Vorjahresmonat fast versiebenfacht, in Frankreich mehr als verfünffacht, in Italien mehr als vervierfacht, in Deutschland mehr als verdreifacht. Der Marktanteil von Plug-in-Hybriden lag im Juni in Deutschland mit knapp fünf Prozent am höchsten, gefolgt von Großbritannien (3,4 %) und Frankreich (3,2 %). In Österreich betrug der Marktanteil im Juni 2,5 Prozent.

Plug-in-Hybride werden in vielen Märkten nicht nur großzügig gefördert, sie haben gegenüber reinen Elektroautos zudem den entscheidenden Vorteil, dass die Reichweite kein Problem darstellt. Daher steigt die Nachfrage nach diesen Fahrzeugen derzeit besonders stark. „Die Hersteller könnten deutlich mehr Plug-in-Hybride verkaufen, wenn sie denn lieferbar wären“, sagt Schwartz. In den Top-5-Märkten stieg die Zahl der neu zugelassenen Plug-in-Hybride im Juni um 246 Prozent, während das Wachstum bei reinen Elektroautos mit plus 120 Prozent halb so stark war. Österreich verzeichnete bei Elektroautos einen unterdurchschnittlich starken Anstieg um 16 Prozent.

Zusammen kamen elektrifizierte Fahrzeuge – also Plug-in-Hybride und Elektroautos – in den Top-5-Märkten im Juni auf einen Marktanteil von 7,3 Prozent, in Österreich waren es 6,6 Prozent. In Frankreich und Deutschland hatte etwa jedes elfte neu zugelassene Auto einen elektrifizierten Antrieb, in Großbritannien sogar fast jedes zehnte.

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