Pressemitteilung

9 September 2020 Wien, AT

Autokonzerne rutschen im zweiten Quartal tief in die roten Zahlen

WIEN, 9. September 2020. EY Automotive Bilanzanalyse Q2 2020

Pressekontakte

Nina Eggenberger

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Österreich

Sarah Mauracher

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Österreich

  • Die 17 größten Autokonzerne der Welt: Umsatz sinkt um 41 Prozent, Absatz um 39 Prozent
  • Deutsche Konzerne weniger stark von Umsatz- und Absatzrückgang betroffen – gut jedes zweite Auto in China verkauft
  • Mehr Liquidität: Cash-Reserven steigen im Verlauf des zweiten Quartals um gut ein Viertel auf 250 Milliarden Euro
  • Konsolidierung beschleunigt sich – nicht alle Hersteller und Zulieferer werden überleben

Wien, 9. September 2020. Die Pandemie hat der weltweiten Autoindustrie ein tiefrotes zweites Quartal beschert: Nach einem operativen Gewinn von 21,8 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum wiesen die 17 größten Autokonzerne der Welt im abgelaufenen Quartal insgesamt einen operativen Verlust von 10,8 Milliarden Euro aus. Nur sechs Unternehmen schrieben schwarze Zahlen, ein Unternehmen – Tesla – konnte seinen Gewinn steigern.

Beim Umsatz war die Entwicklung noch eindeutiger: Alle untersuchten Unternehmen verzeichneten Umsatzeinbußen, die von fünf Prozent (Tesla) bis 57 Prozent (Mitsubishi) reichten. Die deutschen Konzerne verbuchten zusammen einen Umsatzrückgang um 32 Prozent, im Durchschnitt lag der Umsatzrückgang der analysierten Unternehmen bei 41 Prozent. Die französischen und die US-Konzerne verzeichneten sogar Einbußen von 49 bzw. 50 Prozent.

Immerhin: Trotz der mehrmonatigen Absatzkrise können die Autokonzerne auf ein großes Finanzpolster zurückgreifen. Zum Ende des zweiten Quartals 2020 verfügten die Unternehmen über Zahlungsmittel in Höhe von 250 Milliarden Euro – 26 Prozent mehr als drei Monate zuvor. Die höchste Liquidität wies Toyota mit gut 56 Milliarden Euro auf, gefolgt von Volkswagen mit 43 Milliarden Euro und Daimler mit 22 Milliarden Euro. Möglich wurde dieser Zuwachs an verfügbarer Liquidität unter anderem durch die Ausgabe neuer Anleihen.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 17 größten Autokonzerne der Welt, die das Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY quartalsweise erstellt.

Die Zahlen zum zweiten Quartal zeigen, wie massiv die Corona-Krise die Automobilindustrie getroffen hat, betont Gerhard Schwartz, Leiter des Bereichs Industrial Products bei EY Österreich: „Einen derartigen Einbruch bei Umsatz, Gewinn und Absatz hat es noch nie gegeben. Die Pandemie hat die weltweite Automobilindustrie zeitweise fast zum Stillstand gebracht – mit entsprechend katastrophalen Folgen für die Umsatz- und Gewinnentwicklung.“

Besonders groß waren die Einbußen in Westeuropa, wo der Absatz um 53 Prozent zurückging. In den USA lag das Minus bei 34 Prozent. In China gelang ein kleines Absatzplus von einem Prozent, nachdem dort im ersten Quartal ein überdurchschnittlich starker Rückgang von 38 Prozent verzeichnet worden war.

Gute Entwicklung in China stärkt vor allem deutsche Autobauer

Im zweiten Quartal entwickelte sich der chinesische Absatzmarkt zum wichtigsten Stützpfeiler der Autobranche – auch der deutschen Hersteller. „Alle drei deutschen Autokonzerne konnten im zweiten Quartal in China zulegen, während der Absatz in den anderen Regionen massiv einbrach. Der Anteil Chinas am weltweiten Absatz der deutschen Autobauer kletterte dadurch von 33 auf 51 Prozent“, stellt Schwartz fest.

Die deutschen Autokonzerne konnten zudem überdurchschnittlich stark von der Markterholung in China profitieren: Ihr Absatz legte dort um fünf Prozent zu, während der chinesische Gesamtmarkt nur um zwei Prozent stieg. „Nie war der chinesische Markt so wichtig für die Automobilindustrie wie in diesen Monaten“, so Schwartz. „Die starke Präsenz in China und die gute Entwicklung auf dem dortigen Markt sorgte auch dafür, dass der weltweite Absatzrückgang bei den deutschen Autokonzernen mit 32 Prozent weniger heftig ausfiel als bei den meisten anderen großen Autokonzernen.“ Insgesamt verzeichneten die 17 analysierten Unternehmen einen Absatzrückgang von 39 Prozent – die französischen Hersteller, die kaum in China tätig sind, verbuchten sogar einen Absatzeinbruch von 51 Prozent.

Krise beschleunigt Konsolidierung und Stellenabbau

Die massiven Absatzrückgänge auf den westlichen Märkten und die nur relativ zaghafte Erholung auch im laufenden dritten Quartal verstärken das ohnehin seit Jahren schwelende Problem der Überkapazitäten, betont Schwartz. „Das dritte Quartal wird zwar deutlich besser ausfallen als das zweite. Die Margen werden dennoch stark unter Druck stehen und sich auch mittelfristig wohl nur langsam erholen, der Absatz wird frühestens 2022 wieder das Vorkrisenniveau erreichen“. Hohe Investitionen in die Elektrifizierung, Digitalisierung und Produktpflege drücken zusätzlich die Gewinne.

Jetzt komme alles auf den Prüfstand, sagt Schwartz: „Investitionen, die nicht unbedingt nötig sind, werden verschoben. Und die Konsolidierung beschleunigt sich – diese Krise werden nicht alle Autohersteller und erst recht nicht alle Zulieferer überleben.“ Die Konzerne würden näher zusammenrücken und sehr viel enger zusammenarbeiten müssen als bisher.

Auch an Werkschließungen führe kein Weg vorbei, sagt Schwartz: „Es gibt keinen Grund, Kapazitäten vorzuhalten, die auf absehbare Zeit nicht gebraucht werden und die massiv die Margen belasten.“ Entsprechend rechnet er mit Arbeitsplatzverlusten im großen Stil: „Das große Erwachen wird wohl erst im nächsten Jahr kommen. Dann wird es eine brutale Auslese geben.“

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